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29.04.2009
 

Tourismus in Mexiko

Leere im Maya-Tempel

Von Antje Blinda

Die Schweinegrippe ist ein schwerer Schlag für Mexikos Tourismusindustrie: EU und USA raten von Reisen in das Land ab, Kreuzfahrtschiffe meiden die Häfen, die Touristen fliehen. Die Angst vor Ansteckung bedroht eine von der Finanzkrise schon geschwächte Wirtschaft.

In der historischen Altstadt von Mexiko-Stadt sind nur noch wenige Touristen zu sehen. Dort, wo es normalerweise vor Besuchern nur so wimmelt, trägt jeder - vom Polizisten bis zum Taco-Verkäufer - Mundschutz. Der Ausbruch der Schweinegrippe hat die Ausländer verschreckt, rund 60 Prozent der Hauptstadt-Hotels melden Stornierungen - die Angst vor Ansteckung trifft die Tourismusindustrie des Landes hart: "Der Ausbruch der Grippe hat Mexikos Zukunftsaussichten dramatisch verändert", sagt ein US-amerikanischer Finanzexperte der Agentur Reuters, "die Tourismusindustrie … wird zusammenbrechen."

Mexiko ist eines der Top-Reiseziele der Welt. 22,6 Millionen Touristen kamen im vergangenen Jahr in das lateinamerikanische Land und gaben knapp zehn Milliarden Euro aus, um die goldenen Strände, Städte aus Kolonialzeiten und archäologische Stätten zu besuchen. Der Tourismus steht als Devisenbringer an dritter Stelle.

Doch seitdem täglich die Zahl der wahrscheinlich an Schweinegrippe gestorbenen Menschen steigt, raten viele Länder wie USA, Kanada, Deutschland von nicht notwendigen Reisen nach Mexiko ab. Kuba hat alle Flugverbindungen ins Nachbarland gestrichen und Argentinien eine Fünf-Tages-Sperre für alle Flüge aus Mexiko verhängt. Frankreich fordert von der EU einen Stopp aller Flüge nach Mexiko.

Viele Flüge ab der Hauptstadt sollen überbucht sein: "Sie beeilen sich wirklich rauszukommen", sagte ein Steward der Lufthansa, der sich zwischen seinen Flügen in Mexiko-Stadt aufhielt, zu Reuters. Manche seiner Kollegen wollten Lebensmittel und Wasser bei ihrer Ankunft auf dem Flughafen kaufen, damit sie ihre Hotels nicht verlassen müssen. Eine Stewardess wollte auf dem Rückflug Plastikhandschuhe tragen.

Reederei stornieren Stopps an Mexikos Küste

Reiseveranstalter ergreifen selbst für Gebiete Vorsichtsmaßnahmen, in denen bisher noch keine Verdachtsfälle gemeldet wurden, wie für die Halbinsel Yucatán und ihre Strandorte. Deutsche Unternehmen, darunter TUI, Thomas Cook und Dertours ermöglichen zurzeit für Reisen nach Mexiko kostenlose Stornierungen und Umbuchungen und steuern Mexiko-Stadt nicht mehr an. Dagegen hat die französische Tourismusbranche bereits alle Reisen nach Mexiko komplett storniert.

Auch Kreuzfahrtschiffreedereien haben ihre Stopps in den karibischen Häfen in der Nähe von Cancún vorerst gestrichen - als reine Vorsichtsmaßnahme, wie die US-Unternehmen auf ihren Web-Seiten hinweisen. Während für die meisten europäischen Reedereien die Karibiksaison mit Aufenthalten in Mexiko schon beendet ist, hatten die US-Unternehmen Royal Caribbean International (RCI), Carnival und NCL Städte wie Cozumel, Progreso und Cabo San Lucas noch im Programm.

Bei RCI werden nun sechs Schiffe umgeroutet, darunter mit der "Freedom of the Seas" und der "Liberty of the Seas" zwei der größten Kreuzfahrtschiffe weltweit mit Platz für bis zu 4375 Urlauber. Die RCI-Schiffe legen nun Stopps zum Beispiel in Key West in Florida ein oder verbringen die frei gewordenen Tage auch auf See. Carnival hat Mexiko-Fahrten von acht Schiffen vorerst bis zum 4. Mai ausgesetzt, auch diese werden zu Ausweichzielen umgeroutet, bei NCL ist nur "Norwegian Pearl" betroffen.

Nicht alle Touristen sind in Panik

Bisher gibt es immer noch Touristen, die sich von der weltweiten Angst vor einer möglichen Seuche nicht anstecken lassen: "Ich fühle mich okay, und ich möchte weiterreisen", sagte Roberto Landi zu Reuters. Der 29-jährige Tourist aus Italien beginnt seine dreiwöchige Lateinamerika-Reise in Mexiko-Stadt. Er habe 2003 eine Reise nach Taiwan während der Sars-Epidemie überlebt und hält die Todesrate in Mexiko für nicht besonders hoch, angesichts von 20 Millionen Menschen allein in der Hauptstadt.

Auch die Mehrheit der deutschen Mexiko-Urlauber lässt sich von der Schweinegrippe nicht ihre Reisepläne vermiesen - buchen aber oft ihr Reiseziel um, wie Branchenführer TUI angibt. "Stornierungswünsche gab es nur sehr vereinzelt", sagte Sprecher Mario. Nur wenige der rund 800 Gäste in Mexiko wollten vorzeitig die Rückreise antreten. Dabei sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, die archäologischen Stätten wie Chichén Itzá, am Dienstag von der mexikanischen Regierung komplett wegen Infektionsgefahr geschlossen worden.

In Deutschland hat Mexiko im vergangenen Jahr an Beliebtheit gewonnen. Nach 151.969 Urlaubern im Jahr 2007 reisten 2008 nach Angaben des Mexikanischen Fremdenverkehrsamts 158.276 deutsche Touristen dorthin, das waren 4,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch international war 2008 nach Schätzungen der UNWTO mit plus sechs Prozent bei den Gästezahlen ein erfolgreiches Jahr für Mexiko. Dazu trugen der niedrige Peso-Kurs, verstärkte Marketingkampagnen in Europa und Südamerika und die Beliebtheit der Pazifikküste bei den US-Amerikanern bei.

Mit Material von Reuters und dpa

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