Edinburgh - Die schottische Regierung hat den Plänen des US-Immobilienunternehmers Donald Trump zugestimmt, im schottischen Aberdeenshire ein gigantisches Golfresort zu bauen. Für insgesamt etwa eine Milliarde Pfund (1,3 Milliarden Euro) sollen in einem bislang unbebauten Naturgebiet direkt an der Küste zwei Golfplätze, 1000 Luxus-Ferienapartments sowie ein Hotel im gotischen Stil mit 450 Zimmern entstehen.
Im Frühjahr 2011 soll der erste Golfplatz eröffnet werden. Er fühle sich "tief geehrt", dass die Regierung dem Projekt zugestimmt habe, sagte Trump der britischen Zeitung "The Times". "Wegen der Qualität des Areals, über das wir verfügen können, werden wir den besten Golfplatz der Welt bauen", sagte Trump, dessen Mutter aus Schottland stammt. Vor einem Jahr noch hatte die lokale Regierung in Aberdeenshire gegen die Baupläne gestimmt, weil seltene Vögel und Otter in der Küstengegend leben.
Für das "Eitelkeitsprojekt eines Milliardärs" müsse nun eine Gegend von besonderem wissenschaftlichen Interesse weichen, sagte Martin Ford, der im vergangenen Jahr als Leiter des Planungskomittees von Aberdeenshire gegen den Bau gestimmt hatte. Umweltschützer werfen Trump und der Regierung vor, bei der Planung seien Umweltfragen zu kurz gekommen.
"Das Verrückte ist, dass es möglich gewesen wäre, sowohl einen Golfplatz zu haben als auch Umweltschutzmaßnahmen stärker zu berücksichtigen", sagte Jonny Hughes vom Scottish Wildlife Trust. Stattdessen habe die Regierung versagt, bei ihrer zuvor erklärten Agenda von "nachhaltiger wirtschaftlicher Entwicklung" die Nachhaltigkeit zu berücksichtigen. "Diese Entscheidung bedeutet die unnötige Zerstörung einer einmaligen und national bedeutenden Region."
Alternativpläne, die die besondere Fauna und Flora der Küstengegend stärker berücksichtigt hätten, seien von Trump ignoriert worden, sagte auch ein Sprecher der Vogelschutzorganisation Royal Society for the Protection of Birds (RSPB).
Der schottische Ministerpräsident Alex Salmond unterstützt das Projekt. Schließlich würden dadurch 6000 Arbeitsplätze entstehen, 1400 davon permanent, und Aberdeenshire jährlich 64 Millionen Pfund an Einnahmen bringen. Und anscheinend sind Umweltargumente angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise nicht mehr so bedeutsam: "In schwierigen ökonomischen Zeiten ist substantielles Investment dieser Art immens wichtig", sagte das Parlamentsmitglied. Laut Regierungskreisen soll Trumps Unternehmen versichern, Dünen und Tierwelt der Region zu schützen.
sto/AP
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Reise | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Aktuell | RSS |
| alles zum Thema Golfplätze | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH