Wiesbaden - Die Deutschen verbringen ihren Urlaub in der Krise verstärkt im eigenen Land. Die Zahl der Übernachtungen deutscher Gäste im Inland stieg im Juni um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 31,2 Millionen, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte. Besonders gefragt waren demnach preisgünstige Alternativen wie Campingplätze oder Ferienwohnungen.
Im Gegensatz zum guten Geschäft mit deutschen Urlaubern habe das Interesse ausländischer Touristen an Deutschland jedoch spürbar nachgelassen, teilten die Statistiker mit. Insgesamt habe es im Juni acht Prozent weniger Übernachtungen ausländischer Gäste gegeben, nämlich 4,8 Millionen.
In der ersten Jahreshälfte verzeichnete die Hotelbranche angesichts der Wirtschaftskrise bei den Übernachtungen einen Rückgang um zwei Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Mit einem Minus von sieben Prozent trugen vor allem die ausländischen Gäste zu dem Rückgang bei. Bei den inländischen Gästen sei der Rückgang mit einem Prozent weniger stark ausgefallen. Von den insgesamt 163 Millionen Übernachtungen im ersten Halbjahr entfielen den Angaben der Statistiker zufolge fast 86 Prozent auf deutsche Urlauber.
Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes verdeutlichen, dass der langjährige Boom des Deutschland-Tourismus ausländischer Urlauber gebrochen ist. Seit 2003 war die Zahl der Übernachtungen ausländischer Touristen stets stärker gestiegen als die inländischer Gäste.
Trend zum Urlaub zu Hause
Die deutschen Urlauber suchten in der ersten Jahreshälfte vor allem nach preisgünstigen Möglichkeiten für ihren Sommerurlaub, wie aus den Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Im Gegensatz zur Hotelbranche hätten Campingplätze und Ferienwohnungen ein Buchungsplus von zwei Prozent verzeichnen können. Die Hotelübernachtungen hingegen gingen demnach um drei Prozent zurück. Mit dem Trend zum Camping-Urlaub bestätigten sich die Erwartungen der Branche aus den vergangenen Monaten.
Nach Einschätzung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) zeigt der Rückgang der Hotelübernachtungen im ersten Halbjahr, "dass die Krise die Hotellerie erreicht hat". Jedoch seien nicht alle Hotel-Kategorien in gleichem Maße betroffen, sagte eine Dehoga-Sprecherin.
Während die Krise "die Geschäftshotellerie in Großstädten und Ballungräumen am stärksten trifft", verzeichneten Betriebe in Urlaubsregionen "häufig stabile Werte". Mancherorts seien die Buchungszahlen gegenüber dem Vorjahr sogar gestiegen. Speziell an der Nord- und Ostsee-Küste laufe die Urlaubssaison bislang "sehr ordentlich".
Für die Hoteliers mildere der Trend zum Urlaub im eigenen Land die Folgen der Wirtschaftskrise ab, sagte die Dehoga-Sprecherin. Jedoch gäben die Verbraucher während der Ferien weniger Geld aus. "Die Deutschen sparen nicht am, sondern im Urlaub." So werde etwa auf kostspielige Ausflüge oder den Besuch teurer Veranstaltungen verzichtet.
Dennoch sei es für die Deutschen wichtig, überhaupt in Urlaub zu fahren. Dabei stiegen sie zunehmend spontan ins Auto und steuerten Ziele im Inland an, sagte die Dehoga-Sprecherin.
abl/dpa
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