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07.09.2010
 

Flugsteuer

Buchen in der Grauzone

Startendes Flugzeug in Düsseldorf: Der Fiskus verdient ab 2011 kräftig mit bei FlugreisenZur Großansicht
ddp

Startendes Flugzeug in Düsseldorf: Der Fiskus verdient ab 2011 kräftig mit bei Flugreisen

Flugreisen ab Deutschland werden ab 2011 teurer, so viel steht fest. Die neue Steuer sorgt in der Reisebranche und bei Kunden für Verärgerung - auch weil die Umstellung sehr plötzlich kam. Zwei große Veranstalter schlagen nun sogar noch zusätzliche Gebühren drauf.

Hannover/Frankfurt/Berlin - Die neue Abgabe auf Flugtickets sorgt für Unruhe in der Reisebranche. Einige Fluggesellschaften wie die Lufthansa erheben die neue Steuer bereits. Auch Pauschalreisen könnten teurer werden. Der Deutsche Reiseverband (DRV) sieht erhebliche Probleme. Denn bislang gibt es nur eine Gesetzesinitiative, die aber schon seit dem Kabinettsbeschluss am 1. September gelten soll. Damit wollte die Bundesregierung verhindern, dass Frühbucher die Steuer vermeiden können.

Der größte deutsche Reiseveranstalter TUI stellte am Dienstag klar, dass er für Flugreisen im kommenden Jahr ab sofort zur Kasse bittet. Andere Veranstalter prüfen noch, ob und in welcher Höhe die Abgabe berechnet werden soll.

Bei TUI müssen Reisende je nach Länge des Fluges 10, 28 oder 50 Euro zahlen. Das ist sogar mehr als in dem vom Kabinett beschlossenen Entwurf vorgesehen. Danach sollten bei Inlandsflüge und europäischen Kurzstrecken 8 Euro, bei Mittelstreckenzielen 25 und für Fernreisen 45 Euro zusätzlich an den Fiskus abgeführt werden. TUI begründete die höheren Beträge mit Kosten für Verwaltungsumstellung und Provisionen für die Reisebüros. Zudem ist für inländische Flüge die Mehrwertsteuer auch auf die Ticketabgabe zu zahlen.

Auch Europas zweitgrößter Reiseveranstalter Thomas Cook entschied, ab sofort in Deutschland die Steuern und Mehrkosten umzulegen. Hier werden Tickets für die Nahstrecke mit neun Euro belastet, für die Mittel- und Fernstrecke werden wie bei TUI 28 oder 50 Euro fällig.


Betroffen sind Veranstalter wie Neckermann Reisen, Thomas Cook Reisen oder auch Bucher Last Minute. Beim Reiseanbieter Dertour hieß es, die Umsetzung werde noch geprüft.

Verunsicherung der Kunden

"Die Branche soll die Steuer erheben, ohne dass es bereits Gesetz ist", klagt DRV-Sprecher Torsten Schäfer. "Wir haben so eine Situation noch nie gehabt." Vieles sei noch unklar und manche Fluggesellschaft habe sich vorbehalten, die Steuer nachträglich zu erheben. Buchen in einer solchen Grauzone führe zur Verunsicherung der Kunden. "Es ist vom Gesetzgeber nicht nachgedacht worden, wie das praktisch umzusetzen ist."

Bei Lufthansa werden die Steuern seit Samstag für Tickets ab Jahresbeginn 2011 eingepreist. "Wir sind dazu gezwungen, das so schnell wie möglich umzusetzen", sagte ein Sprecher. Unklar sei, ob die Steuer bei zuvor gekauften Tickets nachgefordert werden soll. Das werde noch geprüft. An ihren 99-Euro-Tickets inklusive aller Steuern und Gebühren will Lufthansa aber auch kommendes Jahr festhalten.

Nationale Alleingänge mit derartigen Steuern seien "absolut unstimmig", sagte der Sprecher und verwies auf negative Erfahrungen in den Niederlanden, wo die Steuer zu einem Milliarden-Umsatzverlust vor allem bei den Airlines und der Streichung tausender Jobs geführt habe.

