12. Oktober 2007, 16:07 Uhr

Leser-Reaktionen

"Der Bahnstreik ist super"

Das Chaos an den Bahnhöfen blieb heute aus, stattdessen verlagerte es sich auf die Straße. Die Pendler haben sich auf die Streiks eingestellt, sind auf Auto, Bus oder Fahrrad umgestiegen. Und so mancher Bahn-Kunde freute sich über menschenleere Bahnsteige.

Hamburg - "Der Bahnstreik ist super! Und das Chaos ist auf der Straße - wo es hingehört", schreibt SPIEGEL-ONLINE-Leser Frank Möller. Der Fahrradfreund und Bahn-Fan rät allen, die durch Streik oder Stau verordnete Zwangspause zu nutzen, "und den Luxus eines gut ausgebauten öffentlichen Verkehrs zu begreifen." Frank Möller empfiehlt Streiktage als Reisetage, schwärmt von leergefegten Bahnhöfen. Die Freundin hat er problemlos heute in den ICE von Berlin über Bremen nach Hamburg gesetzt.

Für verwaiste Bahnhöfe kann sich auch SPIEGEL-ONLINE-Leser Thomas Kremling begeistern: "Selten eine so entspannte Anreise erlebt." Seit drei Jahren ist der Pendler auf der Strecke Würzburg-Frankfurt unterwegs, und nach Wochen ständiger Verspätungen fuhr sein Zug heute ausnahmsweise einmal pünktlich in den Bahnhof ein. "Was für eine Freude", berichtet Kremling.

Begeisterung statt Wut, Gleichmut statt Empörung: Die Bahn-Kunden haben sich auf die Streiks eingestellt, nicht nur was ihren fahrbaren Untersatz anbelangt.

"Von Streik nichts zu sehen"

Georg Hoff, Berufspendler von Buchholz in der Nordheide nach Hamburg Hauptbahnhof, ist heute morgen vorsorglich von der gewohnten Regionalbahn auf den nachfolgenden Metronom umgestiegen. Doch: "Von Streik war weit und breit nichts zu sehen." Keine Ausfälle an den Anzeigetafeln, die Regionalzüge fuhren - "alles war ganz normal", berichtet Hoff.

Weniger über den Arbeitskampf, sondern vielmehr über die Unverschämtheit eines Lokführers hat sich heute Daniela Kleiböhmer geärgert. Die Berufspendlerin ist auf den Regionalexpress von Krefeld nach Rheine angewiesen. An diesem Morgen sollte er mit 15 Minuten Verspätung eintreffen. "Als der Zug jedoch einrauschte, bremste er erst weit außerhalb der Bahnhofsüberdachung", berichtet Kleiböhmer. "Außerdem wartete er nicht, bis die circa 30 wartenden Fahrgäste die Türen erreicht hatten, bevor er weiterfuhr." Der Lokführer habe ihnen praktisch unter dem Deckmantel des Streiks den Stinkefinger gezeigt. "Solche Aktionen vernichten nun wirklich jeden Rest auf Verständnis für die Streikenden."

SPIEGEL-ONLINE-Leser Gerhard Binder ärgert sich nicht über den aktuellen Streik. Er hat noch an den Ereignissen in der vergangenen Woche zu knabbern: "Am Hauptbahnhof Berlin ging nichts mehr ins Umland, alle RE-Züge fielen aus, Bus-Ersatzverkehr wurde nur mühsam bereitgestellt, und Leute warten, warten, warten." Sein Zug Richtung Baruth fuhr schließlich doch noch los, allerdings ohne Fahrgäste - die wurden zuvor aufgefordert, auszusteigen. Der Zug danach ging fahrplanmäßig und nahm sogar die Pendler mit. Da war Binder allerdings schon mit dem Taxi unterwegs nach Baruth. Und erst nach einigem Hin und Her rückte die Bahn einen Taxi-Gutschein raus.

sil


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