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20.04.2010
 

Luftraumsperren gelockert

Ferienflieger holen Zehntausende Touristen zurück

Foto: DDP

Eine solche Rückholaktion hat es hierzulande noch nie gegeben: Die großen deutschen Reiseveranstalter wollen bis zum Abend mehr als 35.000 Fluggäste nach Hause bringen. Die meisten können Sonderflüge nutzen - andere erlebten tagelange Odysseen mit Bussen und Fähren.

Hannover - Die steigende Zahl der Sondergenehmigungen im Luftverkehr ermöglicht immer mehr im Ausland festsitzenden Urlaubern die Rückkehr in die Heimat. Die Reiseveranstalter TUI und Rewe wollen noch am Dienstag Zehntausende gestrandete Urlauber nach Hause fliegen - eine solche Rückholaktion hat es in Deutschland bislang nicht gegeben.

Allein bei Deutschlands größtem Reiseveranstalter TUI geht es um rund 20.000 Reisende. "Damit sind in den Urlaubsländern im Mittelmeerraum praktisch keine TUI-Gäste mehr, die auf ihre Rückreise warten", sagte ein TUI-Sprecher am Dienstag. "Bis Mitternacht haben wir alle Starts ab Deutschland abgesagt. Die Rückholaktionen haben Vorrang", sagte der Unternehmenssprecher. Dafür hatte die TUIfly außer ihren 19 Maschinen noch 15 andere, darunter zwei Jumbos, gechartert.

Sämtliche Feriengäste, die auf der Kanaren-Insel Teneriffa auf den Heimflug gewartet hatten, waren bereits am Dienstagmorgen in Deutschland angekommen. 17 Maschinen waren alleine im Einsatz, um insgesamt 2500 Urlauber von Mallorca aus zu den Flughäfen Hannover, Leipzig, Köln und Düsseldorf zu bringen.

Insgesamt mussten mehr als 200.000 deutsche Pauschaltouristen wegen der Aschewolke ihre Urlaubspläne ändern- etwa die Hälfte davon sitzt im Ausland fest, die andere Hälfte kann geplante Reisen aus Deutschland zunächst nicht antreten.

Hoffnung auf Normalisierung

Die TUI plant von Mittwoch an wieder einen normalen Flugbetrieb. Die Gäste, die am Mittwoch in den Urlaub fliegen sollten, werden über geänderte Abflugzeiten informiert. Dazu hat der Reiseveranstalter eine Hotline eingerichtet (0511 - 567 80000).


Von Sonntag bis Dienstagfrüh hatte TUI bereits rund 4000 Spanien-Urlauber mit einer Armada von Bussen auf dem Landweg nach Frankfurt gebracht. Die jeweils drei Fahrer pro Bus fuhren zwar Nonstop. Doch an der französischen Grenze mussten die meisten Reisenden eine teils stundenlange Pause mit Abendessen, Spaziergang oder Nickerchen im Bus einlegen.

"Wir wollten mit der Verzögerung sicherstellen, dass keine Busse zwischen 22 Uhr und 4.30 Uhr morgens ankommen, weil in dieser Zeit eine Weiterreise per Flug oder Bahn für die meisten kaum möglich gewesen wäre", erläutert ein TUI-Sprecher. Das fürsorgliche Engagement des Reiseanbieters ist verständlich. Er ist vertraglich verpflichtet, die Urlauber nach Hause zu bringen und verlor wegen des Flugverbots zuletzt knapp sieben Millionen Euro am Tag.

Auch Rewe setzt Busse und Fähren ein

Die Rewe Touristik erwartete bis zum Dienstagabend 90 Prozent ihrer gestrandeten Urlauber zurück in Deutschland. Insgesamt sollten fast 15.000 Menschen nach Hause gebracht werden, die wegen des Flugverbots an ihrem Ferienziel festsaßen, teilte Rewe in Köln mit. Auch hier handle es sich um die größte Rückholaktion in der Geschichte des Unternehmens. Die Rewe-Reiseveranstalter - darunter ITS, Jahn Reisen, Tjaereborg und Dertour - setzten zahlreiche Sondermaschinen sowie Busse und Fähren ein.

