Von Andreas Spaeth
Bisher konnten daher nur Einheimische etwa in Hotels investieren. Die Folge war, dass bei den meisten Unterkünften das verwohnte Niveau der siebziger Jahre vorherrschte, die Preise jedoch trotzdem stetig stiegen. Bis sich Mike Rapu mit der chilenischen Explora-Hotelgruppe darauf einigte, den Betreibern außerhalb des Hauptortes Hanga Roa knapp zehn Hektar Land zu verpachten. Offiziell ist das nur für fünf Jahre möglich, aber die Absprache geht von mindestens 25 Jahren aus, in der das jetzt eröffnete 13-Millionen-Dollar-Projekt hier operieren kann. Das ist eine geschickte Umschiffung bestehender Gesetze, die Rapu auch nicht verschweigt.
Auf der Insel bringt ihn das in die Kritik. "Mike Rapu ist der Stroh-Rapa-Nui", schimpft Conny Martin, die wie viele ortsansässige Reiseunternehmer gegen das Explora war und das Großprojekt als Dammbruch ansieht. Tatsächlich haben schon erste Nachahmer Hotelprojekte in Angriff genommen.
Um mangelnde Nachfrage brauchen sie sich nicht zu sorgen. Die Besucherzahlen sind in den vergangenen Jahren rasant gestiegen – 52.000 kamen im Jahr 2006, während es 1992 gerade mal 4700 waren. Für sie stehen insgesamt 800 Betten bereit, in Gästehäusern, Pensionen und sieben größeren Hotelanlagen. Wer zum größten Ereignis der Saison anreisen will, dem Volksfest Tapati Rapa Nui im Februar, muss Flüge und Unterkunft teilweise Jahre im Voraus buchen. Die von der chilenischen LAN im Monopol betriebenen Flüge, bis zu neun pro Woche, sorgen für einen ganzjährigen Engpass. "Früher waren vor allem pensionierte Oberstudienräte typische Gäste, heute kommen auch viele jüngere Leute", sagt Conny Martin.
Inzwischen ist eine freiwillige Begrenzung der maximalen Besucherzahl auf 50.000 pro Jahr im Gespräch. "Das ist sinnvoll", sagt Mike Rapu, "wir sollten gute Ansätze wie von den Galapagos-Inseln kopieren, die Entwicklung dort scheint jetzt unter Kontrolle zu sein." Martin dagegen ist skeptisch: "Eine Begrenzung interessiert den Bürgermeister und die Leute hier nicht. Die wollen immer mehr Geld verdienen, obwohl jetzt schon im Sommer immer der Stromgenerator den Geist aufgibt, die natürlichen Trinkwasservorräte schwinden und es weder Kläranlage noch Müllbeseitigung gibt."
Auch im neuen Explora-Hotel mit seinen 30 Zimmern kommt es trotz eines eigenen Stromgenerators immer wieder zu Ausfällen in der Energieversorgung – Sonnenenergie wird nicht genutzt, obwohl man sich sonst einer betont umweltfreundlichen und möglichst unauffälligen Bauweise bedient. Die kleine Premiumhotelgruppe eines chilenischen Industriellen betreibt bereits seit Jahren erfolgreich Häuser in der Atacama-Wüste sowie im Torres-del-Paine-Nationalpark in Patagonien, dessen Architekt José Cruz auch für den Neubau im Pazifik verantwortlich war.
"Marketing für die ganze Insel"
Explora bedient sich eines gehobenen All-Inclusive-Konzepts: Der Gast verweilt für mindestens drei Nächte und bekommt vom Drink bis zu zwei von lokalen Rapa-Nui-Guides geführten täglichen Besichtigungstouren alles im Paket. "Bei diesem Konzept gibt es keine Umverteilung auf die lokale Tourismuswirtschaft, das finde ich schade. Die Leute hier sind vom Tourismus abhängig", moniert Martin. Dem entgegnet Explora-Projektmanager Rodolfo Terrazas: "Wir wollen die lokalen Veranstalter davon überzeugen, dass unser Produkt Marketing für die ganze Insel bedeutet und das Niveau des Tourismus insgesamt hebt."
Doch bevor solche zuweilen akademisch anmutenden Diskussionen entschieden sind, gilt es dringend, dem drohenden Verfall der Moais vorzubeugen, denn ohne die Steinfiguren käme in Zukunft kein Besucher mehr auf die Idee, eine anderthalbtägige Flugreise von Europa aus hierher anzutreten.
Auf der Insel herrscht Streit darüber, ob man die vielen hundert umgestürzten Statuen wieder aufstellen und auch die stehenden restaurieren soll oder nicht. "Wir sollten es so erhalten wie es jetzt ist", findet Multiunternehmer Rapu, "und nicht wieder herrichten wie vor 500 Jahren. Das wäre wie Geschichtsfälschung." Für Touristenführer Haoa dagegen ist ein anderes Argument gegen die Restaurierung viel wichtiger. Er ist überzeugt: "Durch den Einsatz von Zement und Metall würden die Moais ihr Mana, ihre Energie, verlieren."
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