Madrid - Die Wolke mit Vulkanasche aus Island hat sich am Dienstag von den Kanarischen Inseln in Richtung auf das spanische Festland verlagert. Wie der staatliche Rundfunk RNE berichtete, konnten die Flughäfen auf den Inseln Teneriffa und La Gomera sowie in der südspanischen Stadt Badajoz nach einer mehrstündigen Schließung wieder geöffnet werden. Auf den Kanaren blieb am Nachmittag allein der Airport von La Palma geschlossen. Auf dem spanischen Festland waren die Flughäfen von Sevilla und Jerez de la Frontera gesperrt.
In weiten Teilen des spanischen Luftraums blieb die am Vortag verhängte Sperre für die Höhen zwischen 20.000 und 35.000 Fuß (etwa 6100 bis 10.700 Meter) weiterhin in Kraft. Flüge unterhalb dieser Höhen blieben erlaubt. Die Einschränkung hatte nach Behördenangaben zur Folge, dass die Kapazität des Luftraums um etwa 25 Prozent reduziert wurde. In Madrid durften statt 46 nur noch 38 Maschinen pro Stunde landen.
In Portugal mussten die Flughäfen in Faro an der Algarve-Küste sowie auf den Inselgruppen von Madeira und den Azoren den Betrieb zeitweilig einstellen. In Marokko wurden fünf Flughäfen wegen der Aschewolke geschlossen. Betroffen waren die Flughäfen Casablanca, Rabat, Tanger, Tetuan und Essaouira. In der Türkei wurden Flüge westlich und südwestlich von Istanbul vorübergehend ausgesetzt, außerdem galt ein Flugverbot über Thrakien und den Dardanellen. Der Flughafen von Istanbul blieb aber geöffnet.
TUI sagt Madeira-Reisen ab
In Spanien und Portugal betrafen die Flugstreichungen auch Dutzende Verbindungen von Urlaubern. Der größte deutsche Reiseveranstalter TUI empfahl Reisenden zur Iberischen Halbinsel, planmäßig am Flughafen zu erscheinen, sich aber auf deutliche Verspätungen einzustellen. Bei langfristigen Flugverspätungen oder Streichungen würden Kunden frühzeitig kontaktiert. Reisende sollten sich an ihr Reisebüro oder an die Kunden-Hotline 0511-567 8000 wenden.
Wie TUI am Nachmittag mitteilte, würden für Dienstag sämtliche Reisen auf die portugiesische Insel Madeira abgesagt. Der Reisepreis werde im vollen Umfang erstattet. Bei anderen Zielen könne sich die Situation aber stündlich ändern, deshalb sollten Reisende mit Buchungen auf jeden Fall ihre Reise antreten.
Auch der Reiseveranstalter Dertour und Meier's Weltreisen riet seinen Gästen planmäßig anzureisen, sich aber auf Verspätungen einzustellen. Die derzeitigen Beeinträchtigungen seien jedoch nicht zu vergleichen mit den Einschränkungen im April, sagte Sprecherin Angela De Sando. Es gebe viel weniger Stornierungen, die meisten Airlines würden fliegen. De Sando empfahl Reisenden, sich unter der Kunden-Hotline 069-95882770 sowie auf den Internetseiten der Fluggesellschaften über die aktuellen Flugpläne informieren.
Deutschland bleibt voraussichtlich verschont
In Deutschland gab es nach übereinstimmenden Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) und des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zunächst keinen Grund, Lufträume zu sperren. Über mögliche Sperren am Mittwoch werde erst am Morgen entschieden, sagte eine DFS-Sprecherin. Angaben des DWD zufolge bleibt Deutschland bis Ende der Woche von der Aschewolke verschont. "Die Aschekonzentration ist nicht so hoch, dass sie die Deutsche Flugsicherung zwingen könnte, Lufträume über Deutschland zu sperren", sagte ein Sprecher.
Die Europäische Flugsicherheitsorganisation Eurocontrol erwartete am Dienstag etwa 29.000 Flüge. "Das ist nahe dran an der Normalität für einen Dienstag zu dieser Jahreszeit", meldete Eurocontrol in Brüssel. Am Nachmittag werde eine Aschewolke über die Iberische Halbinsel und den Süden von Frankreich ziehen. Da diese Wolke sich aber in großer Höhe bewege, behindere sie nicht den Flugverkehr.
Im April hatte eine Aschewolke fast den gesamten europäischen Luftverkehr rund eine Woche lang lahmgelegt. Die Schließung von Hunderten Flughäfen hatte ein beispielloses Chaos ausgelöst, mehr als acht Millionen Reisende saßen fest. In Deutschland war der Luftraum für viereinhalb Tage ganz oder teilweise gesperrt. Allein hierzulande fielen rund 40.000 Flüge aus.
Zuletzt hatte isländische Vulkanasche den europäischen Flugverkehr am vergangenen Sonntag behindert. Betroffen waren auch Airports in Süddeutschland. Unter anderem stellten München und Stuttgart kurzzeitig den Betrieb ein.
abl/dpa/AFP/apn
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