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10.09.2010
 

Wellenreiten in Frankreich

Bereit zum Take-off

Von Stéphanie Souron

Wellenreiten-Kurs: Wie Steaks in der Luft
Fotos
AFP

Sie gleiten durch Wassertunnels, schweben scheinbar mühelos über das kühle Nass - bei Könnern sieht Wellenreiten extrem verspielt und einfach aus. Doch ein Anfängerkurs in Frankreich beweist: Wer das Meer beherrschen will, muss erst mal jede Menge Salzwasser schlucken.

Das Abenteuer Wellenreiten beginnt mit einer Kuhle am Strand, zwei Sandhaufen daneben und zehn Menschen, die davor auf die Knie fallen. Die Kuhle und die Sandhaufen sind ein Modell dessen, was das Meer ein paar Meter entfernt geformt hat: "Die Kuhle ist das Wasserbecken, die Sandhaufen sind die Sandbank", erklärt Patrice, der Surflehrer.

Patrice hat schmale Beine und einen Oberkörper wie ein Wandschrank. Das Meer hat die Farbe aus seinen Haaren gewaschen, der Sport hat aus seinem Körper eine weitgehend fettfreie Zone gemacht. Der 35-Jährige sitzt am Strand von Lacanau, einem kleinen Ort am französischen Atlantik, und erklärt mit Hilfe der Kuhle und der Sandhaufen die Gezeiten, Wellen und Strömungen an diesem Strandabschnitt. Er nennt es "das Basiswissen", aber in Wirklichkeit geht es um das große Ganze. Und die zehn Anfänger vor ihm begreifen schnell: Wer je das Meer mit einem Brett unter den Füßen bezwingen will, muss vor allem eines lernen: Demut.

Denn der Atlantik rollt in zwei Meter hohen Wellen heran. Und jedes Mal, wenn eine Riesenwalze auf den Sandstreifen vor Lacanau kracht, hört es sich an, als würde auf dem Meer eine Massenkarambolage stattfinden. Danach hat sich der Atlantik ausgetobt: Es schäumt wie im Whirlpool, und weißes Blubberwasser schiebt sich Richtung Strand. Patrice erklärt geduldig, wie man sich mit seinem Board die Kraft des Atlantiks zunutze machen kann. Dann mustert er seine Novizen in den schwarzen Neoprenanzügen, schaut aufs Meer hinaus und sagt mit einem vieldeutigen Grinsen: "Es werden heute einige Steaks durch die Luft fliegen."

Auf den Wellen schweben

Die zehn Schüler hocken am Strand auf ihren Übungsboards aus blauem und gelbem Schaumstoff. Sie sind zwischen 25 und 38 Jahre alt, arbeiten im Marketing und als Mathelehrer, als Friseur und Informatiker. Aber hier wollen sie alle das Gleiche: Wellenreiten lernen, die Königsdisziplin des Wassersports. Denn wer es kann, beherrscht das Meer. Bei den Könnern sieht es aus, als würden sie auf den Wellen schweben. Sie gleiten elegant durch hundert Meter lange Wellentunnels, und just bevor über ihnen das Wasser zusammenstürzt, katapultieren sie sich in die Luft. Lässiger kann man sich kaum an den Strand spülen lassen.

Einige dieser Top-Sportler kommen regelmäßig hierher, an der Atlantikküste finden immer wieder Weltcups statt. Die beliebtesten Spots heißen Hossegor, Biarritz und Lacanau. Dort wuchteten die Profis auch diesen Sommer wieder ihre Bretter akrobatisch in die Höhe - auf den gleichen Wellen, auf denen jetzt die zehn Anfänger Halt suchen werden.

Deren Problem ist erstmal, dass man ziemlich lange üben muss, bis man auf dem Ding auch nur geradeaus fahren kann. "Nach drei Tagen stehst du zum ersten Mal auf dem Brett. Nach einer Woche fährst du zehn Meter", prophezeit Patrice. "Und nach drei Wochen schaffst du es vielleicht zum ersten Mal zum Line-up - der Linie, auf der die Wellen brechen." Die Gruppe nickt ehrfürchtig. Dann steckt der Surflehrer noch mal die Grenzen für die Anfänger ab. Sie enden, grob gesagt, im hüfttiefen Wasser.

