Bootsrestaurateurin Elizabeth Meyer: Retterin der Traumyachten

Von Steffi Kammerer

2. Teil: "Wollen Sie einen Rembrandt kaufen?"

Yachtrestaurierung: Liebesdienste einer Lady
Fotos
Andrew Testa

Sie sei froh darüber, sagt sie, "auch wenn ich weiß: Ich werde nie wieder ein solches Boot finden. Es gibt keines, das es mit ihr aufnehmen kann, nirgends auf der Welt". Die "Endeavour" liegt heute im Fernen Osten. "Ich habe sie seit 2005 einmal gesehen", sagt sie, im Fernsehen, während der Olympischen Spiele in China.

Elizabeth Meyer hatte in den siebziger Jahren 125.000 Dollar geerbt. Davon kaufte sie Bauland auf Martha's Vineyard - vorausschauend, wie sich Jahre später zeigte. Da bekam sie für das Land auf der Nobelferieninsel vor Cape Cod zehn Millionen. Die hat sie in die "Endeavour" gesteckt, komplett. Verkauft hat sie das Schiff später für 15 Millionen.

Sie leistete sich eine Farm in Massachusetts, 500.000 Dollar spendete sie für Denkmalschutzprojekte in Newport, mit dem Rest beglich sie Schulden. Es glaubt ihr keiner. Immer wieder kommen Leute auf sie zu: Wollen Sie einen Rembrandt kaufen? Für eine Million? "Ich hab kein Geld", sagt sie dann.

Elizabeth Meyer lebt mit ihrem Mann und zwei Katzen in einem zweistöckigen Haus aus dem 18. Jahrhundert, unterhalb der Kirche in Newports Zentrum, umgeben von einem üppigen Garten, den sie täglich pflegt. Das Haus mit den knarzigen Stiegen und Bruce Chatwin im Regal ist von den Prachtbauten der Bellevue Avenue weit entfernt, auch von den Eitelkeiten und Gerüchten, die die Sommergäste aus Manhattan mitbringen.

"Ich bin eine Einzelgängerin"

Newport, auf drei Seiten vom Ozean umgeben, Heimat der Astors und der Vanderbilts, ist ein Ort, an den es sie durch Zufall verschlagen hat. Anfangs mochte sie es hier nicht besonders. "Ich bin eine Einzelgängerin, ich mache um Menschenmassen einen Bogen." Längst kennt sie jeden, auch die Milliardäre und die Millionäre, sie geht auf deren Partys, wenn sie eingeladen wird, aber es ist nicht wirklich ihre Welt - obwohl sie eigentlich dort hineingeboren wurde.

Ihr Großvater war Eugene Meyer, erster Präsident der Weltbank, von 1933 bis 1946 gehörte ihm die "Washington Post". Die Schwester ihres Vaters ist Katherine Meyer Graham, Eigentümerin und Herausgeberin der "Washington Post" zur Zeit des Watergate-Skandals.

Aber der Reichtum ihrer nächsten Familie gehöre ins Reich der Mythologie, sagt sie. Ihr Vater habe sich früh entschieden, das Erbe der "Post" nicht anzutreten. Beide Eltern waren Ärzte aus Überzeugung. Elizabeth und ihre drei Geschwister gingen auf eine Quäkerschule. Eine lebenspraktische Religion, die sie geprägt habe: "Sag die Wahrheit, lebe einfach, sprich einfach."

Sie hatten eine lustige Kindheit, in einem Haus voller Tiere in Baltimore. Wenn es gewitterte, holten die Eltern Badeanzüge, und dann sind sie ins Freie gelaufen. Sie haben gezeltet und geangelt, die Mutter hatte ein kleines Segelboot. Viele Freunde der Eltern waren Musiker. Der Vater konnte steppen, die Mutter spielte Flöte und Klavier. Mit den reichen Grahams hatten sie wenig Kontakt.

Mit 24 die erste eigene Firma

Beide Eltern starben, als sie 65 waren, innerhalb von sechs Monaten. Elizabeth Meyer war damals 27 Jahre alt. Drei Jahre zuvor hatte sie sich mit einer Baufirma selbstständig gemacht, ohne Vorkenntnisse. Studiert hatte sie englische Literatur, dann für kurze Zeit ein Restaurant geführt. An der Universität hatte sie einen Architekturkurs belegt, sie kaufte zwei Bücher, so ging es los. "Wenn man dreidimensionales Vorstellungsvermögen hat, ist es nicht allzu schwer." Mehr als 50 Häuser hat sie im Lauf der Jahre gebaut.

Sie hat sich immer viel zugetraut. Auch Martha's Vineyard, wo sie damals lebte, habe dazu beigetragen, sagt sie. Es ist eine Walfängerinsel, die Männer waren oft jahrelang fort und die Frauen gewohnt, alles allein zu regeln. Einer ihrer ersten Jobs auf der Insel war ein Haus für Jackie Kennedy - Meyer sagt, sie habe halt die Ausschreibung gewonnen, so einfach sei das gewesen.

