Sonntag, 5. September 2010

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30.07.2010
 

Griechenland

Zehntausende Touristen sitzen wegen Spritmangel fest

Lange Warteschlangen an den wenigen Tankstellen mit Benzin: In Griechenland spitzt sich die Lage wegen der Streiks weiter zu, Zehntausende Touristen sitzen fest. Die Tourismusverbände richteten jetzt einen verzweifelten Appell an die Regierung - und drohen, ebenfalls die Arbeit niederzulegen.

Athen - In fast allen Landesteilen Griechenlands kommt es wegen eines Streiks zunehmend zu Engpässen vor allem beim Treibstoff. Zehntausende Touristen harrten in Hotels und auf Campingplätzen aus, weil es keinen Sprit für ihre Autos gab. An den wenigen Tankstellen, die noch Benzin und Diesel verkauften, bildeten sich lange Warteschlangen. In einigen Stadtteilen Athens gab es in den Supermärkten kaum noch Obst und Gemüse. Ursache der Engpässe ist ein am Montag begonnener Streik griechischer Tank- und Lastwagenfahrer.

Reiseagenturen riefen die Regierung auf, sofort etwas zu unternehmen, andernfalls werde der Tourismus zusammenbrechen. Einige Fähren stellten den Verkehr wegen Treibstoffmangels ein. Tausende Touristen haben Medienberichten zufolge bereits ihre Reisen storniert, weil sie Angst haben, mit dem Auto steckenzubleiben. Auf Kreta hätten mehr als 200 Touristen ihre Mietfahrzeuge einfach stehengelassen, weil sie keinen Sprit mehr bekamen. Besucher, die aus Nachbarländern per Auto anreisen, wurden dazu aufgerufen, sich beispielsweise in Mazedonien reichlich mit Benzin zu versorgen.

In einem emotionalen Appell riefen die Verbände der drei größten griechischen Touristeninseln Kreta, Korfu und Rhodos die Regierung auf, dringend etwas zu unternehmen: "Wenn diese Situation weitere 24 Stunden anhält, werden wir unsere Arbeit einstellen. Wir gehen in Richtung eines Bankrotts. Es ist der Gnadenschuss (für den Tourismus)", hieß es in der Erklärung der Verbände. Auch die Industrie litt zunehmend unter den Engpässen.

Am Freitagnachmittag entschieden die Gewerkschaften der Tank- und Lastwagenbesitzer, den Streik auch weiter fortzusetzen - obwohl die Regierung bereits am Donnerstag ein Verfahren in Gang gesetzt hatte, um die Fahrer wieder zum Dienst zu verpflichten.

Die Eigentümer und Fahrer der rund 30.000 Tank- und Lastwagen Griechenlands protestieren gegen die von der Europäischen Union (EU) verordnete sogenannte Öffnung geschlossener Berufe. Eine Lizenz für einen Last- oder Tankwagen kostet in Griechenland je nach Größe des Wagens bis zu 300.000 Euro. Lizenzen sind seit fast 40 Jahren in Griechenland nicht mehr ausgegeben worden. Aus diesem Grund steigt ihr Wert immer mehr. Dies soll nach einem Gesetzesentwurf in den nächsten drei Jahren stufenweise durch die Ausgabe neuer Lizenzen geändert werden.

Wut bei den Touristen

Leidtragende der Auseinandersetzung sind die Touristen. "Es ist, als ob Euer Land finanziellen Selbstmord begehen will", schimpfte ein österreichischer Urlauber. Der Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftsbereich Griechenlands. Das Land braucht die Urlauber mehr denn je, schließlich steht es mit etwa 300 Milliarden Euro in der Kreide. Die Schuldenkrise hinterlässt bereits Spuren. "Mindestens zehn Prozent weniger Einnahmen", heißt es bei Hoteliers in Athen. Der Fahrerausstand könnte alles noch verschlimmern.