Allein in Spanien seien 5000 Kunden wegen der Luftraumsperrungen gestrandet, hieß es. In Ägypten, der Türkei und Tunesien warteten mehr als 3000 Feriengäste zum Teil seit Freitag auf einen Heimflug. 4500 Urlauber säßen in fernen Regionen wie Karibik, Asien oder Nordamerika fest. Sie würden entweder direkt nach Deutschland geflogen oder zu einem europäischen Flughafen, der nicht von der Luftraumsperrung betroffen ist.

Thomas Cook will bis Mittwoch zehntausend Gäste mit Sonderflügen abholen. Das Unternehmen setzte 15 Sonderflüge nach Antalya, Djerba, Monastir, Teneriffa und Hurghada ein. Am Montag hatte der Veranstalter bereits mehr als 2500 Gäste aus ihren Urlaubsorten zurückgeholt.

Flugzeuge verschiedener Fluggesellschaften brachten die Kunden aus der Dominikanischen Republik, Kuba und Kenia sowie aus Antalya, Teneriffa, Màlaga, La Palma und Mallorca nach Deutschland und Österreich. Per Bus erreichten die Passagiere ab den österreichischen Flughäfen ihre deutschen Ziele.

Die Thomas-Cook-Tochter Condor hat ebenfalls am Dienstagmorgen wieder ihren regulären Flugbetrieb aufgenommen, teilte der Billigflieger mit. Die erste Boeing 767 mit 191 Passagieren habe den Flughafen Frankfurt um 7.30 Uhr in Richtung Palma de Mallorca verlassen und soll rund 270 Passagiere wieder zurückbringen. Mit mehr als 20 zusätzlichen Sonderflügen sollen Gäste unter anderem aus der Dominikanischen Republik, Kuba, Mexiko, Thailand und Kenia nach Deutschland gebracht werden.

Lufthansa und Air Berlin fliegen wieder

Deutschlandweit lief am Dienstag der Flugverkehr am Dienstag nur zögerlich an. Bei der größten deutschen Fluggesellschaft Lufthansa werde es am Dienstag voraussichtlich 200 Flüge geben, sagte eine Sprecherin. Damit ist die Airline zwar noch weit von einem Normalbetrieb entfernt. Der größte Teil der Langstreckenflüge könne jedoch starten und auch auf innerdeutschen und europäischen Strecken komme der Betrieb wieder ins Rollen.

Auch die kleinere Konkurrentin Air Berlin versucht möglichst viele ihrer geplanten rund 650 Flüge starten zu lassen. Ob dies gelinge, hänge jedoch davon ab, wie viele Flughäfen im Lauf des Tages geöffnet blieben, sagte ein Sprecher. Die Airlines fliegen seit Montag mit einer Ausnahmegenehmigung im kontrollierten Sichtflug. Das ist nur bei gutem Wetter und am Tag möglich. Zudem kontrolliert die Flugsicherung mit ihren Lotsen den Verkehr, damit es keine Zusammenstöße gibt.

Die generelle Sperrung des deutschen Luftraums wegen der Vulkan-Aschewolke bleibt noch bis mindestens 20 Uhr am Dienstag bestehen. Reiseveranstalter und Fluglinien empfahlen, sich vor einer geplanten Reise im Internet oder über Hotlines über den aktuellen Stand zu informieren - alle Informationen dazu finden Sie in der linken Spalte.

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insgesamt 16 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
21.04.2010 von blowup: unausgegoren

Bin gerade aus Antalya zurück. Ich vermisse bei der ganzen Berichterstattung die menschliche Komponente. Ich erinnere mich an ein etwas betagteres Rentnerpäarchen, dass vollkommen hilflos den Tränen nahe war, nachdem ihr [...] mehr...

21.04.2010 von Eppelein von Gailingen: Wieso schimpfen alle auf den Verkehrsminister

Ursächlich haben die Flugsicherungen in Europa den Luftraum gesperrt, inkl. der DFS. War vielleicht ein Fehler von Herrn Ramsauer sich zu Sichtflügen drängen zu lassen. Bei solchen Unwägbarkeiten wie den Vulkanausbrüchen müssen [...] mehr...

20.04.2010 von RogerT:

Was ist es denn sonst als Neid, wenn jemand bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf alles schimpft, was andere sich leisten. Neid ist die deutsche Form der Anerkennung... ---Zitat--- Es geht um unser menschlich [...] mehr...

