In der Luft üben die Piloten bis dahin noch öfter. Auf dem Vorfeld ist dies der einzige Test für eine komplette Abfertigung. Nicht mehr als 165 Minuten soll es dauern, bis eine gelandete Lufthansa-A380 in Frankfurt am Main wieder in der Luft ist - denn nur dort verdient ein Flugzeug Geld. Die A380 soll damit nicht länger parken als ein Jumbo vom Typ Boeing 747, obwohl sie 60 Prozent mehr Gepäck und Passagiere an Bord hat.
"Es ist, als würden wir eine 747 und einen Airbus 340 zusammen abfertigen", sagt der Frankfurter Lufthansa-Stationsleiter, Andreas Döpper. "Bei der Generalprobe testen wir erstmals das Zusammenspiel aller." Vom Kofferschlepper bis zum Piloten beschäftigt das 250 Mitarbeiter. Test-Chefin Ulrike Flake-Bauer schickt am Donnerstagnachmittag, zehn Tage vor dem ersten Langstreckenflug, zudem über 500 Statisten als Passagiere Richtung Gate C16 zur A380.
Für den Putztrupp wird Abfall verteilt
Sie haben echte Bordkarten für Flug 1802. Bei der Sicherheitskontrolle warten sie zwischen gewöhnlichen Reisenden. Einige sitzen im Rollstuhl, manche verspäten sich.
Flake-Bauer hat ein Stück Flughafenalltag inszeniert. Damit vor dem Boarding der 24-köpfige Putztrupp proben kann, wurde eigens Abfall in der Kabine verteilt. Auf dem Vorfeld mühen sich später Arbeiter um 800 Koffer. Nur die erste Klasse bleibt leer. Deren Polster schont die Lufthansa selbst bei der Generalprobe. Sonst wird Flug 1802 gemanagt, als hebe er ab.
Am Check-in heißt es: "Wir wünschen einen guten Flug." An Bord werden zum Start die Sitze aufrechtgestellt - auch wenn die aus ihrer Wartungshalle hergerollte A380 nur 20 Meter vom Terminal weg und wieder zurückgeschoben wird. Test ist Test. "Willkommen auf einem der kürzesten Lufthansa-Flüge aller Zeiten", witzelt Kapitän Meyerdierks auf Flughöhe null.
Stewardess Annette Balkhausen nutzt die Generalprobe am Boden mit Blick auf kommende Aufgaben. "Wir fliegen nächste Woche die Nationalmannschaft nach Südafrika. Da ist es schon wichtig, das alles mal zu probieren", sagt sie. Es geht auch um Details. "Zum Beispiel sind hier die Kaffeemaschinen anders zu bedienen", stellt Balkhausen fest. Die Statisten, Mitarbeiter von Lufthansa und anderen Firmen am Flughafen, testen die Bordunterhaltung - bis Kapitän Meyerdierks erklärt, man sei wieder zum Aussteigen bereit.
Bis zum Start Richtung Südafrika am 6. Juni kann die Lufthansa jetzt noch an jenen Tücken arbeiten, die der Test offenbarte: Ein Sicherheitscheck verzögerte sich, das Bewegen der Fluggastbrücken machte Probleme. Doch Stationsleiter Döpper ist am Abend zufrieden. Flug LH 1802 war pünktlich. Kapitän Meyerdierks sagt: "Das ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Linienverkehr."
Frank van Bebber, dpa
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