Frankfurt am Main/Hamburg - In Deutschland können die Flugzeuge seit Mittwochvormittag wieder starten und landen. Nach tagelangen Luftraumsperrungen sind die Beschränkungen für Verkehrsmaschinen flächendeckend aufgehoben worden. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) erlaubte am Vormittag überall Flüge mit dem Instrumentenverfahren, das heißt im Normalmodus. Zuvor war der Luftverkehr lediglich mit Sondergenehmigungen und im Sichtflug (siehe Kasten links) erlaubt.
Auch im europäischen Ausland wurden die Beschränkungen nach dem Vulkanausbruch auf Island weitgehend aufgehoben. Die Entscheidung sei auf Informationen des Deutschen Wetterdienstes gestützt, nach denen keine gefährlichen Konzentrationen der Asche mehr nachgewiesen werden könnten. "Das war keine politische Entscheidung", sagte DFS-Sprecher Axel Raab.
Zuvor hatten mehrere Fluggesellschaften die Sperren als überzogen kritisiert. Die Flugverbote sind auch Thema einer Regierungserklärung von Verkehrsminister Peter Ramsauer, der am Mittwochmittag den Bundestag über die Lage informieren will.
Harsche Kritik am Startverbot
Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber erneuerte am Mittwochmorgen seine Kritik an den tagelangen Sperrungen. Man habe von Anfang an den Verdacht gehabt, dass das Prognosemodell aus England nicht in Ordnung sein könne, sagte der Manager im ZDF. Bei Testflügen habe man keine Wolke gesehen, weil die Durchmischung dünn gewesen sei.
Auch in Großbritannien kam es in der Nacht zu einer heftigen Diskussion, ob das rigorose Flugverbot überhaupt notwendig gewesen sei. Die zivile Luftfahrtbehörde CAA hatte den Luftraum am Dienstagabend wieder geöffnet, weil das Risiko der Vulkanasche "neu bewertet" wurde. Die Frage sei, ob die Regierung den Behörden Druck gemacht hatte, um das Chaos zu beenden, hieß es nun.
Zeitweise seien 1,2 Millionen Passagiere pro Tag von den Flugverboten betroffen gewesen. Das Ausmaß der Krise stelle die Folgen der Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York in den Schatten, als der Luftraum über den USA für drei Tage gesperrt gewesen sei, sagte Bisignani.
Eine erste Bilanz zog auch die europäische Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol am Mittwoch in Brüssel: In den sechs Tagen mit Flugverboten sei mehr als jeder zweite Flug gestrichen worden. Seit Beginn der Aschegefahr am vergangenem Donnerstag fielen mehr als hunderttausend Verbindungen aus. Auf dem Höhepunkt des Flugchaos am Sonntag seien rund 80 Prozent der Flüge gestrichen worden.
"Flugverkehr ist ein sensibles System"
Auf den Flughäfen wird der Betrieb nach und nach wieder hochgefahren. So sind beispielsweise in Düsseldorf rund 280 Flüge geplant. Üblich sind 590. Der Der Chef der Berliner Flughäfen, Rainer Schwarz, sagte, die Lage in der Hauptstadt bessere sich. Aber einen "halbwegs geregelten Flugverkehr" werde es in Berlin frühestens am Donnerstag geben.
Die Lufthansa erklärte, insgesamt etwa 500 Flüge am Mittwoch durchführen zu wollen. Normal sind 1800. Den Vorrang hätten dabei Interkontinentalverbindungen. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin will im Laufe des Tages immerhin zum regulären Verkehr zurückkehren.
Insgesamt wird es laut DFS bis zur völligen Normalisierung noch eine Weile dauern. "Der Flugverkehr ist ein sensibles System", sagte eine Sprecherin. Viele Maschinen seien noch immer nicht dort, wo sie laut Einsatzplan sein müssten. Es werde einige Tage dauern, bis alle Umläufe wieder eingerichtet sind, sagte auch eine Lufthansa-Sprecherin.
Das Wiederanfahren des Flugplans nach der Aschepause ist ein komplexer Prozess, weil Maschinen und Crews über mehrere Tage hinweg koordiniert werden müssen. Im Unterschied zu den Tagen nach dem Pilotenstreik im Februar seien aber dieses Mal die Maschinen günstiger verteilt.
