Kirschblüte in Japan: Ein Land sieht rosa

2. Teil: Der Weg des Philosophen - Blütenpracht in Kyoto

Wer die Kirschblüte in Tokio verpasst hat, sollte die Chance nutzen und nach Kyoto fahren, wo das Ereignis meist ein paar Tage später beginnt und bis Mitte April gehen kann. Mit den ersten offenen Blüten bauen auch dort die Händler in den Parks in Windeseile ihre Stände auf, und die obligatorischen blauen Planen werden unter den Bäumen verteilt.

Besonders bezaubernd ist ein Spaziergang über den sogenannten Philosophenweg, auf dem einst der Philosophie-Professor Ikutaro Nishida zum Meditieren wanderte. Zur Hanami-Zeit säumen Hunderte, vielleicht gar Tausende Kirschbäume den 1,8 Kilometer langen Pfad entlang eines schmalen Kanals.

Doch auch in Kyoto beschränkt sich die Kirschblüte nicht nur auf einen Teil der Stadt. Auch hier wurden überall verschiedene Arten der Zierbäume gezielt gepflanzt, um im Frühjahr die Bewohner und Besucher zu erfreuen. Im Park rund um den Alten Kaiserpalast beispielsweise stehen mächtige Bäume, die von Fotografenscharen abgelichtet werden.

Im ruhigen Innenhof des Manga-Museums lesen Kinder unter Kirschbäumen die Abenteuer ihrer Helden. Und auch an beiden Seiten des Kamo-Flusses, der mitten durch Kyoto zieht, schlagen Hanami-Fans schon tagsüber ihre Lager auf.

Hanami-Marathon durchs Land

Nur wenige Gehminuten von einer der größten Straßen entfernt, nahe des roten Heian-Schreins, ist am Abend rund um einen Nebenarm des Flusses ein besonderes Schauspiel zu beobachten: Unter den Kirschbäumen trippeln Geishas und ihre Auszubildenden, die Maikos, elegant und traditionell gekleidet alleine oder mit ihren gut betuchten Kunden durch die von alten Holzhäusern gesäumten Gassen.

Wer nach Eindrücken wie diesen noch immer nicht genug hat von den hellen Blüten, kann sich zu einem Hanami-Marathon aufmachen und wochenlang mit der Kirschblüte mitreisen. Schließlich bieten auch die altehrwürdige Stadt Nara mit ihren zahmen Hirschen und das eher kühle Hokkaido mit der Stadt Sapporo einzigartige Anblicke.

Oder man lässt sich mit dem Zug "Romance Car" in die bei Japanern beliebte Urlaubsregion Hakone am Fuße des Fuji fahren. Mit ein bisschen Geduld und Glück kann man dort die bis zum Horizont reichenden Blütenmeere bewundern - und bei guter Sicht sogar das schneebedeckte Wahrzeichen Japans vor einer malerischen Kulisse fotografieren.

Aliki Nassoufis, dpa

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  • Datum: Donnerstag 05.02.2009 | 05:41 Uhr
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