"Dann mal rein in die Badewanne. Eine Runde Bodysurfen für alle!", ruft Patrice. Bodysurfen ist eine Vorübung, man benutzt den Körper als Brett, und wer sich im richtigen Zeitpunkt in die Wellen wirft und dabei steif macht wie eine Planke, kommt erstaunlich weit. Vor allem aber macht man beim Bodysurfen Bekanntschaft mit dem französischen Atlantik: Er ist wild. Er ist salzig. Und er ist selbst im Hochsommer verdammt frisch.

Abtauchen für Anfänger

Patrice ist schon an so ziemlich jedem Spot der Welt gesurft. In Australien hat ihn eine Riesenwelle fast ins Jenseits befördert, in Neuseeland war es ein Korallenriff. Wenn er nicht gerade Touristen das Surfen beibringt, arbeitet er für eine Schuhfirma in Paris. "Haltet das Board niemals gerade vor Euch, die Wellen hauen Euch sonst um", gibt er noch mit auf den Weg.

In der Tat: Die Wucht des Wassers ist nicht zu unterschätzen - selbst wenn man noch Boden unter den Füßen hat. Antoine, der Grundschullehrer, geht schon nach ein paar Metern in die Knie. Laurent, den Frisör, erwischt eine Welle von vorne, sein Bord flattert durch die Luft, er selbst taucht ab in die Fluten. Als seine dunklen Locken wieder aus dem Meer auftauchen, spuckt er erst mal ordentlich Salzwasser. Den anderen ergeht es kaum besser.

Nur Boris, der Informatiker, hat den Dreh schnell raus. Das Board aufs Wasser legen, die Spitze Richtung Strand ausrichten, auf die Welle warten, abstoßen, paddeln, gleiten. Und wenn das Wasser einen dann mitnimmt auf große Fahrt, beginnt der Spaß. Das Wasser treibt einen an wie ein Motor, das Brett schießt Richtung Strand und kommt erst zum Stillstand, wenn der Sand unter den Finnen knirscht. Boris strahlt. "Boah, da werden Endorphine frei", sagt er, packt sein Board und stapft erneut den Wellen entgegen.

Surfcamps haben in den vergangenen Jahren immer mehr Anhänger gewonnen. Längst sind es nicht mehr nur Jugendliche, die den coolen Sport der Hawaiianer lernen wollen. Heute liegen jeden Sommer von der Bretagne bis an den Südzipfel Portugals Menschen mittleren Alters auf ihren Brettern, beobachten die Wellen und versuchen, im richtigen Moment loszupaddeln. An vielen Stränden gibt es Wellenreitschulen, sie bieten Schnupperkurse, Tagesseminare oder Wochencamps an. Die zehn Teilnehmer des Anfängerkurses in Lacanau wohnen in der Nähe des Strandes in einer einfachen Unterkunft mit Betten im Doppelstock. Wenn sie vom Strand kommen, stärken sie sich am französischen Büffet: Entrée, Hauptspeise, Nachtisch und, naturellement, eine opulente Käseauswahl.

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insgesamt 5 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
11.09.2010 von Offshore89: Liebe Laie

Ich fange ganz einfach mal mit "In Thailand gibt es keine Surfcamps"an...da muss ich ganz dezent grinsen. Jedem müsste klar sein, dass die großen Konzerne(Billabong etc.) oder auch kleine Anbieter jeden, zum surfen [...] mehr...

10.09.2010 von wipeout: Wellenreiten in Frankreich

...ja es ist richtig...nur leider wäscht nicht das Meer die Farbe aus den Harren sondern die Sonne bleicht es aus....aber wir sind ja bei spiegel online...da darf jeder mal ran...wo kann man sich eigentlich bewerben...ich möchte [...] mehr...

10.09.2010 von boardriding: Das Meer beherrschen

Das ist richtig. Man wird nie das Meer beherrschen können, aber man kann lernen es zu lesen und zu interpretieren um sich dann, die Bewegung und Power des Meeres zunutze zu machen. Und wo lernt man das am Besten - im Surfcamp [...] mehr...

10.09.2010 von blob123y: In Thailand gibts keine Surfcamps da nimmt man einfach

das Brett und geht an den Strand wie hier: http://beach-phuket.com/Kata-Beach.html mehr...

10.09.2010 von Leser222: wenn Blinde über Farben reden

Liebe Autorin, wer schreibt, sollte was wissen. Schön zusammengefasst haben Sie Ihre Surfkenntnisse in dem Satz "Das Meer beherrschen..." Versuchen Sie's halt mal, vielleicht lässt es sich von Ihnen beherrschen? mehr...

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