Von Dirk von Nayhauß
Selten hat es eine Frau so schnell in die internationalen Charts der Outdoor-Helden geschafft wie Cecilie Skog. 2004 stand sie auf dem Gipfel des Mount Everest, 2005 erreichte sie den Südpol, 2006 den Nordpol. Und 2007 holte sie sich auch noch den letzten der Seven Summits. Damit war sie die erste Frau, die beide Pole und die jeweils höchsten Gipfel der Kontinente erreichte. Wer vor Publikum und Sponsoren bestehen will, braucht solche schlagzeilenträchtigen Rekorde - Cecilie Skog liefert sie in schneller Taktfolge.
Ihre Karriere an den ganz hohen Bergen beginnt sie 2003 mit dem Cho Oyu. Sie besteigt ihren ersten Achttausender ohne ihren Partner Rolf Bae, der mit Halsschmerzen zurückgeblieben war. Ganz allein ist sie freilich nicht, der Cho Oyu wird alljährlich von vielen Expeditionen bestürmt, aber Cecilie Skog beweist die psychische Stärke, ohne Begleitung bis zum Gipfel vorzudringen.
Am Cho Oyu hat sie auch das große Ziel ihrer Träume vor Augen: "Es war ein unglaubliches Gefühl, den Everest endlich vor mir zu haben", schreibt sie in ihrem Buch "Den Himmel berühren". Ohne Sponsoren wäre der höchste aller Berge finanziell nicht zu stemmen gewesen, doch sie war mit dem Cho Oyu die erste Norwegerin auf einem Achttausender, das machte vieles leichter.
Der Achttausender wird ihr Sprungbrett in die Öffentlichkeit, und damit zu den notwendigen Geldtöpfen. "Oft wünsche ich mir, es würde mir erspart bleiben, meine Expeditionen zu verkaufen", schreibt sie. "Ich wünschte mir, niemand würde wissen, wohin wir unterwegs sind. Dass ich nicht Bericht erstatten müsste. Auf das ganze Drumherum könnte ich verzichten. Aber irgendjemand muss bezahlen." So berichtet sie schließlich doch via Satelliten-Telefon aus der Antarktis und von anderen extremen Orten des Erdballs.
Mit Zusatzgepäck Richtung Südpol
Cecilie Skog hat Biss, das bestätigte auch ihr Seilpartner und Ehemann Rolf Bae: "Cilie besitzt eine enorme Willenskraft, Selbstdisziplin und Kondition." Das zeigt sie bei den Expeditionen zu beiden Polen. Schwächelt ein Teammitglied, packt sie sich gern auch mal 25 zusätzliche Kilo auf ihre Pulka. Auf dem Weg zum Südpol sind ihre Füße von Blasen übersät, "bis hoch ans Schienbein und zwischen den meisten Zehen." Aber sie marschiert weiter.
Auf dem Weg zum Nordpol streift sie sogar einen wasserdichten Anzug über und schwimmt von Eisscholle zu Eisscholle. Anders geht es nicht, anders kann man die breiten Wasserrinnen nicht überwinden, aber Mut muss man schon haben, um einfach mal ins Polarmeer zu hopsen - und das während der gesamten Expedition mehrere hundert Mal.
"Beim ersten Mal war es ein kleiner Kampf", erinnert sie sich im Interview, "wir hatten minus 45 bis 50 Grad Celsius." Da will man alles andere, als ins Wasser zu springen! "Aber als ich dann im Wasser war merkte ich, dass es wärmer war als draußen. Zudem war es oft harte Arbeit, bei dünnem Eis oder zwischen Eisschollen voranzukommen." So wurde ihr im frostkalten Wasser so richtig warm - auf der Polkappe ist alles ein bisschen anders.
Eingeklemmt unter der Eisscholle
Riskant sind solche Touren allemal, kurz vor dem Nordpol kann sie sich nur knapp retten. Sie bricht - ohne den wasserdichten Anzug zu tragen - ein, Füße und Ski verklemmen sich unter einer Eisscholle. Bis zur Brust versinkt sie, erst nach elf Minuten kommt sie mit Hilfe ihrer beiden Partner frei.
Am K2 läuft es 2008 weniger glimpflich ab. Zwar erreicht Cecilie den Gipfel, doch der Abstieg endet in einem Desaster. Es ist bereits dunkel, als sie mit ihrem Mann Rolf und Lars Nessa an dem berüchtigten "Flaschenhals" steht, einem stark vereisten Couloir auf 8200 Meter. Rolf seilt sich als Erster ab, Cecilie als Zweite. Da hört sie eine Eislawine herabstürzen.
Sie kann nicht sehen, wie Rolf mit den Eismassen abstürzt. Das Seil ist gerissen, seine Stirnlampe verschwunden, und allen ist klar: Rolf ist tot. Insgesamt sterben in diesen Stunden elf Bergsteiger, es ist eine der schlimmsten Tragödien, die sich je an den höchsten Bergen der Welt ereignet haben. Mit Hilfe eines Ersatzseils gelingt es Cecilie und Lars, trotz Dunkelheit zum Camp IV abzusteigen
Bis heute schweigt sie über die Tragödie, auch im Gespräch mit "Alpin" macht sie klar: "Ich will darüber nicht reden." Wird sie je zu den höchsten Bergen zurückkehren? "Ich glaube nicht", antwortet sie. "Man soll nie nie sagen, aber gegenwärtig spüre ich überhaupt kein Verlangen." Und weiter: "Doch ich liebe Skifahren, ich liebe es, draußen zu sein, im Zelt zu schlafen und den Wind zu spüren."
Zu den unendlichen Ebenen kehrt sie - wie schon 2005 und 2006 - zurück. Im Frühjahr dieses Jahres hat sie eine fünfköpfige Gruppe durch Grönland geführt. "Wir sind in 23 Tagen auf Ski von der West- an die Ostküste." Im kommenden Winter will sie die Antarktis komplett überqueren, 2005 ist sie ja "nur" bis zum Südpol gelaufen. "Ich will das ohne jegliche Hilfe schaffen, ohne Kites oder Depots, das wurde bisher noch nie getan."
Ein Trip der Superlative: 2500 Kilometer in 85 bis 100 Tagen, zu Beginn der Tour wird sie rund 150 Kilo ziehen, und das bei einer Körpergröße von nur ein Meter sechzig. Eine Herkules-Aufgabe, die sie sich da vorgenommen hat. Aber Cecilie Skog ist extrem zäh, und gerade die ganz besonders langen Touren reizen sie: "Ich brauche die Natur. Ich bin süchtig. Ich möchte am liebsten so lange wie möglich draußen sein."
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