"Die Leute haben einfach die Mietwagen stehenlassen und uns die Schlüssel auf dem Tisch geworfen", erzählt Dimitris Siamis, Hotelangestellter auf der Insel Rhodos. Auf der Insel gibt es seit Dienstag kein Benzin mehr. Besonders gebeutelt sind die Familien, die mit Wohnmobilen das Land erkunden wollen. Kein Sprit - keine Rundreise: Viele Wohnmobilfahrer suchten kurzentschlossen Campingplätze auf und sitzen dort nun fest.

Andere Urlauber können ihre Rückreise nach Hause nicht antreten, weil Busse und Taxis wegen Benzinmangels nicht zum Flughafen fahren können. "Ich weiß nicht, wie ich den Leuten helfen soll. Ich habe selbst keinen Sprit mehr", berichtet ein Campingplatzbesitzer nahe der Hafenstadt Volos. Hunderte Reisende stornierten gar ihren Urlaub in Griechenland wegen der sich zuspitzenden Versorgungslage. "Wir werden bald kein Frühstück mehr machen können", klagt ein Hotelier auf der abgelegenen Insel Nisyros im Radio.

Weniger Probleme für Pauschalreisende

Pauschalurlauber in Griechenland müssen dagegen nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes (DRV) noch nicht mit größeren Einschränkungen rechnen. "Bislang finden alle Ausflüge weiter statt", sagte Sibylle Zeuch vom DRV. Auch müssten Pauschalreisende keine Angst haben, dass sie wegen des fehlenden Treibstoffs nicht mehr vom Hotel zum Flughafen kommen. "Die Transfers laufen nach derzeitigem Stand ganz normal." Die Partner der Veranstalter hätten noch genug Spritreserven. Ihr sei kein Fall bekannt, in dem Urlauber aufgrund der aktuellen Treibstoffprobleme im Hotel festsaßen und nicht wie geplant abreisen konnten.

Wer seine Griechenlandreise in den kommenden Tagen antreten will, sollte sich aber beim Veranstalter erkundigen, ob Ausflüge oder Bustransfers wie gebucht angeboten werden können, rät Zeuch. Denn derzeit sei nicht absehbar, wie sich Situation wird. Bislang gebe es aber keine Angebote von Veranstaltern, gebuchte Reisen in das Land kostenlos umzubuchen oder zu stornieren.

"Wir sehen dazu keine Veranlassung, weil wir nach wie vor in der Lage sind, alle Leistungen weiter anzubieten", sagte Mathias Brandes von Thomas Cook in Frankfurt am Main. Vermehrte Umbuchungen oder Stornierungen verzeichnen die Reiseveranstalter momentan noch nicht.

"Weder aus den Reisebüros noch von Kunden haben wir bislang solche Anfragen", sagte Romana Voet von der TUI in Hannover. Auch bei Thomas Cook, zu dem auch der Veranstalter Neckermann gehört, seien Reiserücktritte wegen der aktuellen Lage bislang ausgeblieben. "Bis jetzt stellen wir da nichts fest", sagt Brandes.

TUI-Gäste müssten derzeit nicht fürchten, dass wegen des Spritmangels Bustouren ausfallen oder sie nicht mehr zum Flughafen gebracht werden können. "Alle Ausflüge und alle Transfers finden ganz normal statt", sagte Voet. Engpässe bei der Versorgung mit Obst und Gemüse beträfen Urlauber des Veranstalters ebenfalls nicht. "Die Versorgung mit Essen ist weiterhin gewährleistet."

Schwierigkeiten gebe es allerdings, wenn Pauschalreisende einen Mietwagen am Urlaubsort buchen wollten, fügt Brandes hinzu. Auch Individualurlauber müssen laut DRV-Sprecherin Zeuch mit Problemen rechnen, wenn zum Beispiel beim "Insel-Hopping" eine Fähre ausfällt und sie dadurch von einer Insel nicht mehr wegkommen.

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