Hannover/Berlin - Hohe Temperaturen, defekte Klimaanlagen und das schwere Unwetter in Nordrhein-Westfalen bereiteten der Bahn am Montag noch massivere Probleme als bisher bekannt. Auf dem hannoverschen Hauptbahnhof musste das Technische Hilfswerk (THW) zu Hilfe eilen und Tausende überhitzte und im Verkehrschaos gestrandete Reisende mit Wasser versorgen. Wie der THW-Ortsverband am Dienstag in Hannover mitteilte, hatte ein Notfallmanager der Bahn das Hilfswerk um den Einsatz gebeten.
Die Fachgruppe Logistik transportierte am Montagnachmittag in kurzer Zeit acht Paletten mit rund 4000 Wasserflaschen zum Bahnhof und blieb dort bis zum späten Abend als Verteilerorganisation im Einsatz. Mit Wasser versorgt habe man unter anderem 400 Reisende eines ICE aus Berlin, der wegen einer defekten Klimaanlage in Hannover aus dem Verkehr genommen worden sei, sagte der THW-Ortsgruppenbeauftragte Ewald Nagel.
Sehr viele Reisende hätten zudem wegen der Beeinträchtigung des Bahnverkehrs durch die schweren Unwetter in Nordrhein-Westfalen und im westlichen Niedersachsen in Hannover festgesessen.
Politiker fordern Entschädigung
Nach den Klimaanlagen-Problemen in Fernzügen dringt die Politik auf Entschädigungen für hitzegeplagte Fahrgäste. Die Versprechen der Deutschen Bahn dürften keine Phrasen bleiben, sagte der Vorsitzende des Bundestags-Verbraucherschutzausschusses, Hans-Michael Goldmann (FDP). Den Betroffenen stehe eine baldige Entschädigung dringend zu.
SPD-Fraktionsvize Florian Pronold rief den bundeseigenen Konzern auf, nicht an der falschen Stelle zu sparen. Notsituationen erforderten ein zuverlässiges Notfallmanagement, sagte er "Handelsblatt Online".
Der Verkehrspolitiker Winfried Hermann von den Grünen machte in der "Neuen Presse" Hannover die Sparpolitik der Bahn vor dem angestrebten Börsengang für die Probleme verantwortlich. "Da hat man über Jahre hinweg an den laufenden Ausgaben gespart, damit man eine schöne Börsenbilanz bekommt." Allerdings seien viele Investitionen nicht getätigt und auch bei der Wartung sei gespart worden, kritisierte der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag. Bezahlen müssten das am Ende die Kunden.
Unter Experten sei schon lange bekannt, "dass die Technik der ICE-II-Züge nicht mehr die beste ist, dass sie dringend modernisiert werden müsste, gerade auch die Klimaanlagen", sagte Hermann. Er forderte die Deutsche Bahn auf, einen Plan B für solche Situationen zu erarbeiten. Es dürfe nicht mehr vorkommen, "dass Gäste in völlig überfüllten und überhitzen Zügen sitzen, ohne dass sie herauskommen".
Bahnchef Rüdiger Grube sicherte lückenlose Klärung zu. "Wir nehmen die Ereignisse der letzten Tage sehr ernst." Der Konzern prüft nun, warum sich die Klimaanlagen in den drei ICE am Samstag abgeschaltet hatten. Dies kann der Fall sein, wenn das Kältemittel eine bestimmte Temperatur überschreitet oder der Druck im Kühlsystem zu hoch wird, wie ein Sprecher erläuterte.
In einem überhitzten ICE, der stoppen musste, waren mehrere Schüler zusammengebrochen. Auch am Montag gab es bei Fernzügen bundesweit Schwierigkeiten mit einigen zu heißen Waggons. SPIEGEL-ONLINE-Leser berichten zudem über defekte Klimaanlagen in allen Zugtypen.
Pro Bahn: "Ergebnis der Politik der Regierungen Kohl, Schröder und Merkel"
Inzwischen hat der Fahrgastverband Pro Bahn Berichte über den Ausfall von Klimaanlagen in allen ICE-Baureihen gesammelt. "Wir hatten am Montag viele Eingaben von Fahrgästen, die über konkrete Vorfälle in allen Baureihen und Zuggattungen berichten", erklärt der Rechtsexperte des Verbraucherverbandes, Rainer Engel. "Schwerpunkt ist allerdings die zweite Bauserie, die kurz vor einer Generalrevision steht. Es handelt sich eindeutig um ein Systemproblem." Eine statistische Auswertung der Beschwerden habe der Verband aber noch nicht vorgenommen, sagte Engel SPIEGEL ONLINE.
Der Verband stellte sich vor das Unternehmen und hält Kritik aus der Politik an der Deutschen Bahn für unseriös. "Wenn die Bahn an der Wartung und an der Ausstattung der ICE-Züge mit besserer Technik spart, dann ist das das Ergebnis der Politik der Regierungen Kohl, Schröder und Merkel", behauptete Engel. Die Bahn müsse, anders als Fluggesellschaften, Mehrwertsteuer auf ihre Ticketverkäufe abführen und dazu noch für die Benutzung des Schienennetzes zahlen. Fernbusse hätten diese Belastung, etwa durch eine Autobahnmaut, nicht.
Bahn-Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg stellte eine rasche Bearbeitung von Kundenbeschwerden in Aussicht. Für betroffene Fahrgäste habe die Bahn als zentrale Anlaufstelle die E-Mail-Adresse hitzewelle@deutschebahn.com eingerichtet.
abl/dpa/AFP
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Meine ERrfahrungen mit der Bahn sind gut. Aber scheinbar versuchen jetzt Politiker, sich an dem Problem hochzuangeln. Das Kuehlsystem der Bahn ist auf "normale" Tempaturen in unseren Breitengraden ausgelegt. Auf [...] mehr...
Die Bahn hatte schon wieder ein größeres Problem? Ist an mir vorübergegangen. Aber auch egal - dass da fortlaufend Probleme sind, wissen wir ja alle schon. mehr...
nichts mehr los hier? am WE viel doch wieder die Klima im Tunnel vor Stuttgart aus und das Abendland ging nicht unter? :LOL mehr...
Der Abbruch des Themas ist wohl tatsächlich das Beste, weil es keinen Sinn macht, sich auf Nebenschauplätzen zu tummeln. Es ist aber symptomatisch für die Strukturprobleme unseres Verkehrswesens, wie sich Verantwortliche [...] mehr...
Glauben sie mir: Mein Blutdruck und auch mein Adrenalinspiegel sind vollkommen in Ordnung. Sie werden mir hoffentlich gestatten, zu Pauschalanwürfen Ihrerseits weiterhin Fragen zu stellen. Warum sollte mir wat wundern? Ich [...] mehr...
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