Inzwischen konnten die Reiseveranstalter über 100.000 deutsche Pauschaltouristen, die seit vergangenem Freitag wegen der Flugsperre im Ausland festgesessen haben, nach Deutschland zurückbringen. Wie der Deutsche Reiseverband mitteilte, warteten am Mittwochmorgen noch rund 20.000 Gäste auf ihre Rückreise - die meisten davon auf Fernstreckenzielen. Bis zum heutigen Abend werde der überwiegende Teil davon ebenfalls wieder in Deutschland gelandet sein.
Die Reiseveranstalter gehen wieder zum Tagesgeschäft über. So herrscht bei TUI bereits seit Mitternacht wieder Normalbetrieb, teilte das Unternehmen in Hannover mit. Rund 30.000 Gäste, die wegen der Sperrung des Luftraums nach dem Vulkanausbruch auf Island ihren Rückflug nicht planmäßig antreten konnten, seien inzwischen wieder nach Deutschland gebracht worden. Derzeit warteten noch weniger als 1000 gestrandete Urlauber auf ihre Rückreise, die mit Sonderflügen nach Hause geholt werden.
ICAO will Standard für Umgang mit Aschewolken erarbeiten
Nach Angaben von Eurocontrol können im Laufe des Mittwochs vermutlich die letzten Einschränkungen in Europa aufgehoben werden. Von den 28.000 geplanten Flügen würden 21.000 stattfinden, gab die Behörde bekannt. "Glücklicherweise hat sich die Lage erheblich verbessert", sagte der stellvertretende Betriebsleiter Brian Flynn. 75 Prozent des Luftverkehrs würden am Mittwoch gewährleistet.
Der Präsident der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO), Roberto Kobeh, erklärte, er halte den Luftraum über Europa für sicher. "Wenn ich fliegen müsste, würde ich es tun." ICAO-Generalsekretär Raymond Benjamin kündigte an, die Uno-Sonderorganisation wolle weltweit gültige Standards für den Umgang mit Vulkanaschewolken im Flugverkehr erarbeiten. Dazu werde ein Expertengremium eingesetzt, das festlegen soll, ab welcher Aschekonzentration eine Gefahr für die Triebwerke von Flugzeugen besteht.
Neue Vulkanasche aus Island droht offenbar nicht. Das Meteorologische Institut in Reykjavík teilte am Mittwochmorgen mit, dass der Vulkan unter dem Eyjafjalla-Gletscher wie am Vortag nur noch wenig Rauch mit Asche ausstößt. Die Rauchsäule erreiche nur noch eine Höhe von drei Kilometern. Zudem hätten sich die Winde am Eyjafjallajökull in Richtung Norden gedreht.
Die Rauchsäule, die den europäischen Luftverkehr behindert hatte, war von der Atlantikinsel in östlicher Richtung auf den europäischen Kontinent geweht worden und bis zu elf Kilometer hoch.
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Die 11 Britischen Fluggesellschaften wollen zusammen 1.5 Milliarden Pfund von der Britischen Regierung: http://www.telegraph.co.uk/news/7608722/Volcanic-ash-cloud-Met-Office-blamed-for-unnecessary-six-day-closure.html mehr...
Endlich zeigen die grossartigen Grosskonzerne Lufthansa und der Träger des Frankfurter Flughafens wie mies ihr Prozessmanagement ist: namlich einzigartig, mit einem berechtiigten Anspruch auf jahrzehntelangen [...] mehr...
Eine "Boing", soso. Das ist ja mal ne seriöse Nachricht. mehr...
danach hat der Pilot erklärt, dass einer der Motoren ausgefallen sei. Es ist noch zu früh zu spekulieren, aber offensichtlich hat eine der Turbinen Feuer gefangen. Asche als Ursache nicht ausgeschlossen. mehr...
Das Lufthansa-Management kritistiert alles und jeden. Die Politik ist zu zaghaft, die eigenen Piloten sowieso, der Wetterdienst zu langsam. Nur um die eigenen Passagiere, die in Übersee gestrandet sind, kümmert man sich nicht. [...] mehr...
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