Berlin - In Island spuckt der Vulkan Eyjafjallajökull weiter Asche - aber bei den Fluggesellschaften wächst der Unmut über die Sperrung des Luftraums, der Stillstand verursacht ihnen Schäden in dreistelliger Millionenhöhe.
Scharf äußerte sich Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber: Die Sorge um die Sicherheit der Passagiere wies er als unbegründet zurück. Viele Fluggesellschaften hätten nun Testflüge absolviert, sagte Mayrhuber am Sonntagabend im ZDF-"heute-journal". Bei der Überprüfung der Aschewolke seien sie zu dem Ergebnis gekommen, "dass die Durchmischung so groß ist mittlerweile, dass hier keine Gefahr besteht".
Auf die Frage, ob in Europa der Flugbetrieb derzeit möglich sei, sagte Mayrhuber: "Ja, das sagen wir ganz klar", auch wenn es vielleicht "Eingrenzungen" geben könne. "Wir würden niemals etwas aufs Spiel setzen", aber mit den vorliegenden Daten müsse gearbeitet werden, sagte der Lufthansa-Chef. "Wir sprechen von Aschewolken - in den letzten drei Tagen konnte man von Flensburg bis Berchtesgaden keine einzige Wolke sehen", sagte er. "Niemand wird durch eine Vulkanwolke fliegen, aber das, was wir in den letzten drei Tagen gesehen haben, war alles andere als ein Gefährdungspotential."
Deutscher Luftraum bleibt bis mindestens 20 Uhr gesperrt
Ramsauer hatte erklärt, er werde sich nicht von "Fluglinien unter Druck setzen lassen". Für ihn gelte Sicherheit an erster Stelle. Er werde es niemals zulassen, "dass gegen den Verlust von Umsätzen das Risiko für Leib und Leben von Reisenden gegengerechnet wird".
Die kurzzeitige Öffnung deutscher Flughäfen am Sonntag hatte für heftige Empörung bei den Fluggesellschaften gesorgt - jetzt steht fest, dass es in Deutschland bis mindestens Montagabend keine Flüge mehr geben wird. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) verlängerte die Sperrung des Luftraums bis 20 Uhr, wie die Behörde am Morgen mitteilte. Die Fluggesellschaften hatten bereits zuvor alle Flüge annulliert.
Am Abend wollten die Verkehrsminister der EU-Staaten über Wege aus dem seit Tagen anhaltenden Chaos im Luftverkehr beraten, das der Luftfahrtbranche täglich Millioneneinbußen beschert. Verschiedene europäische Fluglinien kritisierten nach mehreren Testflügen die Luftraumsperrung und forderten deren Ende.
Die Wetterlage und die nach wie vor große Menge an Gletschereis an dem ausgebrochenen Vulkan Eyjafjallajökull lassen für die kommenden Tage keine großen Veränderungen der Aschewolke erwarten. Die Vulkanaktivität intensiviert sich weiter. Wie Deutschland verlängerten deshalb zahlreiche andere Staaten die Sperrung ihrer Lufträume, Großbritannien sogar bis Dienstag 1 Uhr, Frankreich ebenfalls für die meisten Flughäfen bis Dienstagmorgen. Europas größter Billigflieger Ryanair streicht wegen der Aschewolke alle Flüge in Nordeuropa bis Mittwoch, 13 Uhr. Die Entscheidung sei aufgrund von Wetterprognosen getroffen worden, die Wind aus nordwestlicher Richtung voraussagen, erklärte Ryanair am Sonntag.
Aschewolke über Ostkanada
In Österreich dürfen dagegen ab Montag, 5 Uhr, wieder Flugzeuge starten und landen. Welche Flüge durchgeführt und welche Ziele angeflogen würden, liege in der Verantwortung der Fluggesellschaften, sagte ein Sprecher der Flugsicherung Austro Control. Die aktuellen Prognosekarten und der Umstand, dass bei Überstellungsflügen keine Schäden an der Außenhaut oder den Triebwerken der Maschinen aufgetreten seien, ließen darauf schließen, "dass derzeit keine Gefahr durch Asche- und Staubpartikel gegeben ist".
Auch der Stockholmer Flughafen Arlanda wird am Montag wieder für Starts und Landung geöffnet. Wie die schwedische Luftfahrtbehörde mitteilte, sind ab 8 Uhr Starts und Landung für Verbindungen in nördlicher und westlicher Richtung möglich. Am Vorabend hatte auch der internationale Flughafen Oslo Gardermoen in Norwegen mit Einschränkungen den Flugbetrieb aufgenommen. In Schweden und Norwegen ist der Luftraum jeweils fast komplett freigegeben.
Die Aschewolke könnte am Montag auch Nordamerika erreichen. Laut Vorhersagen werde die Asche gegen 14 Uhr im Osten Kanadas ankommen, sagte Bob Syvret vom britischen Wetterdienst. Die Wolke werde aber wahrscheinlich eine geringe Aschekonzentration haben, so dass Flüge weiter möglich seien.
Kanzlerin Merkel nach zweitägiger Irrfahrt zu Hause
Aus Sorge um wirtschaftlichen Schaden werden Forderungen laut, das Nachtflugverbot zumindest vorübergehend zu unterbrechen. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Hans Heinrich Driftmann, verlangte eine Aussetzung des Nachtflugverbots. So könne sich der Luftverkehr nach einem Abzug der Asche schneller normalisieren, sagte Driftmann der "Frankfurter Rundschau". Ähnlich äußerte sich der FDP-Verkehrsexperte Patrick Dörung: "Die Frachtflieger müssen zwei oder drei Tage lang auch nachts fliegen können, damit die liegengebliebenen Güter transportiert und die ursprüngliche Taktung wieder erreicht wird sonst dauert das einfach zu lange", so Döring zur "Frankfurter Rundschau".
Seit Donnerstag wurden laut der Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol europaweit mehr als 63.000 Flüge annulliert. Der Internationalen Flug-Transport-Vereinigung zufolge kosten die Ausfälle die Branche mindestens 150 Millionen Euro pro Tag.
Zehntausende Flüge sind ausgefallen. Viele Passagiere sitzen in der Fremde fest oder kommen nicht an ihr Reiseziel. Viele versuchten, mit Bussen und Bahnen oder Taxis und Mietwagen an ihr Ziel zu kommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die am Sonntag von einer USA-Reise nach Berlin zurückkehrte, erreichte die Hauptstadt erst nach Zwischenstopp in Lissabon und langer Autofahrt aus Rom.
anr/Reuters/AFP/dpa/apn/ddp
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