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26.01.2010
 

Messetrends auf der boot 2010

Höhenflüge in Halle eins

Von Linus Geschke

Mit Beluga-Walen unter Eisschollen tauchen, auf dem Ray-Board über das Wasser rasen: Mit neuen Reiseangeboten und Trendsportarten buhlen die Anbieter auf der boot 2010 um buchungswillige Besucher. SPIEGEL ONLINE stellt die spannendsten und ungewöhnlichsten Angebote vor.

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boot 2010: Alles fürs Wasser

Wer vor der Malediven-Insel Rangeli tauchen geht, sollte sich auf eine ungewöhnliche Begegnung einstellen: Zwischen Riffwand und Makrelenschwarm könnte ihm zukünftig ein orangefarbenes U-Boot entgegenkommen, aus dessen zwei Plexiglaskuppeln vier freundliche Hände winken.

Das "Nemo 100" ist das erste U-Boot seiner Größe, das von einer kommerziellen Tauchschule betrieben wird. Erfahrene Piloten nehmen einen einzelnen Passagier bis in maximal 30 Meter Tiefe mit - die halbe Stunde kostet dabei rund 300 Dollar. Für den Reiseveranstalter Sub Aqua nicht nur ein Marketinggag: "Rangeli ist eine der schönsten und exklusivsten Inseln im Ari Atoll", sagt deren Managing Director Peter Aulinger. "Und mit dem 'Nemo 100' können wir den Gästen dort eine Attraktion bieten, die in dieser Form weltweit wohl einmalig ist."

Für Messebesucher Rolf Lehmann wäre das nichts - der erfahrene Taucher ist bei seinem Rundgang auf der boot 2010 mehr an Unterwasserabenteuern interessiert, bei denen man auch nass wird. Das große Logo eines Tauchmagazins ziert seinen Rucksack, vom verwaschenen T-Shirt aus droht ein Hai mit weit aufgerissenem Maul und der witzig gemeinten Botschaft "Eat more Tourists". Der Dortmunder sucht den besonderen Kick, ein Ziel, welches noch nicht Tausende vor ihm betaucht haben - und er hofft, direkt auf der Messe zum Sonderpreis buchen zu können.

Bei Beluga Reisen, einem Göttinger Spezialveranstalter, könnte er fündig werden. "Gerade Ziele, die außerhalb des Massentourismus liegen, entwickeln sich in unserem Programm zu wahren Rennern", sagt Geschäftsführerin Vera Stratmann. "So wie das indonesische Naturparadies Raja Ampat, in dem bei fast jedem Tauchgang noch neue Entdeckungen gemacht werden können." Wem dies immer noch zu gewöhnlich erscheint, dem empfiehlt Stratmann einen Trip ans Weiße Meer: "Hier wohnt man in Holzhäusern mit angeschlossener Sauna und taucht mit Beluga-Walen unter Eisschollen entlang. Bisher war so etwas nur aus der Arktis oder Antarktis bekannt, jetzt gibt es das auch in Russland - zu knapp einem Drittel des Preises."

Von den Eisbergen zu fotogenen Mantas

Ob Tropen oder Eisberge - für jeden Taucherwunsch findet sich in Halle drei das passende Ziel. Überhaupt scheint die Reiselust trotz Wirtschaftskrise fast ungebrochen zu sein: Die befragten Veranstalter verbuchten das erste Messewochenende meist als vollen Erfolg und sprachen von einer deutlichen Steigerung der Besucherzahlen gegenüber der boot 2009.

Dazu hat Monika Richter von Deutschlands größtem Tauchreiseveranstalter Orca einen deutlich verstärkten Wunsch nach Fernreisen ausgemacht. "Dies liegt vor allem an dem für Europäer günstigen Dollarkurs sowie an verminderten Kerosinzuschlägen der Fluggesellschaften."

Selbst das als besonders exklusiv geltende Palau mit seinen Schulen von Mantarochen wird 2010 deutlich preiswerter angeboten - eine Destination, die bei Orca auf der Messe voll im Trend liegt. Begünstigt werde das auch dadurch, dass "China Airlines jetzt Verbindungen nach Mikronesien anbietet, die nicht nur vom Preis, sondern auch von den Umsteigemöglichkeiten her sehr attraktiv sind".

Tieftauchen mit farbigen Computerdisplays

Der Fall ins tiefe Blau ist für erfahrene und dementsprechend ausgebildete Taucher einer der ultimativen Reize. Doch während das meist mit heliumhaltigen Atemgemischen betriebene technische Tauchen einer kleinen Minderheit vorbehalten ist, hat deren Ausrüstung auch Einzug in den Sporttauchbereich gehalten. Scubapro, eine der größten Marken im Equipmentbereich, hat dem Trend aktuell sogar eine eigene TEK-Ausstattungslinie gewidmet.

Für besonders viel Andrang am Stand sorgte der Trockentauchanzug "Fusion", der ähnlich dicht am Körper anliegt wie ein Nasstauchanzug - allerdings auch knapp 1400 Euro teuer sein soll.

