Wien – Wenn die Pisten grün sind und keine Schneewolken am Horizont, dann werden Schneekanonen in den Alpen-Gemeinden angeschmissen. Die künstliche Beschneiung drohe jedoch die Alpen auszutrocknen, warnte die deutsche Wissenschaftlerin Carmen de Jong vom Hochgebirgsinstitut der Universität von Savoyen. Für insgesamt rund 24.000 Hektar Skipisten werde damit so viel Wasser wie in einer Großstadt mit 1,5 Millionen Einwohnern verbraucht, sagte de Jong am Rande derGeneralversammlung der Europäischen Geowissenschaftlichen Vereinigung (European Geosciences Union).
Schneekanone: Die Alpen trocknen aus
Erklärungen der Tourismusindustrie, wonach die künstliche Beschneiung keinen Einfluss auf die Umwelt habe, wies de Jong zurück. Die Tourismusindustrie "muss einfach erkennen, dass sie nicht mehr Schnee produzieren und eine Skisaison von Dezember bis April um jeden Preis haben kann", mahnte de Jong.
Gletscher können Wasserbedarf nicht mehr ausgleichen
Die Folgen träfen außerdem nicht nur den Wintertourismus. Niedrigere Wasserstände in den Flüssen schränkten auch sommerliche Freizeitaktivitäten wie etwa Rafting ein. Die Gletscherforscherin Astrid Lambrecht von der Universität Innsbruck erläuterte, verschärft werde die Situation, da auch die Gletscher langfristig als Wasserreservoirs in den Bergen spürbar schrumpften. Bisher hätten die riesigen Eisreserven Hitze- und Trockenperioden bis zu einem gewissen Grad ausgleichen können.
Klimatologen und Hydrologen warnten in Wien vor Plänen, die Fläche für die künstliche Beschneiung in den kommenden Jahren zu vervierfachen, um damit einem Schneemangel durch den Klimawandel zu begegnen. De Jong geht davon aus, dass der Trend zur Beschneiung schon bald auch an wirtschaftliche Grenzen stoßen wird. Wenn das Wasser knapp wird, müssten zusätzliche Speicherbecken gebaut oder das Wasser aufwendig aus immer tieferen Erdschichten gepumpt werden. Schon jetzt lägen die Kosten der Beschneiung bei rund drei Milliarden Euro.
abl/dpa
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