Abenteurer-Award Die unglaubliche Reise verrückter Nepalesen

Erst stürzten sie sich per Gleitschirm vom Mount Everest, dann mit Kajaks in die Fluten des Ganges: Zwei Nepalesen haben mit einer riskanten Reise zu Wasser, zu Lande und in der Luft für Furore gesorgt. Nun verleiht ihnen das Magazin "National Geographic" einen Preis.

Sano Babu Sunuwar

Hamburg - Mit einem abenteuerlichen Dreikampf sind sie berühmt geworden: Die Nepalesen Sano Babu Sunuwar, 28, und Lakpa Tsheri Sherpa, 39, machten sich vergangenes Frühjahr auf, um auf drei Wegen den Extremen zu begegnen. Erst erklommen sie den Mount Everest, dann flogen sie mit einem Gleitschirm hinunter - und schließlich stürzten sie sich in die Fluten der Flüsse Koshi und Ganges, um 850 Kilometer weit bis zum Indischen Ozean zu paddeln.

Für diese Mühen verlieh ihnen die Zeitschrift "National Geographic" nun den Abenteurer-Award "The Ultimate Descent". Knapp 72.000 Menschen stimmten im Internet darüber ab, welcher Extremsportler die kühnste Reise hinter sich gebracht hat. Neben den beiden Nepalesen standen Bergsteiger, Surfer und Kajak-Fahrer aus den USA, Schottland und Großbritannien zur Wahl - sie alle haben Rekorde aufgestellt oder äußerst wagemutige Trips hinter sich. Auch für die Österreicherin Gerlinde Kaltenbrunner konnte man stimmen - sie hatte als erste Frau alle Achttausender ohne Flaschensauerstoff bestiegen.

Am beeindruckendsten jedoch fanden die meisten die Reise von Sano Babu Sunuwar und Lakpa Tsheri Sherpa. Aus gutem Grund: In einem Video über die Erlebnisse der zwei Männer sieht man, wie sich Lakpa über eine der längsten Brücken der Welt hangelt. Der Abgrund unter ihm ist verschneit, man kann sich die Kälte gut vorstellen.

Auch den Sprung aus mehr als 8000 Meter Höhe haben die beiden aufgenommen: 42 Minuten dauerte der Flug, in dicke Daunenjacken eingepackt glitten die Männer vor einem strahlend blauen Himmel hinunter ins Khumbu-Tal. Schon beim Betrachten des Clips im Internet könnte einem schwindelig werden.

"Es gab keinen Grund, Angst zu haben", sagt Lakpa Tsheri Sherpa. Er sei schon dreimal auf dem Mount Everest gewesen. Diesmal erreichte er den Gipfel zusammen mit seinem Freund Sano am 21. Mai 2011 gegen 8 Uhr morgens. Fotos zeigen die beiden, wie sie den höchsten Berg der Welt besteigen, das verschneite Gipfelpanorama im Hintergrund. "Fühlt sich an, wie irgendein Gipfel, gar nicht wie der Mount Everest", sagt Sano Babu Sunuwar.

"Ziemlich herausforderndes" Erlebnis

"Full confidence", volles Selbstvertrauen - vielleicht ist das das Geheimnis ihres Erfolgs. Das braucht man wohl, wenn man sich per Gleitschirm vom Mount Everest in Richtung Erde stürzt. Niedriger Luftdruck und eisiger, starker Wind - das galt es auszuhalten. Als "ziemlich herausfordernd", bezeichnen die Abenteurer ihren unvergesslichen Flug. "Aber wir wollten was Neues machen", sagt Sano Babu Sunawar mit einem breiten Grinsen. Es ist wohl diese Leichtfüßigkeit, warum unter den Zehntausenden Wählern die meisten für ihn und seinen Kumpanen gestimmt haben.

Während Sunawar ein erfahrener Kajaker ist, setzte sich der Everest-Guide Lakpa Tsheri Sherpa zum ersten Mal in seinem Leben in so ein Boot. "Du hast die größte Stromschnelle auf der ganzen Welt geschafft", sagte Sunawar zu seinem Freund. Angekommen am Ozean schmissen die zwei Männer ihre Paddel in den Sand, sie holten die Gebetsfähnchen raus und bejubelten ihr bestandenes Abenteuer.

Alle Ehre gebührt den beiden Nepalesen vor allem, weil sie ihre Expedition ohne die finanzielle Hilfe von Sponsoren absolviert haben. Sie liehen sich Ausrüstung von Freunden, bevor sie sich auf den Weg machten.

"Auf einen Rekord haben wir es nicht abgesehen", sagt Lakpa dem Internetportal Explorersweb. Im Mittelpunkt habe gestanden, die Disziplinen Klettern, Paragliding und Kajak in in einem Trip zu absolvieren. Welcher Teil der aufregendste war? "Vom höchsten Punkt der Welt zu springen", sagt Sunawar.

"Ohne Abenteuer spürst du das reale Leben nicht", darin sind sich die beiden Award-Gewinner einig. Besonders für Lakpa Tsheri Sherpa muss die Paddel-Tour zum Indischen Ozean wirklich abenteuerlich gewesen sein - er kann nicht schwimmen.

jus

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