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02.12.2008
 

Reiseziel Asien

Thailand und Indien befürchten langfristige Einbußen

Lahmgelegte Flughäfen in Bangkok, Terror in Mumbai: Wegen der jüngsten Ereignisse befürchten asiatische Länder auch langfristig Einbußen für den Tourismus - bei Krisen in China und Burma war das in diesem Jahr ähnlich. Profitieren könnte davon der Fremdenverkehr in die USA.

Berlin - Es kommt vieles zusammen: China hatte wegen der "Tibetkrise" ein schlechtes Jahr. Auch Burma hat als Reiseziel nach dem brutalen Vorgehen der Regierung gegen demonstrierende Mönche erheblich an Bedeutung verloren. Die Demonstranten in Bangkok haben nun nicht nur den Flughafen lahmgelegt, sondern auch vielen deutschen Touristen den Spaß am Thailandurlaub verdorben. Und die Attentäter von Mumbai haben bei vielen Deutschen Zweifel aufkommen lassen, ob der Subkontinent sicher zu bereisen ist. Asien hatte schon bessere Zeiten. Langfristig aber bleibt der Kontinent nach Ansicht von Tourismusexperten gefragt.

In den vergangenen Jahren sind die Asienkataloge der deutschen Veranstalter immer dicker geworden. Die Buchungszahlen gingen scheinbar unaufhaltsam nach oben. Doch die West-Ost-Bewegung, die Touristiker noch im vergangenen Jahr diagnostizierten, gibt es so nicht mehr: Für 2009 gelten im Gegenteil die USA als potentielle Gewinner im Reisemarkt - das Motto heißt erneut "Go west!". Die aktuellen Entwicklungen in Thailand und Indien könnten den Trend noch verstärken: "Für beide wird 2009 ein Problemjahr", sagt Ury Steinweg, Geschäftsführer des Reiseanbieters Gebeco in Kiel.

Das positive Bild vieler Europäer von Asien hat einige Kratzer bekommen: "Gerade der Konflikt in Thailand war für viele ein kleiner Schock", sagt Prof. Torsten Kirstges. "Das hat das Image des sanften, friedlichen Thailands zerstört", so der Tourismuswissenschaftler von der Hochschule in Wilhelmshaven. "Thailand galt als Land des Lächelns, aber das Lächeln ist verflogen." Denn anders als der Tsunami, der 2004 Thailands Küsten verwüstete, sei der politische Konflikt keine Naturkatastrophe: "Da sind die negativen Auswirkungen nachhaltiger."

Keine Buchung wegen der schlechten Nachrichten

Weil viele bereits jetzt die nächste Reise zu Ostern buchten, sei für Thailand mit einem deutlichen Buchungsminus zu rechnen. "Es wird sicher einige geben, die wegen der schlechten Nachrichten nicht reisen wollen", sagt auch Anke Frese, Sprecherin von Dertour und Meier's Weltreisen. Die TUI sieht das ähnlich: Für die ersten Monate seien in 2009 Rückgänge zu erwarten, so TUI-Sprecher Mario Köpers.

"Wer eine Fernreise plant, wird sicher auch nach Alternativen zu Thailand gucken." Vorausgesetzt, der politische Konflikt entspannt sich, sei aber davon auszugehen, dass die Touristenzahlen noch im Laufe des kommenden Jahres wieder ihr altes Niveau erreichen. "Ende 2009 ist davon dann nichts mehr zu spüren", glaubt auch Prof. Kirstges.

Nachhaltige Einbrüche im Thailand-Tourismus erwartet auch der Deutsche Reiseverband (DRV) nicht: "Thailand hat viele Stammgäste", sagt Sprecher Torsten Schäfer in Berlin. "Die können zwischen Bangkok und Phuket unterscheiden." Die politischen Proteste in der thailändischen Hauptstadt hätten bisher schließlich keinerlei Auswirkungen auf die Strandziele wie Phuket, Krabi oder Ko Samui. "Wenn in Sylt eine Düne abbricht, gibt es ja auch keinen Grund, nicht nach München zu fahren."

Studiosus hat allerdings bereits die ersten Stornierungen für seine nächste Thailandreise in der Woche vor Weihnachten bekommen. "Neue Buchungen gibt es im Augenblick nicht", sagt Studiosus-Geschäftsführer Peter-Mario Kubsch. Wer sich für eine Thailand-Studienreise interessiert, die auch nach Bangkok geht, der warte nun erst einmal ab. "Den Phuket-Touristen, der zwei Wochen an den Strand will, stört das alles weniger."

Wenige Pauschalreisende in Indien

Indien ist anders als Thailand für deutsche Touristen nicht gerade in der ersten Liga der Urlaubsländer - und Mumbai schon gar nicht. Meier's Weltreisen beispielsweise hat nur drei Partnerhotels in der Stadt, Dertour zwei. Die Zahl der deutschen Urlauber, die sich während der Anschläge Ende November in der indischen Metropole aufhielten, war überschaubar. "Mumbai ist kein Badeziel", sagt Schäfer. Der Anteil der Pauschalreisenden unter den Gästen dort sei verschwindend. Dass die Anschläge deutsche Touristen davon abhalten, nach Indien oder in andere asiatische Länder zu fliegen, glaubt der DRV-Sprecher nicht.

Bei Gebeco seien die Vorbuchungszahlen für Indien 2009 spürbar geringer als im Vorjahr - Indien ist nach Vietnam das zweitwichtigste Reiseziel des Veranstalters in Asien. Steinweg rechnet für beide Länder mit erheblich weniger Buchungen in den kommenden Monaten. "Über die Fernreisen im kommenden Jahr wird jetzt entschieden."

Den Kontinent abzuschreiben, wäre aber voreilig: "Auf lange Sicht bleibt Asien ein Wachstumsmarkt", sagt TUI-Sprecher Mario Köpers. Ohnehin sei es grob fahrlässig, alle asiatischen Länder über einen Kamm zu scheren. Einzelne legten nach wie vor kräftig zu: Bei der TUI gehören die Malediven und die Seychellen dazu.

Studiosus-Geschäftsführer Peter-Mario Kubsch bewertet das ähnlich. Manche Länder wie Indonesien ziehen bei den Buchungszahlen an. Andere wie Vietnam hätten deutliche Zuwächse. "Und das wird auch so bleiben."

So manches asiatische Ziel hat außerdem bereits gezeigt, dass es Krisen wegstecken kann: "Bali beispielsweise", sagt Gebeco-Chef Ury Steinweg. "Da gab es nach den Anschlägen 2002 auch einen Einbruch, aber die Wachstumsraten sind längst wieder hoch."

Von Andreas Heimann, dpa

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