"Der Trend geht wieder weg von der Billigausrüstung und hin zu mehr Exklusivität", sagt Alexander Kassler, Technik-Redakteur des Tauchmagazins "unterwasser". Mehr Style, hochwertige Qualität, eine zielgruppenorientierte Ausstattung - so schätzt der Experte ein, was beim Kunden zukünftig am stärksten gefragt ist. Mehr Farbe ins Spiel bringt auch die neueste Generation der Tauchcomputer, schwarz-weiß scheint langsam out zu sein.

"Mit dem Icon HD waren wir der erste große Hersteller, der auf farbige Displays gesetzt hat", sagt Dusko Runjajic von mares. Mit dem neuen Icon Air setze man die Entwicklung fort: "Jetzt kann auch ein an der Tauchflasche angebrachter Sender den jeweiligen Atemgasinhalt schlauchlos auf den Computer am Handgelenk übertragen, der diesen dann als Zahlenwert oder Grafik auf dem farbigen Display anzeigt."

Surfen für Wasserscheue

Weniger Hightech-lastig, aber noch farbenfroher geht es wenige Meter entfernt in den Hallen eins und zwei zu: Wie eine vollkommen andere Welt erscheint das Eldorado der Surfer und Trendsport-Begeisterten. An jeder Ecke warten neue Schnäppchen - vom Board über Bekleidung bis hin zu allen möglichen Kursen, die oftmals zu Schleuderpreisen über den Tresen gehen. "Wer hier reinkommt, der weiß in der Regel recht genau, was er will", sagt ein Aussteller, der sich auf Skimboarden spezialisiert hat - vielleicht der neueste Hype von allen.

Erklärt ist diese Disziplin recht einfach: Man sucht sich einen leeren Strandabschnitt aus und wartet auf eine Welle, die möglichst weit ausläuft. Dann läuft man los, schmeißt das Brett vor sich hin und versucht, so schnell es geht, darauf zu springen, um ein Stück weit zu gleiten. In der Praxis gestaltet sich dies jedoch, zumindest für Anfänger, deutlich schwieriger: "Skimboarden ist die wahrscheinlich coolste Möglichkeit, um sich mal richtig gepflegt auf die Schnauze zu legen", erklärt der Fachmann lachend.

Ebenso angesagt: Stand-up-Paddling, eine Kreuzung aus Paddeln wie beim Kanu und Gleichgewicht-Halten wie auf dem Surfbrett. Im "Beachworld" genannten Bereich der Halle eins können Interessierte dies direkt im großen Becken ausprobieren - und liefern oftmals unfreiwillig die beste Unterhaltung für ein zumeist recht junges Publikum. Wer zuerst einmal zu Hause trainieren möchte und den anfangs noch häufigen Wasserkontakt scheut, für den sind "Indo-Boards" im Angebot: kleine Bretter, durch deren speziellen Unterbau man das Halten des Gleichgewichtes im Wohnzimmer lernen kann.

Das Beste aus zwei Welten

Für die Veranstalter der Messe, die 2010 unter dem Motto "360° Wassersport erleben" steht, erweisen sich die Taucher und Surfer als Glücksgriff. Während laut Angaben des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft (BVWW) im vergangenen Jahr die Produktionszahlen von Booten und Yachten um 60 Prozent und der Umsatz um 25 Prozent eingebrochen ist, verzeichnete die Sparte "Tauchen, Surfen und Dienstleistungen" mit 10,5 Prozent einen deutlich milderen Rückgang.

Dennoch sind bei den begehrtesten Reisezielen für Surfer Trends deutlich schwerer auszumachen: Wie in den letzten Jahren dominieren die Klassiker wie Hawaii oder der Süden Balis das Angebot. Mit einer Ausnahme, wie ein Besucher berichtet: "Irland ist ein komplett unterschätztes Revier. Tolle Wellen, kurze Anreise, kein Massentourismus. Dafür liegen aber auch die Wassertemperaturen selten über 15 Grad, und Gänsehaut im Neoprenanzug ist für die meisten nicht allzu sexy."

Für denjenigen, der das Beste aus beiden Welten kombinieren möchte, lohnt sich ein Besuch beim Lifestyle-Unternehmen iQ-Company. Hier hält Mitarbeiterin Catherine Becker das "Ray-Board" bereit - eine dem Rochen nachempfundene Form von Tragfläche, an der man sich festhalten kann und mittels eines Motorbootes durchs Wasser ziehen lässt. "Das Brett kann man sowohl auf wie auch unter der Wasseroberfläche einsetzen. Wer es richtig drauf hat, bekommt damit unter Wasser auch Seitwärtsrollen und weitere Kunststückchen hin." Besondere Vorkenntnisse benötigt man zum Einstieg nicht: Wer schnorcheln kann, sollte auch "Ray-boarden" können.

Selbst der erfahrene Taucher Rolf Lehmann kann dem dynamisch aussehenden Flügel etwas abgewinnen und würde es im Urlaub gern einmal ausprobieren - zumindest solange, wie ihm dabei kein U-Boot in die Quere kommt.

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boot 2010

Die Messe in Düsseldorf läuft noch bis einschließlich Sonntag, 31. Januar. In den 17 Messehallen sind 1568 Aussteller aus 55 Ländern vertreten. Öffnungszeiten sind täglich von 10 bis 18 Uhr.

Tageskarten kosten 15 Euro, Kurzbesuchertickets (ab 15 Uhr) 9 Euro, Studenten zahlen 10 Euro, Kinder 6 Euro. Internet: www.boot.de




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