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29.10.2009
 

Brasilien

Deutscher lebt seit Wochen auf Flughafen

Von Stephan Orth

Aufenthaltsort Wartehalle (in Bangkok): Schon mehrfach sorgten Reisende, die Wochen oder gar Monate am Flughafen verbrachten, für SchlagzeilenZur Großansicht
REUTERS

Aufenthaltsort Wartehalle (in Bangkok): Schon mehrfach sorgten Reisende, die Wochen oder gar Monate am Flughafen verbrachten, für Schlagzeilen

Er kam wegen der Liebe nach Brasilien, wurde enttäuscht - jetzt lebt der Deutsche Heinz M. seit zwei Wochen auf einem Flughafen bei São Paulo. An einer Rückkehr nach Hause hat der pensionierte Pilot wenig Interesse.

Er trägt schwarz-weiße Badeschlappen, Jeans und ein gelbes T-Shirt. In einem Fernsehbeitrag für den brasilianischen Sender TV IG wirkt der Deutsche Heinz M. nicht wie jemand auf der Durchreise, sondern wie jemand, der hier zu Hause ist. Seit 14 Tagen lebt er auf dem Flughafen Viracopos im Nordwesten von São Paulo in Brasilien.

Weil er sich in eine Brasilianerin verliebt habe, sei der 46-Jährige Anfang Oktober mit einem One-Way-Ticket nach Brasilien geflogen, berichtet die Nachrichtenseite terra.com.br. Die beiden hatten sich demnach in Deutschland kennengelernt und waren danach per E-Mail in Kontakt geblieben. In anderen brasilianischen Medienberichten heißt es, er habe die Frau vorher nur aus dem Internet gekannt. Nach mehreren Treffen im Oktober sei es zum Streit gekommen, und die Frau habe ihn schließlich vor die Tür gesetzt.

Der Mann verbrachte daraufhin einige Nächte in verschiedenen Hotels und Pensionen, schließlich fuhr er zum Flughafen. Dort schläft er seit dem 16. Oktober auf den Sitzen in der Wartehalle, benutzt die Toiletten als Waschraum und lebt von dem, was Fluggäste und Angestellte ihm geben. Nur ein paar Gepäckstücke hat er bei sich - einen Koffer, Plastiktüten, einem Laptop und einem Drucker. Illegal ist sein Aufenthalt nicht, da es sich bei dem Flughafen um einen öffentlichen Platz handle, teilen die Behörden mit. Solange er keine Passagiere gefährdet oder belästigt, kann er dort so lange bleiben, wie sein Visum gültig ist.

"Deutschland ist kalt"

Den Berichten zufolge hat M. wenig Interesse, nach Deutschland zurückzukehren: "Ich will hier sein. Brasilien ist ein Land der Freude, und Deutschland ist kalt." In Brasilien wolle er sich ein Haus kaufen oder mieten. "Ich möchte hier ein Konto eröffenen, um mein Geld aus Deutschland übertragen zu können", sagt er in dem TV-Beitrag in so brüchigem Portugiesisch, dass der Sender Untertitel einblendete.

An Flughäfen kennt der Mann, der zwischen 2006 und 2007 schon einmal für neun Monate in Brasilien gewesen sein soll, sich übrigens bestens aus. Er ist pensionierter Bundeswehrpilot und soll außerdem Passagiermaschinen in den USA und Mexiko geflogen haben - das berichtet die Lokalzeitung "Cruzeiro do Sul". Er leide an der Parkinson-Krankheit und sei deshalb nicht mehr arbeitsfähig.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin sagte SPIEGEL ONLINE, dass man den Mann bereits zweimal kontaktiert und ihm Hilfe angeboten habe. M. habe jedoch daran kein Interesse gezeigt. Konsularische Hilfe kann unter anderem darin bestehen, Familienmitglieder zu verständigen und bei der Heimreise zu helfen. Der Herkunftsort des 46-Jährigen ist noch unklar, er soll aber ursprünglich aus dem Raum München in Süddeutschland stammen.

Am Flughafen jedenfalls scheint M. die Sympathie einiger Angestellter gewonnen zu haben. "Diese Frau hat kein Herz, sie hätte das nicht tun müssen", sagte ein Polizist der Nachrichtenseite terra.com.br.

Auf dem rund 100 Kilometer von São Paulo entfernten Viracopos International Airport hatte sich bereits im vorigen Jahr ein Mann für einige Tage einquartiert. "Das war der erste Tom Hanks", sagte ein Flughafenangestellter. Heinz M. erinnere aber stärker an den Schauspieler: "Er könnte auch Tom Heinz genannt werden."

Damit spielte er auf den erfolgreichen Kinofilm "Terminal" mit Tom Hanks in der Hauptrolle an. Darin lebt ein Einwanderer monatelang am New Yorker Flughafen John F. Kennedy. Vorbild ist der Fall von Mehran Karimi Nasseri, der 18 Jahre am Pariser Flughafen Charles de Gaulle verbrachte. Zu ähnlichen Fällen kommt es immer wieder: In Mexiko-Stadt wurde ein Japaner zu einer lokalen Berühmtheit, weil er montatelang am Flughafen lebte, auf Mallorca lebte eine Deutsche jahrelang auf dem Flughafen.

Mit Material von dpa

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30.10.2009 von GWM: ttt

Mit diesem Beitrag demonstrieren Sie eindeutig, daß Sie sich rapide der Debilitätsgrenze nähern. Die einzig offene Frage ist: Vo welcher Seite? mehr...

30.10.2009 von GWM: ttt

Na, mal wieder einen Kaspar gefrühstückt. Die Neoliberalen sind so lustig. mehr...

30.10.2009 von Cipo: Eröffenen? Geld übertragen?

"'Ich möchte hier ein Konto eröffenen, um mein Geld aus Deutschland übertragen zu können', sagt er in dem TV-Beitrag in so brüchigem Portugiesisch, dass der Sender Untertitel einblendete", heißt es in dem Artikel in so [...] mehr...

30.10.2009 von Frittenbude: Netter Artikel, ich hab mich gut amüsiert

Ich habe den Artikel mit Freude gelesen. Interessant und irgendwie herzerwärmend, wie z.B. Flughafenangestellte Sympathie empfinden und sich solidarisieren ("Diese Frau hat kein Herz" - und das aus dem Mund eines [...] mehr...

29.10.2009 von Hans58: Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!

Immerhin reicht der "Vorfall" der Redaktion für gleich zwei Schlagzeilen: um 16:44 : http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,658067,00.html und um 18:55 Uhr: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,658193,00.html [...] mehr...

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