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02.01.2010
 

Rock'n'Roll-Tourismus

Mit Elvis im Studio

Hier kaufte Elvis Presley seine erste Sieben-Dollar-Klampfe, sang Gospellieder in der Kirche: Eine Pilgertour nach Tupelo und Memphis ist Pflicht für reisende Rock'n'Roll-Fans in den USA. Am 8. Januar feiern sie dort einen besonderen Geburtstag - dann wäre der "King" 75 Jahre alt geworden.


Tupelo/Memphis - Die Veranda des weißen Bungalows ist ein bisschen schief und verwittert. Die vier Stufen knarren beim Drauftreten. Links hängt eine Schaukelbank an Ketten, geradeaus geht es ins Zimmer, in dem Elvis Presley am 8. Januar 1935 geboren wurde. Die Einrichtung ist mit Möbeln jener Zeit nachgebildet: ein Küchentisch mit grün kariertem Wachstuch, ein Kamin, abgegriffene Holzschränke, ein Eisenbett und eine Kommode mit einem altmodischen Radio.

An der Wand hängt ein Schwarzweißbild von zwei Erwachsenen mit einem Kind. Es sind Vernon und Gladys Presley mit dem vielleicht zweijährigen Elvis Aaron. Unverkennbar ist die Ähnlichkeit vor allem von Vater und Sohn: Sie haben die gleichen Züge um den leicht schief lächelnden Mund.

Weiter weg vom glitzernden Kommerz in "Graceland" könnte dieses Geburtshaus kaum sein. Es liegen nur rund 120 Kilometer zwischen der Musikmetropole Memphis in Tennessee und dem kleinen Geburtsort Tupelo im Bundesstaat Mississippi. Aber die verschlafene Kleinstadt mit regem Güterzugverkehr hat mit dem Presley-Glitter von Memphis und Las Vegas nur wenig zu tun. Tupelo erzählt eine andere Geschichte: die von Elvis dem Kind, vom Aufwachsen in bitterer Armut im tiefen Süden der USA mit seiner damals strikten Rassentrennung.

Kindheit im Armenviertel

"Das Geburtshaus von Elvis ist die größte Attraktion, die wir in Tupelo haben", erklärt Linda Elliff vom lokalen Tourismusbüro. Jedes Jahr pilgern etwa 80.000 Fans zum liebevoll restaurierten Museum am Elvis Presley Drive 306. Vernon Presley hatte sich damals 180 Dollar leihen müssen, um das bescheidene Haus zu bauen. Strom und fließendes Wasser gab es nicht. Als der Vater ins Gefängnis kam, konnte Gladys das Haus nicht halten. Schließlich lebten die Presleys im vorwiegend schwarzen Stadtteil Shake Rag, den die Einheimischen mit ihrem tiefen Südstaaten-Akzent damals nur als "On the Hill" beschrieben.

Die Stadt Tupelo hat das Geburtshaus und das umliegende Land mit dem Geld erworben, das Elvis 1956 bei einem begeistert gefeierten "Heimspiel"-Konzert eingenommen und gespendet hat. Eine Bronzestatue auf dem Gelände zeigt Elvis als 13-Jährigen, mit der Gitarre in der Hand. Die Augen sind blicklos, aber: "Wenn man ganz nah ran geht", sagt Museumsdirektor Dick Guiton, "dann werden sie lebendig". In dem gepflegten Park stehen auch eine Kapelle und das Elvis Presley Memorial Museum, in dem der Einfluss beschrieben wird, den das Landleben in Mississippi auf ihn und seine Musik hatte.

Die kleine weiße Holzkirche "The Assembly of God Church", die Elvis mit seiner Mutter besuchte und in der er die erste Gospelmusik hörte, wurde um ein paar Straßenblocks versetzt und an den Geburtsort gebracht. Im gedämpft beleuchteten Inneren, auf rund 30 hölzernen Sitzbänken, werden die Zuschauer mit einer Multimedia-Show in die Zeit der sonntäglichen Gospelgebete und -lieder der dreißiger und vierziger Jahre zurückversetzt. Die Hälfte des Fußbodens sei original, versichert Dick Guiton. Den hat also schon Elvis als Knirps betreten.

Auf einen Cheeseburger ins Drive-In

James Ausbon und Guy Harris sind Jugendfreunde von Elvis - heute betagte Herren mit schütterem, weißem Haar. Schwer vorstellbar, dass Elvis heute ähnlich aussehen könnte, wäre er nicht mit 42 gestorben.

Die Herren erzählen, wie sie mit Elvis quer durch Tupelo stromerten - zum Eisessen oder zu "Johnny's Drive-In", um einen Cheeseburger zu teilen. Auch die "Elvis Presley Sweethearts", ein Fanclub aus den fünfziger Jahren, haben sich wieder zusammengefunden. Die grau gewordenen Mütterchen gehen teilweise am Stock, aber ihre Augen leuchten, wenn sie von Elvis erzählen und von der Zeit, als sie aufgebrezelt an der Straße warteten und darauf hofften, dass Elvis in einem seiner Autos wieder mal in Tupelo vorbeifahren würde.

Auch ein unscheinbarer, brauner Ziegelbau am "Broadway" in Tupelos Industrieviertel ist ein glitzernder Elvis-Schrein: Hunderte Fotos, Poster und Elvis-Dekorationen schmücken das Lokal "The Icehouse". Alles ist hier in Pink und Schwarz gehalten, Elvis' Lieblingsfarben.

Es werden deftige Südstaatenspeisen aufgetischt: frittierte grüne Tomaten, Catfish und Bananen-Pudding. Elvis aß unheimlich gern Maisbrot in Buttermilch gebröselt, erinnert man sich hier noch.

Erinnerungen an den "King" an jeder Ecke

Einen Block weiter prangt das Schild von "Tupelo Hardware", einem Laden, in dem Elvis mit elf Jahren seine erste Gitarre bekam. "Davor imitierte er das Gitarrespielen immer mit einem Besen", erinnert sich sein Jugendfreund Sam Bell. Elvis' Mutter hatte etwas gespart und wollte ihrem Sohn ein Fahrrad kaufen. In der Vitrine bei "Tupelo Hardware" lag ein Gewehr aus, was ihm besser gefiel, der Mutter aber nicht. Beide einigten sich unter Vermittlung eines Verkäufers auf die Gitarre für 7,59 Dollar - und die gab Elvis nicht mehr aus der Hand.

Elvis ist in Tupelo allgegenwärtig. Seine Lieblingsimbisse, der frühere Volksfestplatz, Grund- und Mittelschule, die Bücherei: Alles, was mit Elvis und seinen ersten 13 Lebensjahren zu tun hatte, lässt sich besichtigen. Der Ort feiert seinen Star aber ohne Allüren und Feuerwerk. Er vermittelt vielmehr einen ungeschminkten Blick hinter die Kulissen, auf die Wurzeln des späteren "King of Rock'n'Roll".

1948 zogen die Presleys nach Memphis in eine Sozialwohnung im "Lauderdale Court". Die Drei-Zimmer-Wohnung ist heute an den Todes- und Geburtstagen des "King" zu besichtigen. Im Waschkeller übte der damals scheue Elvis das Singen und Gitarrespielen.

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Etwa 120 Kilometer vom Geburts- zum Sterbeort: Tupelo und Memphis liegen in den US-Südstaaten Mississippi und TennesseeZur Großansicht
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