20.04.2010 von lemming51: Erlebnis

Wir haben jetzt 2 1/2 Tage in London festgesessen, sind dann mit ein paar Österreichern (äußerst humorvoll)und einem richtig netten englisch-indischen Fahrer (500 Pfund für alle) nach Calais (Fähre 10 Pfund jeder) haben dort für [...] mehr...

20.04.2010 von landgraftom: frachzflüge

alle tun so als würden sich die ailines einen kopf um die passagierflüge machen. wichtig sind für die nur die durcgführung von fracgzflügen. die rechnen sich richtig mehr...

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Infos zum Flugverkehr und Reiseveranstalter

Aktuelle Informationen über Verspätungen und Flugausfälle geben die Flughäfen auf ihren Websites bekannt. Zur aktuellen Lage nach dem isländischen Vulkanausbruch ist eine Hotline der Flughäfen eingerichtet: 0180/5000186

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Was ist ein Sichtflug?

Grundprinzip des Sichtfluges ist - der Name lässt es vermuten -, dass der Pilot genügend Sicht nach draußen hat. Flüge in Wolken sind also verboten. Normalerweise fliegen so nur kleine Propellerflugzeuge.

Allein der Pilot ist für die Sicherheit von Maschine und Passagiere zuständig. Er muss im unteren Luftraum auch ohne Lotsenhilfe Mindestabstände zu anderen Flugzeugen und den Wolken einhalten. Dabei kann er aber Funkfeuer und Satelliten-Navigation nutzen. Die Lufthansa-Flüge sollen als sogenannte kontrollierte Sichtflüge durchgeführt werden. Radarlotsen unterstützen dabei die Piloten.

Im Sichtflug können wesentlich weniger Flugzeuge gleichzeitig unterwegs sein als unter Kontrolle der Flugsicherung, die sie staffelt und in Luftkorridore einreiht. Außerdem verbrauchen die Jets im unteren Luftraum viel mehr Kerosin, weil der Luftwiderstand größer ist.


Vote

Airlines trotzen Aschewolke

Würden Sie jetzt in ein Flugzeug steigen?

  • Klar, die Aufregung hat doch mit der Realität nichts zu tun.
  • Ja, ich vertraue den Fluggesellschaften.
  • Eher nicht, ich glaube den Forschern mehr als den Airlines.
  • Nein, ich bin doch nichts lebensmüde.
  • Weiß nicht.

Leseraufruf

DPA/Hakon Mosvold Larsen
Lähmt die Aschewolke Ihre Pläne? Wie verbringen Sie die Wartezeit? Wie versuchen Sie sich durchzuschlagen? Schicken Sie Ihre Berichte an spon_reise@spiegel.de, Betreff: Vulkan.

Mit der Einsendung bestätigen Sie, dass Sie einer honorarfreien Veröffentlichung zustimmen.

Was Arbeitnehmer beachten müssen

Besteht Lohnanspruch bei Fehltagen wegen Flugausfall?

Nein, fehlen Arbeitnehmer im Job, darf der Chef ihnen das Gehalt kürzen. Das gilt auch, wenn sie nicht zur Arbeit kommen können, weil ihr Flug wegen der Aschewolke aus Island ausfallen musste. Sie haben keinen Anspruch auf eine Fortzahlung des Lohns. Arbeitnehmer tragen das sogenannte Wegerisiko: Beschäftigte sind selbst dafür verantwortlich, dass sie pünktlich zur Arbeit kommen.

Wie ist die Rechtslage?

Droht eine Abmahnung?

Wann ist der Arbeitgeber zu informieren?


Sperrung des Luftraums

Für eine Sperrung des Luftraums sind die nationalen Verkehrsministerien zuständig - in Deutschland dementsprechend das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS). Über eine etwaige Sperrung wird in enger Absprache mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) entschieden.

Die Flugsicherungsbehörde Eurocontrol koordiniert die Flugbewegungen zwischen den verschiedenen europäischen Lufträumen. Ihr Hauptsitz ist in Brüssel, in Deutschland ist die Organisation nur für einen geringen Teil der Flüge im Norden des Landes zuständig. Um die Abstimmung der Flugpläne in Europa kümmert sich die Unterabteilung Central Flow Management Unit (CFMU). Von dort werden die Informationen zu den Fluglotsen an den Flughäfen weitergeleitet.


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