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22.12.2009
 

Atlas-Geschenktipp

"Inseln machen nichts Gutes mit den Menschen"

2. Teil: Süd-Thule - Insel am Ende der Welt

Süd-Thule: Eine Tagesreise vom geronnenen Meer entferntZur Großansicht
Judith Schalansky / mareverlag

Süd-Thule: Eine Tagesreise vom geronnenen Meer entfernt

Atlantischer Ozean
S üd-Thule Südl. Sandwichinseln (Vereinigtes Königreich)
Englisch Southern Thule
36 Quadratkilometer | unbewohnt

31. Januar 1775 entdeckt von James Cook
1976 bis 1982 von Argentinien besetzt

Wo Thule liegt? Am äußersten aller Ränder. Am polaren Kreis. Kurz vor dem mit Brettern vernagelten Ende der Erde: der letzte Posten der bekannten Welt, eine Insel im hohen Norden, wo die See so finster und ungestüm ist, dass niemand dorthin fahren möchte, eine Tagesreise vom geronnenen Meer entfernt.

Nach Süden geht Commander Cooks zweite Reise. Er soll endlich die Terra Australis finden, den mächtigen Kontinent, der sich auf den Weltkarten unermesslich weit erstreckt, eine riesige Landmasse in gemäßigtem Klima, reich an Bodenschätzen und zivilisierten Menschen: weltberühmt, doch incognita. Im Januar 1775 fährt seine Resolution ein viertes Mal ins südliche Eismeer.

Doch erneut zwingen sie gewaltige Schollenfelder und lose Eistrümmer zur Umkehr, und alle an Bord sind froh, als sie wenige Meilen jenseits des 60. südlichen Breitengrades wieder nach Norden steuern. Die Matrosen haben genug von dem nassen Nebelwetter und der bitteren Kälte, von den Arbeiten in der vereisten Takelage, von ständigen Erfrierungen und rheumatischen Schmerzen; manche fallen vor Erschöpfung in tagelang anhaltende Ohnmachten.

Plötzlich stoßen sie auf gefrorenes Land mit schwarzen Klippen, steil und voller Höhlen: in der Höhe von Seeraben bewohnt, in der Tiefe von tobenden Wellen gepeitscht. Dicke Wolken bedecken seine Berge, nur ein einziger beschneiter Gipfel ragt weit über sie hinaus, mindestens zwei Meilen hoch.

Nach fünf Seemeilen liegt vor ihnen ein weiteres Gebirge, das südliche Ende dieses kargen Landes, vielleicht die nördlichste Spitze des gesuchten Kontinents, der - so viel ist nun sicher - nicht viel taugen kann, ein Festland mit Ruinen aus Firn und Eis, die niemals schmelzen: düster, kalt und schreckensvoll. Dieser Teil der Welt ist für immer zur Natur verdammt, in dichte Finsternis eingehüllt. Hier liegt das neue Thule, das andere Ende der bekannten Welt.

Auszug aus "Atlas der abgelegenen Inseln" von Judith Schalansky

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23.12.2009 von bulk22: unser Georg

Der im wahrsten Sinne des Wortes gute Mann hieß Georg FoRster. Wer darf nun den Fehler behalten: die unbedarfte Autorin, der Interviewer oder oder oder? mehr...

23.12.2009 von denkmal!: Schablone für den ECHT modernen Menschen...

Dass Inseln nichts Gutes aus Menschen machen, ist mir nicht aufgefallen, in den 18 Jahren, in denen ich auf verschiedenen Pazifischen Inseln gelebt habe. Sehr wohl aber, dass Menschen nichts Gutes aus Inseln machen. Speziell wenn [...] mehr...

23.12.2009 von Newspeak: ...

Die Idee an sich ist reizvoll. Und in den Archiven zu stöbern, um dabei die seltsamen und eigenartigen Berichte von Entdeckern aus allen Herren Ländern aufzutun, lobenswert. Dennoch erscheint das Projekt sehr bemüht...Sprache [...] mehr...

23.12.2009 von Holgilein: Was bin ich froh...

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22.12.2009 von taniwani: Angst zu Träumen

Traumziele sind zum Träumen da, ich bleibe zuhause und träume weiter und wenn das Träumen zu anstrengend wird erkläre ich die fernen Ziele eben als nicht erstrebenswert. Mit etwa solcher Ansichten kommt die Autorin in diesem [...] mehr...

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Zur Person

Petra Koßmann
Judith Schalansky, 1980 in Greifswald geboren, hat Kunstgeschichte und Kommunikationdesign studiert. Sie lebt als freie Autorin und Gestalterin in Berlin. 2008 erschien ihr erster Roman, "Blau steht dir nicht", im Hamburger mareverlag. Für den "Atlas der entlegenen Inseln" hat sie nicht nur die Texte verfasst, sondern auch Illustrationen, Satz und Layout gestaltet.

Buchtipp

Judith Schalansky / mareverlag

Judith Schalansky:
Atlas der abgelegenen Inseln
Fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde.

mareverlag; 143 Seiten; 34 Euro.

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