Berlin - Nach dem Abzug des Sturmtiefs "Xynthia" hat am Montag in ganz Deutschland das große Aufräumen begonnen. Bahn- und Luftverkehr liefen langsam wieder an, litten aber noch immer unter den Auswirkungen des Orkans.
Auf der Schiene war der Verkehr am Sonntag sowohl in Nordrhein-Westfalen als auch im Saarland komplett eingestellt worden. Auf Bahnhöfen strandeten Tausende Menschen. Alle Nachtzüge fielen aus. Auch die Thalys-Verbindung von Köln über Brüssel nach Paris wurde vorübergehend stillgelegt.
In der Nacht waren nach Angaben der Bahn Hunderte Mitarbeiter unterwegs, um die Folgen des Sturms zu beseitigen. Zumindest der Fernverkehr rollte am Montagmorgen weitgehend wieder normal. Die Sperrung des Fernbahnhofs Frankfurt-Flughafen wurde aufgehoben.
"Dennoch ist in einzelnen Fällen wegen aufgestauter Züge in den Sturmregionen mit Verzögerungen im Regional- und Fernverkehr zu rechnen", teilte die Deutsche Bahn mit. Im Regionalverkehr kam es noch zu Behinderungen, Ausfällen und Verspätungen. Der Berufsverkehr sei dennoch verhältnismäßig stabil angelaufen, teilte die Bahn mit. Allerdings gebe es immer noch Orte, wo sich der Stau von Zügen nur langsam auflöse. Reisende müssen demnach unter anderem auf der S-Bahn-Linie zwischen Essen und Düsseldorf und auf der Trasse zwischen Koblenz und Trier mit Behinderungen rechnen.
Die Deutsche Bahn AG steht zu ihrer Entscheidung, den Zugverkehr am Sonntag auf zahlreichen Strecken wegen des Orkantiefs "Xynthia" stillzulegen. Die Politik der Deutschen Bahn, im Vorgriff auf den Sturmverlauf den Regional- und Fernverkehr in bestimmten Regionen aus Sicherheitsgründen vorsorglich vorübergehend einzustellen, habe sich als richtig und weitblickend erwiesen, sagte ein Pressesprecher am Montag. Die Geschwindigkeiten im Fernverkehr waren auch andernorts teilweise reduziert worden. "Die Sicherheit unserer Passagiere und Mitarbeiter hatte zu jedem Zeitpunkt höchste Priorität", sagte der Sprecher.
Flugstreichungen wegen "Xynthia"
Auch bei Flugreisen gab es am Montag noch Verspätungen. Auf dem Rhein-Main-Airport in Frankfurt werde es voraussichtlich noch 20 Flugausfälle geben, sagte ein Flughafensprecher. Die Passagiere sollten sich auf Verspätungen von bis zu zwei Stunden einstellen. "Wir hoffen aber, dass sich die Lage im Verlauf des Tages entspannt", sagte die Sprecherin. Am Sonntag waren am Frankfurter Flughafen etwa 250 von 1270 Starts und Landungen gestrichen worden. Der Fernbahnhof Frankfurt-Flughafen war gesperrt.
Am Montag wird es noch vereinzelt schwere Sturmböen geben, sagte Fabian Ruhnau vom Wetterdienst Meteomedia zu SPIEGEL ONLINE. Im Verlauf des Tages werden sich diese abschwächen. Nach dem Durchzug von "Xynthia" wird die Wetterlage insgesamt ruhiger. Mit Sturmtiefs ist in den kommenden Wochen nicht mehr zu rechnen, aber die Temperaturen fallen wieder. Im Sauerland, Harz und Mecklenburg-Vorpommern schneit es. Der meteorologische Frühlingsbeginn zeichnet sich nicht im Wetter ab - tagsüber wird es viel regnen, nachts frieren, dadurch herrscht weiterhin Glättegefahr.
