Lambrecht - Der Triebwagen des ICE sah aus, als wäre er von einem riesigen Messer aufgeschlitzt worden: Beim Zusammenstoß eines Zuges mit einem auf die Gleise gestürzten Müllwagen sind 15 Menschen verletzt worden. Der Unfall ereignete sich bei Lambrecht im rheinland-pfälzischen Kreis Bad Dürkheim. Dabei entgleisten zwei Waggons und es entstand ein hoher Sachschaden, wie die Deutsche Bahn am Dienstag in Frankfurt am Main mitteilte.
Laut Bundespolizei wurden der Fahrer des Müllwagens schwer und 14 weitere Personen leicht verletzt. Der 35-jährige Schwerverletzte musste mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik gebracht werden. Unter den Verletzten befanden sich auch zwei Mitarbeiter der Deutschen Bahn sowie ein britischer Fahrgast.
Der Fahrer des ICE hatte nach Angaben der Bundespolizei noch eine Schnellbremsung einleiten können. Dennoch knallte es heftig. Der Müllwagen wurde von dem Schnellzug ein Stück mitgeschleift. Zwischen Triebwagen und Waggon steckte während der Bergungsarbeiten noch ein abgerissenes Teil des Müllwagens. Auf der kompletten Länge klaffte im Triebwagen ein etwa 20 Zentimeter breites Loch in der Seitenwand.
Der ICE 9556 war auf dem Weg von Frankfurt nach Paris gewesen. Die Bahnstrecke von Mannheim nach Saarbrücken wurde nach Angaben der Deutschen Bahn auf dem Abschnitt zwischen Neustadt an der Weinstraße und Weidenthal voll gesperrt. Ab Mittwochmittag sollte sie wieder eingleisig befahrbar sein. Für die betroffene Strecke wurde ein Notverkehr mit Bussen und Taxen eingerichtet. Der ICE-Verkehr zwischen Frankfurt und Paris wurde über Straßburg umgeleitet. "Dadurch entstehen Verspätungen von rund 30 bis 40 Minuten", sagte ein Bahn-Sprecher. Der ICE sollte mit Hilfe eines Spezialkrans am Dienstagabend wieder ins Gleis gehoben und der Mülltransporter geborgen werden.
Nach Angaben einer Polizeisprecherin ereignete sich der Unfall an einer Stelle, wo parallel und oberhalb zur ICE-Strecke ein Weg verläuft. Auf diesem habe der Mülltransporter einem anderen Fahrzeug ausweichen wollen, sei dabei auf eine unbefestigte Böschung geraten, umgekippt und im Gleisbereich liegengeblieben.
Der ICE mit rund 320 Reisenden, zu denen neben Deutschen auch Briten, Chinesen und US-Amerikaner gehörten, habe nicht mehr rechtzeitig bremsen können und sei in den Müllwagen gefahren. Daraufhin seien der Triebwagen des ICE und ein weiterer Wagen entgleist. Die Ermittlungen zur genauen Ursache wurden aufgenommen. Der Unfall ereignete sich gegen 10.15 Uhr.
Anwohner hatten am Morgen gemerkt, dass etwas nicht stimmte. "Ich habe gehört, wie es laut gerumpelt hat, und dann gab es ganz laute Bremsgeräusche. Dann hat unser Haus richtig vibriert", sagt eine Frau, die zehn Meter neben der Zugstrecke wohnt. Sie sei nach draußen gerannt und habe sofort die Polizei angerufen.
Die Straße ist schmal und schlecht gesichert
Die Straße, von der der Müllwagen gestürzt war, ist sehr schmal und ähnelt eher einem Radweg. Sie liegt etwas höher als die Bahnstrecke, eine Abgrenzung wie zum Beispiel Leitplanken gibt es an der Unfallstelle nicht.
Nach Angaben von Anwohnern kann die Müllabfuhr nur über diese Straße die Häuser hier erreichen, weil die reguläre Unterführung an der Zufahrt zu der Siedlung zu eng für das Fahrzeug ist. In den neunziger Jahren war nach Aussage von Anwohnern hier schon einmal ein Fahrzeug auf die Gleise gestürzt, damals ging der Unfall aber glimpflicher aus.
sto/dpa/Reuters/apn
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