Aber natürlich wusste Jackie Kennedy, wer Elizabeth Meyers Großvater war. Sie haben sich spontan gemocht. Jackie half Elizabeth später, einen Mietvertrag für das Haus zu bekommen, in dem sie noch lebt. Wenn Meyer über Jackie Kennedy spricht, klingt Bedauern durch. "Sie wollte, dass ich ein Buch über die 'Endeavour' mache. Vielleicht hätte sie mich unter ihre Flügel nehmen können." "Aber wozu ein Buch?", schneidet sie sich selbst das Wort ab, sie wolle das ja gar nicht, und wechselt das Thema.

Riesenmast macht Männer nervös

Sie hat leuchtend blaue Augen, mit denen sie einen fixiert. Hat sie Feinde? "O ja", sagt sie ohne zu überlegen. Es klingt, als seien es viele und als sei sie stolz darauf. Sie hat die Stadt verklagt und ein paar Immobilieninvestoren gleich mit. Nach einem politischen Amt strebte sie nie. "Ich bin nicht gern im Rampenlicht. Ich schätze meine Privatsphäre."

Elizabeth Meyer hat sich ihr Leben lang in Männerdomänen gedrängt, sie spricht darüber mit genervtem Amüsement. Kaum ein Mann, sagt sie, habe es ausgehalten, die "Endeavour" zu sehen, ohne ihr zu sagen, was sie damit tun müsse. Oder sie über technische Details aufzuklären. Es sei wohl eine besondere Art von Penisneid, sagt sie, der 50 Meter lange Mast des Schiffes mache Männer nervös. Immer wieder musste sie sich rechtfertigen, erzählt sie. Oft sei sie gefragt worden, warum sie das viele Geld nicht für Bedürftige verwendet hat.

Auch die "Shamrock V" landete in Newport, die Lipton Tea Company stiftete sie dem Museum of Yachting in Newport. Elizabeth Meyer nahm sich der Restaurierung an - insgesamt hat sie in den letzten zwei Jahrzehnten mehr als 80 Boote restauriert. Mitte der neunziger Jahre gründete sie am Hafen die International Yacht Restoration School (IYRS). Dafür wurde sie anfangs bekämpft, weil Investoren sich für das Gelände interessierten. Heute gehört die Schule zu Newports Aushängeschildern.

"Man versteht doch die Gegenwart nur aus der Vergangenheit heraus", sagt Meyer. Restauration sei etwas instinktiv Gutes, es habe mit Empathie und Moral zu tun, ganz gleich, ob man ein zerstörtes Haus oder ein Boot wieder aufbaut, "man will etwas Verletztes heilen".

Weltumseglung mit der "Seminole"

Elizabeth Meyer ist nun 56 Jahre alt. Vor mehr als 20 Jahren wurde in ihrem Hirn ein gutartiger Tumor entdeckt. Sie wurde mehrfach operiert, aber die Geschwulst ist nach wie vor da, sie liegt nah am Sehnerv. "Man gewöhnt sich daran", sagt sie. Und lebt vielleicht ein bisschen intensiver.

Von 2005 bis 2008 ist sie mit ihrem Mann um die Welt gesegelt, mit kurzen Unterbrechungen an Land. 13.000 Meilen auf der "Seminole", ihrem Boot aus dem Jahr 1916, das einzige, das sie außer "Bystander" noch besitzt. "Ich liebe es, an Orte zu kommen, wo sonst niemand ist. Die Côte d'Azur interessiert mich nicht."

Was sie bei ihren Streifzügen an den Küsten von Alaska oder Baja California einsammelt, stapelt sie im Keller, sorgfältig sortiert: Walwirbelsäulen, Pelikanschnäbel, ein Regal voller Stachelschweinköpfe. Was als Nächstes kommt, weiß sie noch nicht. Von einer Expedition in der Sahara hat sie das Skelett eines Wüstenkrokodils mitgebracht. Bei einem Fest der Universität von Chicago lernte sie den Chef der paläontologischen Abteilung kennen. Er lud sie ein, sein Labor zu benutzen. Dort ist sie nun wochenweise - und das, sagt sie, sei endlich wieder mal ein richtiges Abenteuer.

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  • Datum: Donnerstag 24.09.2009 | 05:59 Uhr
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mare
Die Zeitschrift der Meere
Heft No.75, August/September 2009
Die goldene Ära der Yachten

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Steffi Kammerer, Jahrgang 1969, lebt als freie Autorin in Berlin und New York. Zurzeit renoviert sie ein altes Haus auf Long Island, ohne viel Ahnung, aber seit der Begegnung mit Elizabeth Meyer zuversichtlicher als bisher.

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