Das Vorgehen der Lufthansa als größter deutscher Airline hat auch Auswirkungen auf andere Fluggesellschaften. Denn Lufthansa hatte die neue Abgabe der internationalen Luftfahrtorganisation IATA gemeldet, die sie dann für alle Flüge ab Deutschland in die Buchungssysteme einstellt. Damit gilt die Steuer auch für Tickets aller anderen Airlines, sofern diese keinen anderen Antrag bei der IATA stellen und die Tickets über die großen Buchungssysteme gekauft werden.

Weichen Passagiere in Nachbarländer aus?

Beim Ferienflieger Condor zum Beispiel wird die Steuer daher eingerechnet, sofern Tickets im Reisebüro über große Buchungssysteme wie zum Beispiel Amadeus gekauft werden. Tickets bei Condor-Agenturen oder auf dem Online-Portal der Airline sind dagegen noch zum alten Preis zu erhalten.

Der Airline-Verband Barig berichtete von Problemen der Airlines bei der Umstellung der Buchungssysteme wegen der kurzen Frist, die von der Bundesregierung gesetzt worden sei. "Es herrscht großer Unmut", sagte Generalsekretär Martin Gaebges in Frankfurt. Der Verband von derzeit 103 Airlines rechnet mit weniger Fluggästen von den deutschen Flughäfen. Vor allem in den Grenzregionen werde es Ausweichbewegungen auf Flughäfen in nahe Nachbarstaaten geben. Besonders in Nordrhein-Westfalen gebe es zahlreiche Alternativen für die Passagiere.

Verwerfungen werde es auch auf den Langstrecken geben, sagte Gaebges. So könnten Reisende zum Beispiel Steuern sparen, wenn sie von Hamburg über London in die USA reisen statt über Frankfurt. Die Erfahrungen mit der schnell wieder eingestellten Steuer in den Niederlanden habe die verheerenden Folgen einer national begrenzten Abgabe gezeigt, sagte Gaebges. "Europa ist aus der Sicht der Langstreckengesellschaften sehr klein. Die Wahl eines anderen Zielflughafens bedeutet nur wenige Minuten Unterschied, so dass die Unternehmen andere Schwerpunkte setzen werden. Das Wachstum geht dann halt nach Amsterdam, Paris, London oder Madrid."

Eva Tasche, Christian Ebner und Rochus Görgen, dpa

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insgesamt 7 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
08.09.2010 von Hans58: Kein Titel

Für die Lärmemission ist ja bereits eine Gebühr bei Start und Landung an allen deutschen und vielen ausl. Flugplätzen seit Jahren fällig. Was die Versteuerung von Kerosin betrifft, wurde in dem Parallelforum schon einiges [...] mehr...

08.09.2010 von Hans58: Kein Titel

Auch ausl. Fluggesellschaften müssen die Luftverkehrssteuer entrichten, wenn sie in Deutschland starten...und es starten nicht wenige ausl. Airlines in D. mehr...

08.09.2010 von Navitrolla: viel zu kompliziert ...

Und ich frage mich, warum nicht einfach eine Abgabe auf Kerosin und ggf Lärm-Emissionen je Start & Landung erhoben worden ist? Hat man Angst, die Flieger könnten umweltfreundlicher werden und somit die Steuer versiegen? mehr...

08.09.2010 von VIXUN: ...

@ Bananenfan: Und was ist mit allen, die nicht aus FRA oder MUC (selten auch DUS) direkt fliegen können? Wenn ich eh erst mit Hansa oder Air Berlin zum HUB fliegen muss, kann ich auch den Weg übers Ausland nehmen. Klar, LHR und [...] mehr...

08.09.2010 von HabeFertig: Die Rechnung ohne den Wirt gemacht...

Sie ware wohl schon lange nicht mehr in Frankfurt; Baustellen und Dreck uberall; das Billigjobber-Personal in solch schlechter Laune das man sich wirklich nur noch wundern kann. Das gibt es zwar auch in LHR und CDG aber das FRA [...] mehr...

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