Er wacht über den uruguayanischen Río de la Plata, den Silberfluss. Um sein Haupt kreisen unzählige Möwen. Stumm steht er da, der Leuchtturm, und rührt sich nicht. Alle zehn Sekunden sendet er ein Lichtsignal - das ist sein Job. Sein Arbeitgeber: die Marine. Sein Standort: die Isla de Flores, die Blumeninsel.
An einer für Schiffe schwer navigierbaren Stelle errichteten die Portugiesen auf der Isla de Flores den Leuchtturm. Im Jahr 1828 trat er in strategischer Lage zwischen Montevideo und der Banco Inglés seinen Dienst an. Als die erste Immigrantenwelle in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts Uruguay erreichte, wurde das 37 Meter hohe Bauwerk als Unterkunft für Sklaven, als Lazarett und Quarantänestation verwendet.
Später diente die Blumeninsel - 1527 vom venezianischen Reisenden Sebastián Gaboto entdeckt - für viele Jahrzehnte als Gefängnis. So waren während der Diktatur von Gabriel Terra Leivas zahlreiche Häftlinge auf dem kleinen Eiland untergebracht. Der Politiker Terra regierte das Land von 1931 bis 1938.
In den siebziger Jahren wurde die Haftanstalt geschlossen. Statt Knastbrüder bewohnen jetzt nur noch Kaninchen, Vögel und die Leuchtturmwärter die Insel. Zudem gibt es noch eine alte Radiostation, eine Post und ein kleines Hotel auf der Isla de Flores.
peg
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