Luxushochzeit Der schönste Tag im Leben - garantiert

Das Angebot klingt verlockend: Eine Luxusreisefirma verspricht Brautpaaren perfektes Hochzeitswetter - wenn sie es sich leisten können. Ob das überhaupt möglich ist, ist allerdings nicht klar.

Reisewebseite: Silberjodid für den garantiert perfekten Hochzeitstag

Reisewebseite: Silberjodid für den garantiert perfekten Hochzeitstag


Seit ein paar Tagen lockt der Reiseveranstalter Oliver's Travels Brautpaare mit einem ungewöhnlichen Angebot. Man könne nicht nur die perfekte Umgebung, sondern auch schönes Wetter für den Hochzeitstag garantieren. Mit hundertprozentiger Sicherheit, heißt es auf der Webseite des Unternehmens. Dafür müssten die Kunden nur einen gewissen Aufpreis zu zahlen bereit sein: Mindestens 100.000 britische Pfund, also etwa 130.000 Euro, soll die Wettergarantie kosten.

Angeboten wird der Service derzeit für Hochzeiten in Frankreich. Man hoffe aber, ihn bald auf Großbritannien und Italien ausdehnen zu können, heißt es im Blog des Unternehmens.

Sobald ein entsprechender Auftrag eingegangen sei, würden die Vorbereitungen beginnen. Meteorologen und Piloten sollen dann gemeinsam das Vorgehen planen. Drei Wochen vor dem Hochzeitstermin soll die Operation starten.

Die Technik, die das Unternehmen verwendet, ist seit Jahrzehnten bekannt: Von Flugzeugen aus wird Silberjodid auf die Wolken abgeworfen. Die Partikel sollen dafür sorgen, dass sich die Wassermoleküle in den Wolken zu immer größeren Tropfen verbinden und schließlich abregnen. Bei guter Planung würden die Wolken dann abregnen, bevor sie die Hochzeitsgesellschaft erreichen, die den Tag bei schönstem Sonnenschein verbringen kann.

Chinesische Anti-Regen-Kanonen

Eingesetzt wird diese Technik bereits seit den Vierzigerjahren. Im Vietnamkrieg nutzte das US-Militär Silberjodid, um Wolken über dem Ho-Chi-Minh-Pfad damit zu bestäuben. Der erhoffte Regen sollte den Nachschub für feindliche Truppen in Südvietnam behindern. 1978 wurde allerdings eine Uno-Konvention erlassen, die den Einsatz von wettermodifizierenden Maßnahmen verbot.

Bis heute wird das sogenannte Wolkenimpfen aber immer wieder eingesetzt. In Russland etwa steigen vor den Militärparaden zum Jahrestag des Sieges über Hitler-Deutschland regelmäßig Flugzeuge auf, die eventuell anrückende Wolkenformationen zum Abregnen bringen sollen. Zu den Olympischen Spielen in China 2008 wurden rund um Peking Spezialkanonen platziert, mit denen man auf Wolken schießen und sie zum Abregnen bringen wollte, bevor sie die Stadt erreichen konnten.

Wissenschaftler zweifeln Technik an

Ob die Silberjodid-Technik aber halten kann, was man sich immer wieder von ihr verspricht, ist umstritten. 1983 berichtete der SPIEGEL von einer australischen Studie, der zufolge das Berieseln von Wolken mit Silberjodid-Kristallen die Niederschlagsmengen in Trockengebieten Australiens keinesfalls messbar beeinflusst hatte. Vielmehr ließen sich angeblich von "Regenmachern" erzeugte Niederschläge auf langfristige Schwankungen im Niederschlagsmuster zurückzuführen.

"Die vielen Studien, die zur Wolkenbeeinflussung gemacht wurden, zeigen keinen signifikanten Effekt", sagte Stephan Borrmann vom Institut für Physik der Atmosphäre an der Universität Mainz 2008 im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Eine Wolke, die nicht regnen will, regnet nicht."

So bleibt abzuwarten, ob die Reisefirma ihr teures Versprechen wirklich wird einhalten können. Und wie sie und ihre Kunden reagieren, sollte eine Hochzeitsgesellschaft doch einmal im Regen stehen.

mak

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insgesamt 2 Beiträge
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hermannheester 01.02.2015
1. Der schönste Tag im Leben braucht keine Luxusfirma
Wer DEN nicht auch selbst hinkriegt sollte besser darauf verzichten, andere an seinem Leben teilhaben lassen zu wollen.
Hamberliner 01.02.2015
2. Warten wir ab, wie es weitergeht.
Das Urteil seriöser Wissenschaftler brauchen wir Laien nicht anzuzweifeln. Also können wir uns auf den hohen Unterhaltungswert freuen, den uns das selbstgebastelte Schicksal dieser Firma bieten wird. Vorausgesetzt, wir erfahren es aus dem SPIEGEL. Eine handgreifliche Auseinandersetzung zwischen Chef und einem geprellten (und inzwischen wieder geschiedenen) Kunden scheint unausweichlich.
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