Überlastete Lagunenstadt Venedig begrenzt Zahl der Kreuzfahrtschiffe

Vom Sonnendeck aus den Dogenpalast betrachten - das können künftig nur noch Passagiere auf kleineren Kreuzfahrtschiffen. Den größten Exemplaren ist die Fahrt durch Venedigs Canale della Giudecca bald verboten.

Durchfahrt künftig verboten: Riesen-Kreuzfahrtschiffe wie die MSC Divina sollen Venedig fernbleiben
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Durchfahrt künftig verboten: Riesen-Kreuzfahrtschiffe wie die MSC Divina sollen Venedig fernbleiben


Ein Jahr lang dürfen sie noch, dann gilt das Verbot: Riesen-Kreuzfahrtschiffe werden ab November 2014 nicht mehr Venedigs Canale della Giudecca durchfahren: Die Regel gilt für die größten Schiffe ab 96.000 Bruttoregistertonnen. Mit dem Verbot, das die italienische Regierung am Dienstag bekanntgab, will sie die Kreuzfahrtriesen von der Stadt fernhalten. Als Alternative soll eine andere Wasserstraße in der Lagune, der Canale Contorta, schiffbar gemacht werden.

Bei den mittelgroßen Kreuzfahrtschiffen - ab 40.000 Bruttoregistertonnen - wird die Zahl der Durchfahrten durch den Canale della Giudecca um ein Fünftel reduziert. Täglich werden höchstens fünf dieser Schiffe in die direkte Nähe des Markusplatzes gelassen. Fährschiffe sollen bereits ab Januar nicht mehr in dem Kanal mehr verkehren dürfen.

Im vergangenen Jahr waren es rund 1700 große Schiffe, die durch den Guidecca-Kanal zum Hafen der Stadt fuhren. Die hohe Zahl hatte Umweltschützer und Anwohner immer wieder empört. Erst Ende September dieses Jahres schwammen rund 30 Aktivisten unter dem Beifall Hunderter Unterstützer rund eine Stunde lang im Kanal, um ihn zu blockieren.

Viele empfinden den Anblick der schwimmenden Hochhäuser als Schandfleck, zudem befürchten sie, die Wellen könnten das Fundament Venedigs beschädigen. Auch die Schadstoffbelastung durch die Schiffe soll mit dieser Maßnahme sinken. Venedigs Bürgermeister Giorgio Orsoni erklärte, die größten Kreuzfahrtschiffe seien schlichtweg "nicht kompatibel mit Venedig und seiner Lagune".

Die Stadt, die im Spätmittelalter ihre größte Blüte erlebte, ist durch das Ansteigen der Meerespegel stark gefährdet. Schon jetzt ist auch das geplante Ausheben einer neuen Fährrinne für die großen Kreuzfahrtschiffe in der Lagune umstritten. "Das war ein erster Sieg, aber der Kampf geht weiter", sagte Silvio Testa von der Bürgerinitiative No Grandi Navi (Keine großen Schiffe).

bon/AFP/dpa

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Campagnano 07.11.2013
1. Mogelpackung
Dieser Beschluss ist wirklich die reinste Mogelpackung. Nach dem Costa Concordia Unglück hatten die damaligen Minister Clini und Passera beschlossen, Schiffe mit über 40.000 Tonnen aus der Lagune zu verbannen. Dieser Beschluss wurde nur nie durchgesetzt. Nun ist die Grenze auf mehr als das doppelte angehoben. Die Costa Concordia, dürfte mit 87.000 NRZ weiter einfahren. Das Gesetz betrifft gerade ein dutzend der allergrößten Monsterschiffe, die aber weiter durch die Lagune, ein bisschen links zum gleichen Hafen direkt an der Altstadt pflügen dürfen. Daher verbreitet Silvio Testa auf seiner Facebook-Seite (https://www.facebook.com/comitatonograndinavi) auch alles andere als Siegesparolen.
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