Air-France-Zwischenfall: Piloten fordern Austausch aller französischen Sonden

Trotz neuer Sonden das alte Problem: Wieder hat bei einer Air-France-Maschine die Geschwindigkeitanzeige ausgesetzt. Eine Pilotengewerkschaft spricht von einem schwerwiegenden Vorfall - und fordert den Einsatz von US-amerikanischen statt französischen Pitot-Sonden.

Paris - Bei einem Air-France-Flug von Rom nach Paris hat es am 13. Juli erneut Probleme mit Sonden zur Geschwindigkeitsmessung gegeben. Die Piloten bekamen eine Zeit lang keine verlässlichen Informationen über das Tempo ihrer Maschine, wie ein Sprecher der Fluggesellschaft am Mittwoch in Paris bestätigte. Der Vorfall habe "einige Sekunden" gedauert. Für die Passagiere sei er folgenlos geblieben.

Air-France-Maschine: Tempo-Sonden funktionierten nichtZur Großansicht
Reuters

Air-France-Maschine: Tempo-Sonden funktionierten nicht

Die Tageszeitung "Le Figaro" hatte zuvor unter Berufung auf einen Bericht der Besatzung gemeldet, dass in dem Airbus A320 die Geschwindigkeitsanzeige "jäh" ausgefallen sei. Dann habe die Windmessung ganz versagt. Der Ausfall habe eine Minute lang gedauert.

"Der Vorfall wird derzeit untersucht", sagte der Air-France-Sprecher. Auch Airbus und die französische Untersuchungsbehörde BEA seien involviert. Es habe sich nicht um die gleiche Sonde gehandelt wie bei der Unglücksmaschine, die über dem Atlantik abstürzte, sondern um ein "abgewandeltes" Messgerät des französischen Herstellers Thales, betonte der Sprecher.

Probleme dieser Art seien ein schwerwiegendes Vorkommnis, warnte die Pilotengewerkschaft SNPL laut "Le Figaro".

Offenbar hätten aber auch die neueren Sonden nicht "die erwartete Verbesserung" erbracht, erklärte der Verband. Ein ganzes "Bündel von Elementen" deute darauf hin, dass der neuerliche Zwischenfall in Zusammenhang mit früheren Vorfällen und mit der Katastrophe vom 1. Juni zu bringen sei, sagte ein SNPL-Sprecher der Nachrichtenagentur AFP.

Air France solle deshalb in der gesamten Flotte die Thales-Sonden durch die Messgeräte des US-Herstellers Goodrich austauschen. Die Sonden des französischen Herstellers waren ins Gerede gekommen, nachdem SNPL und ein weiterer Pilotenverband nach dem Absturz der Air-France-Maschine über dem Atlantik von wiederholten Pannen berichtet hatten. Bei dem Unglück am 1. Juni hatten die sogenannten Pitot-Sonden vom Typ Thales AA falsche Messwerte geliefert. Bei der Katastrophe waren alle 228 Menschen an Bord ums Leben gekommen, darunter auch 28 Deutsche.

Die Ermittlungsbehörde BEA stellte fest, dass die besagten Sonden "ein Faktor, aber nicht der Grund" für den Unfall waren. Die nach ihrem Erfinder benannten Pitot-Sonden sind außen am Flugzeug angebrachte Röhrchen, die den Luftstrom beziehungsweise die Geschwindigkeit messen.

Air France hatte seine Piloten im November selbst vor Problemen mit den Sonden gewarnt. In einem Memo ist von etlichen Zwischenfällen die Rede, von falschen Geschwindigkeitsmessungen, unterschiedlichen Angaben auf den Kontrollschirmen von Pilot und Kopilot sowie dem Abschalten des Autopiloten.

Erst Ende April begann die Airline aber mit dem schrittweisen Austausch der Sonden bei ihren A330 und A340, wobei sie am französischen Hersteller Thales festhielt. Laut der Pilotenvereinigung sind 70 Prozent aller Linienmaschinen weltweit mit Goodrich-Sonden bestückt, ohne dass jemals ein Zwischenfall damit gemeldet worden sei.

abl/dpa/AFP

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  • Datum: Mittwoch 29.07.2009 | 17:18 Uhr
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