Atlantischer Ozean
S
üd-Thule
Südl. Sandwichinseln (Vereinigtes Königreich)
Englisch Southern Thule
36 Quadratkilometer | unbewohnt
31. Januar 1775 entdeckt von James Cook
1976 bis 1982 von Argentinien besetzt
Wo Thule liegt? Am äußersten aller Ränder. Am polaren Kreis. Kurz vor dem mit Brettern vernagelten Ende der Erde: der letzte Posten der bekannten Welt, eine Insel im hohen Norden, wo die See so finster und ungestüm ist, dass niemand dorthin fahren möchte, eine Tagesreise vom geronnenen Meer entfernt.
Nach Süden geht Commander Cooks zweite Reise. Er soll endlich die Terra Australis finden, den mächtigen Kontinent, der sich auf den Weltkarten unermesslich weit erstreckt, eine riesige Landmasse in gemäßigtem Klima, reich an Bodenschätzen und zivilisierten Menschen: weltberühmt, doch incognita. Im Januar 1775 fährt seine Resolution ein viertes Mal ins südliche Eismeer.
Doch erneut zwingen sie gewaltige Schollenfelder und lose Eistrümmer zur Umkehr, und alle an Bord sind froh, als sie wenige Meilen jenseits des 60. südlichen Breitengrades wieder nach Norden steuern. Die Matrosen haben genug von dem nassen Nebelwetter und der bitteren Kälte, von den Arbeiten in der vereisten Takelage, von ständigen Erfrierungen und rheumatischen Schmerzen; manche fallen vor Erschöpfung in tagelang anhaltende Ohnmachten.
Plötzlich stoßen sie auf gefrorenes Land mit schwarzen Klippen, steil und voller Höhlen: in der Höhe von Seeraben bewohnt, in der Tiefe von tobenden Wellen gepeitscht. Dicke Wolken bedecken seine Berge, nur ein einziger beschneiter Gipfel ragt weit über sie hinaus, mindestens zwei Meilen hoch.
Nach fünf Seemeilen liegt vor ihnen ein weiteres Gebirge, das südliche Ende dieses kargen Landes, vielleicht die nördlichste Spitze des gesuchten Kontinents, der - so viel ist nun sicher - nicht viel taugen kann, ein Festland mit Ruinen aus Firn und Eis, die niemals schmelzen: düster, kalt und schreckensvoll. Dieser Teil der Welt ist für immer zur Natur verdammt, in dichte Finsternis eingehüllt. Hier liegt das neue Thule, das andere Ende der bekannten Welt.
Auszug aus "Atlas der abgelegenen Inseln" von Judith Schalansky
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---Zitat--- Ich weiß jetzt, dass es besser ist, zu Hause zu bleiben. Ich könnte von einer abgelegenen Insel nur enttäuscht werden. Sehr beruhigend. Vielleicht ist es besser, die Sehnsucht zu füttern und zu pflegen - und ja nicht [...] mehr...
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