Imagepolitur Ägypten will mit Live-Strandbildern auf Ku'damm werben

So recht kommt der Tourismus in Nordafrika noch nicht in Schwung. Ägypten will jetzt mit Live-Bildern, die in europäischen Städten übertragen werden, Überzeugungsarbeit leisten. Die Skepsis bei deutschen Urlaubern ist groß.

Touristen in Ägypten (2005): Bilder vom friedlichen Strandleben sollen Image verbessern
DPA

Touristen in Ägypten (2005): Bilder vom friedlichen Strandleben sollen Image verbessern


Berlin - Friedliche Bilder von entspanntem Strandleben sollen das Image verbessern: Ägypten plant, in europäischen Ländern Großbildschirme aufzustellen, die Live-Bilder von verschiedenen Touristenorten zeigen. Zum Beispiel Übertragungen aus Hurghada und Scharm el-Scheich am Roten Meer oder auch aus Luxor am Nil.

Standorte für die Bildschirme seien größere Städte in europäischen Ländern. Ägyptens Tourismusminister Hisham Zaazou sagte auf der Reisemesse ITB, er könne sich dafür zum Beispiel den Kurfürstendamm in Berlin vorstellen. In den kommenden Monaten solle das Projekt starten, der genaue Termin stehe noch nicht fest. "Das ist so ein bisschen unser Gegenbild", sagte der Minister. "Wir wollen zeigen, dass es nicht nur Unruhen gibt, sondern dass sich zum Beispiel auch die Ägypter selbst am Strand entspannen."

Britische Touristen auf dem Sinai entführt

Zaazou betonte, Touristen seien willkommen und sicher. Das komme im Ausland oft nicht so an. Denkbar ungünstig für den Vorstoß ist daher die Meldung, dass auf der Sinai-Halbinsel zwei britische Touristen entführt wurden. Der Chef der ägyptischen Exxon-Niederlassung und seine Frau waren in einem privaten Auto von Kairo nach Scharm el-Scheich unterwegs, als sie in Ras Sidr von Beduinen verschleppt wurden. Nachdem die Polizei lokale Beduinenscheichs um Vermittlung gebeten hatte, wurden die Briten laut dem Nachrichtenportal al-Ahram nach etwa einer Stunde wieder freigelassen.

Die Sicherheitslage auf dem Sinai hat sich seit der "Revolution des 25. Januar" 2011 stark verschlechtert. Daher rät das Auswärtige Amt dringend von Reisen in den Norden der Halbinsel sowie von nächtlichen Überlandfahrten in dem gesamten Gebiet ab. Die Südküste der Sinai-Halbinsel ist bislang weitgehend von dem Chaos verschont worden, das andere Teile der Region erfasst hat. Ras Sidr ist im Gegensatz zu Scharm el-Scheich, Nuweiba oder Taba ein Ort, in dem vor allem Ägypter Urlaub machen.

Tourismus in Tunesien erholt sich

Reiseveranstalter in Ägypten spüren auch zwei Jahre nach dem Sturz von Präsident Husni Mubarak die Zurückhaltung der Touristen. Zwar sei die Zahl der deutschen Urlauber im vergangenen Jahr um rund ein Fünftel auf 1,2 Millionen gestiegen, das Niveau von 2010 mit 1,38 Millionen deutschen Touristen sei aber noch lange nicht wieder erreicht. Insgesamt kamen 2012 kamen 11,5 Millionen Menschen ins Land, 17,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

Auch in anderen nordafrikanischen Ländern sind die Nachwirkungen der Revolutionen noch zu merken. In Tunesien zogen die Besucherzahlen zwar nach einer deutlichen Delle 2011 im vergangenen Jahr auf über 5,9 Millionen an, sie blieben aber immer noch fast eine Million unter denen von 2010. Mit 411.828 deutschen Urlaubern verzeichnete das Land ein Plus von 52,2 Prozent. Für Touristen sei Tunesien sicher, sagte Afif Kchouk vom dortigen Hotelverband. "Es gibt politische Probleme, aber das betrifft die Touristen nicht."

Während Tunesien und Ägypten bereits wieder Touristen anziehen, bleiben diese beispielsweise in Libyen noch vollkommen aus. Derzeit kämen praktisch nur Journalisten und Geschäftsleute ins Land, sagte Mohammed Etorki vom libyschen Außenministerium. Nach dem Öl solle der Tourismus in Zukunft aber einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes werden.

abl/dpa/Reuters



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