Dipkarpaz/Zypern - Zyprische Esel sind ganz besonders stur. Jahrzehnte, nachdem sie in der Landwirtschaft von Maschinen ersetzt worden sind, weigern sie sich einfach zu verschwinden. Wilde Eselherden haben einen abgelegenen Teil der Insel überrannt und Dorfgemeinschaften und Umweltschützer gegeneinander aufgebracht.
Die Tiere trampeln Getreidefelder nieder, erschrecken Autofahrer, und die Behörden wissen nicht, was sie mit ihnen machen sollen. Zudem erinnern die Wildesel an die jüngste kriegerische Vergangenheit der Insel, die seit 35 Jahren in einen griechisch-zyprischen Südteil und einen türkisch-zyprischen Nordteil gespalten ist.
Nach den Worten von Mehmet Demirci, dem Bürgermeister von Dipkarpaz (dem griechischen Rizokarpaso) im Norden der Insel, gibt es in der Gegend doppelt so viele Esel wie Dorfbewohner. Die Tiere sollten nach seiner Auffassung sterilisiert oder gar in die Türkei geschafft werden. "Die Tiere sind ein echtes Problem, die Behörden kümmern sich einfach nicht um uns", sagte er.
Das Fass zum Überlaufen brachte im vergangenen Sommer der Tod eines Jugendlichen aus dem Dorf, der mit dem Auto verunglückte, als er versuchte, einer wandernden Herde auszuweichen. Demirci schätzt die Zahl der von türkisch-zyprischen Behörden offiziell geschützten Wildesel auf rund tausend.
"Wunderschöne Tiere und sehr schlau"
Die Tiere stammen von den Eseln griechisch-zyprischer Bauern ab, die diese bei der Flucht vor einmarschierenden türkischen Soldaten zurückgelassen hatten. Seit 1974 ist die Insel trotz immer wieder neuer diplomatischer Bemühungen geteilt. Von den Menschen in Ruhe gelassen, haben sich die Esel in der dünn besiedelten Karpas-Halbinsel im Nordosten immer weiter vermehrt.
Über die Jahrzehnte sind sie für viele fast schon zu Maskottchen für die bäuerliche Vergangenheit der Insel geworden: "Die Esel geben uns so viel. Sie sind wunderschöne Tiere und sehr schlau", sagte Maria Nicolaou, die ein Esel-Schutzgebiet in der Nähe von Limassol im international anerkannten griechisch-zyprischen Süden der Insel leitet.
Die meisten Bewohner der Karpas-Halbinsel sind da ganz anderer Auffassung: Für sie sind die langohrigen Tiere eine Qual. Laut Bürgermeister Demirci sind tausend Esel einfach viel zu viele für das rund 300 Quadratkilometer große Gebiet. Nach den Worten von Einheimischen fallen sie über Weizen- und Gerstenfelder her, plündern Obst- und Gemüsegärten, trampeln Rebstöcke nieder und zotteln durch die engen Straßen der Gegend.
Mindestens drei Dorfbewohner sind laut Demirci wegen des Erschießens von Eseln schon zu Strafen von jeweils 1000 Euro verurteilt worden. Dabei konnten sie von Glück reden, dass sie nicht ins Gefängnis kamen. Schließlich steht auf die absichtliche Tötung der geschützten Tiere eine Höchststrafe von sieben Jahren Gefängnis.
Abschiebung in die Türkei?
Ein türkischer Geschäftsmann hat schon angeboten, die Tiere für 1000 Euro pro Stück aufzukaufen und sie in der Gegend von Antalya im Tourismus einzusetzen. Demirci hätte das gut gefunden, doch die Behörden wollten nichts von dem Plan wissen.
Auch die Umweltschützer auf beiden Seiten der mit schweren Waffen bewachten Grenze verurteilten das Vorhaben. Für Kenan Atakol, den Vorsitzenden der türkisch-zyprischen Umweltgruppe Cekova, wäre die Sterilisation der Tiere eine Möglichkeit, die man nach sorgfältiger wissenschaftlicher Überlegung bedenken sollte.
Vor Jahren versuchten türkisch-zyprische Behörden schon einmal, die Tiere in ein 2000 Hektar großes eingezäuntes Schutzgebiet am äußersten Ende der Halbinsel zu sperren. Einheimische wurden bezahlt, den Tieren Wasser und Futter zu geben. Doch im Laufe der Zeit durchbrachen Esel an einigen Stellen den 18 Kilometer langen Zaun, um außerhalb des Geländes nach Nahrung zu suchen.
Die lokale Umweltschützerin Lois Cemal wirbt für eine Begrenzung der Zahl der Esel und kritisiert zugleich "Sessel-Aktivisten", die die Bedürfnisse der Menschen vor Ort ignorierten. "Denen möchte ich sagen: 'Stellt euch einen Esel in den Garten und seht zu, wie ihr ihn in den Griff bekommt'", sagte die 56-jährige Kanadierin, die seit 22 Jahren mit ihrem türkisch-zyprischen Ehemann in der Gegend lebt.
Nach ihrer Einschätzung könnte eine "vertretbare" Anzahl Esel gefangen und in zwei oder drei kleinere Schutzgebiete gebracht werden, die wiederum als Art ökologische Streichelzoos aufgezogen werden könnten und damit Touristen anziehen würden. "Ökotourismus ist eine Lösung für nachhaltige Entwicklung", sagte sie, "man braucht keine Fünf-Sterne-Hotels."
Menelaos Hadjicostis, AP
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