Mindestens sechs Tote in Deutschland
"Xynthia" hatte am Sonntag über Westeuropa gewütet und mindestens 55 Menschen in den Tod gerissen. In Deutschland starben mindestens sechs Menschen in dem Unwetter. In Niedersachsen wurde ein 46 Jahre alter Mann bei Bückeburg mit seinem Auto von der Fahrbahn geweht. Er prallte gegen einen Baum und starb an der Unfallstelle, teilte die Polizei am Montagmorgen mit.
Im südhessischen Biblis wurde ein Zweijähriger in einen Fluss geweht und konnte nur noch tot geborgen werden. Im Schwarzwald kam ein 74-jähriger Autofahrer ums Leben, bei Wiesbaden ein 69 Jahre alter Wanderer. In Nordrhein-Westfalen starben eine Joggerin und eine Autofahrerin.
Mit orkanartigen Böen bis 180 km/h hatte "Xynthia" in Deutschland gewütet, Bahn-Oberleitungen heruntergerissen, Bäume entwurzelt und Dächer abgedeckt. Es entstanden Schäden in Millionenhöhe. Mittlerweile haben überall die Aufräumarbeiten begonnen.
In Frankreich hat "Xynthia" mindestens 47 Menschen das Leben gekostet. Die meisten Opfer gab es in den benachbarten Départements Vendée und Charente-Maritime an der Atlantikküste, wie Innenminister Brice Hortefeux am Montag im Radiosender France Info sagte. Er kündigte zugleich an, den Präfekturen würden eine Million Euro als Nothilfe zur Verfügung gestellt.
Laut Hortefeux waren am Montag noch mehr als 9200 Feuerwehrleute im Einsatz. Wichtig sei nun insbesondere die Befestigung und Reparatur der teilweise beschädigten Deiche. Der französische Premierminister François Fillon bezeichnete "Xynthia" als nationale Katastrophe. Am Sonntag hatten fast eine Million Haushalte stundenlang keinen Strom.
EU will Sturmopfern helfen
Die Europäische Union kündigte Unterstützung für die Opfer des schweren Sturms "Xynthia" an. Die EU-Kommission werde Hilfe für die am meisten betroffenen Länder prüfen, erklärte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Sonntagabend in Brüssel. Er bekundete seine Anteilnahme und seine Solidarität mit den Opfern.
EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek erklärte, es seien Zahlungen aus dem EU-Solidaritätsfonds möglich, mit denen ein Teil der Wiederaufbaumaßnahmen finanziert werden könnte. Das Parlament werde über derartige Anträge auf Hilfe rasch entscheiden. Seine Solidarität gelte allen Opfern, vor allem aber jenen in den besonders schwer getroffenen Teilen Frankreichs.
abl/jjc/dpa/apn/AFP/Reuters
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Also bei aller Kritik die man an der DB AG üben kann, aber ich muß in einer anderen Behördenbahn gefahren sein als sie. mehr...
Richtig die Entscheidung keine Züge mehr fahren zu lassen und den Betrieb einzustellen. Menschenleben zu erhalten muss im Mittelpunkt stehen. Soweit Einigkeit mit der Bahn AG und ihrer Entscheidung. Falsch, das man die Leute [...] mehr...
...Öhem..wollen wir ernsthaft auf diesem Niveau weiterdiskutieren? Das ist doch wohl nicht Ihr Ernst? mehr...
Eine Frage mal an alle, die behaupten, die alte Behördenbahn wäre bei jedem Wetter gefahren. Gab es damals schon ICE-Züge, die mit mehr als 250 km/h durch die Gegend brausten? Die alte Bimmelbahn mit Dampf- oder Dieselloks [...] mehr...
Das früher alles besser war, mag sein - mich ärgert vor allem, dass man so einen popeligen Fernbahnhof wie Frankfurt/M sperrt - und auch drei Stunden später wird dies andernorts mit keiner Durchsage erwähnt - an einem Sonntag [...] mehr...
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