Ärger mit Billigflieger: Easyjet vergrault Kunden mit Unpünktlichkeit

Flugausfälle, Verspätungen, mangelnder Service: Easyjet macht sich bei seinen Kunden unbeliebt. Selbst der Gründer des britischen Billigfliegers, Stelios Haji-Ioannou, hadert mit dem Management. Er droht mit dem Entzug der Markenrechte.

Billigflieger: Immer Ärger mit Easyjet Fotos
AFP

Berlin - Miriam Riemer ist außer sich. "Der unfähige Typ am Schalter hat uns nichts von der Verspätung gesagt", schimpft sie im Terminal der britischen Billigfluglinie Easyjet am Flughafen Berlin-Schönefeld. "Ich werd' ihm jetzt noch mal die Meinung sagen". Zwei Stunden verspätet ist der Flug ihres Sohnes nach Glasgow. Auch vier von sechs Easyjet-Flügen, die ankommen, haben Verspätung. Seit Monaten ist das Routine hier in Schönefeld, wo Easyjet sein größtes Drehkreuz außerhalb Großbritanniens betreibt.

Auch in anderen Ländern vergrault der einstige Star der Branche immer mehr Passagiere. Am Londoner Flughafen Gatwick ergab eine Statistik, dass über die Hälfte aller Flüge der Airline verspätet sind. "Easyjet unpünktlicher als Air Zimbabwe" titelte eine britische Zeitung daraufhin. Easyjet macht seit Monaten vor allem Streiks für die Probleme verantwortlich. Auch in den vergangenen Wochen, als viele Deutsche teils mehrere Tagen verspätet in den Urlaub starten mussten. Warum andere Airlines weniger Probleme haben, sagt Easyjet nicht.

Grüne: Absage scheinen Methode zu haben

Die Frage, ob es an den Streiks liegt oder nicht, ist brisant. "Ein Streik ist höhere Gewalt, da muss die Airline keine Entschädigung zahlen", sagt Eva Klaar von der Verbraucherzentrale Berlin-Brandenburg, die zuletzt viele Beschwerden über Easyjet erreichten. Passagiere sollten stets kontrollieren, ob es tatsächlich einen Streik gegeben hat, rät sie. "Zudem klagen viele Passagiere über mangelnde Erreichbarkeit bei Beschwerden", sagt Klaar. Easyjet ist praktisch nur per E-Mail erreichbar, Antwort erhalten oft nur hartnäckige Kunden. Auch für Journalisten gibt es nur eine E-Mail-Adresse - einen Kommentar auch nach mehreren Tagen nicht.

Auf Facebook gibt es inzwischen eine Seite, die Fälle von Flugausfällen und Verspätungen bei Easyjet sammelt. Auch die Politik hat sich des Themas angenommen. "Bei Easyjet scheinen die Absagen Methode zu haben", erklärt Grünen-Fraktionsvizechefin Bärbel Höhn. Sie höre "laufend Beschwerden über dieses Unternehmen". Mehr Rechte für die Kunden seien nötig. "Dann würde auch Easyjet seine Kapazitäten anders planen und weniger Flugausfälle riskieren."

Bisher gibt es allerdings keine Statistiken darüber, wie groß das Ausmaß der Verspätungen und Flugausfälle ist. So hat das Luftfahrtbundesamt zwar Klagen über Easyjet erhalten. Es prüft dann, ob in dem konkreten Fall ein Bußgeld gegen die Airline verhängt werden kann. Ob es bei Easyjet zu besonders vielen Beschwerden gekommen ist, darüber gibt es laut der Behörde keine Zahlen.

Gründer droht, Markenrechte zu entziehen

Doch nicht nur von Seite der Kunden ist Easyjet unter Druck. Auch dem Mann, der die Airline vor 15 Jahren gegründet hat, ist der Geduldsfaden gerissen: Der aus Zypern stammende Easyjet-Gründer und Großaktionär Stelios Haji-Ioannou, der sich aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen hat, drohte in einem Brief an das Top-Management, der Fluggesellschaft den Markennamen "Easy" zu entziehen.

Haji-Ioannou, der inzwischen ein Easy-Imperium mit Hotels, Kinos und Autovermietungen betreibt, lässt dem Unternehmen dafür Zeit bis Oktober. Bis dahin muss Easyjet nach seinem Willen "auf die höchsten Standards in der Flugbranche bringen".

Dass ihm das Thema ernst ist, zeigte sich schon im Juni. Damals musste auf seinen Druck hin der damalige Easyjet-Chef Andy Harrison ausgewechselt. Airline-Gründer Haji-Ioannou warf ihm dabei öffentlich vor, für einen "Verfall der Kundenservice-Standards" beim Billigflieger verantwortlich zu sein.

Mathilde Richter, aFP

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insgesamt 15 Beiträge
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1. Deine Rechte
wernerwa 26.07.2010
Zitat von sysopFlugausfälle, Verspätungen, mangelnder Service: Easyjet macht sich bei seinen Kunden unbeliebt. Selbst der Gründer des britischen Billigfliegers, Stelios Haji-Ioannou, hadert mit dem Management. Er droht mit dem Entzug der Markenrechte. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,708530,00.html
Die im Artikel erwähnte Facebook Seite ist: http://www.facebook.com/deinerechte
2. hm
vHayekFan 26.07.2010
Die Behauptung, easyjet sei nur über email zu erreichen, ist falsch. Es kostet nur etwas und wird daher von easyjet nicht eben empfohlen. ---Zitat--- 3 Rückerstattungen und Stornogebühren ... 01805 029 292 (Anrufe kosten 0,14 €/Minute aus dem Festnetz, Mobilfunkpreis max. 0,42 €/Minute) in Deutschland... http://www.easyjet.com/de/Flugbuchung/regulations.html ---Zitatende---
3. ich bin vor 3 Jahren mit easy jet aus stansted
eishockeyoma 26.07.2010
richtung Berlin geflogen. Unser Flug war der erste des Tages und wir sind mit rund einer Stunde Verspätung in GB losgeflogen. Dementprechend zog sich diese Verspätung für alle anderen Flugpassagiere über den gesamten Tag. Habe das ganze dann kurze Zeit noch mal erlebt und kann jetzt nur den guten Rat geben... Leute, ihr entscheidet! Nutzt andere Linien und easy jet arbeitet vielleicht intensiver an seinen Problemen. Ich komme auch mit anderen Fluglinien seitdem voran
4. Kein Mensch muß/soll fliegen.
Pinarello 27.07.2010
Zitat von eishockeyomarichtung Berlin geflogen. ..... Ich komme auch mit anderen Fluglinien seitdem voran
Noch besser, noch einfacher, wenn Gott bzw. sein Vertreter die Natur gewollt hätte, daß der Mensch fliegt, dann hätte er ihm Flügel wachsen lassen. Kein Mensch muß fliegen, auch nicht mit Flugzeugen.
5. Verspaetungen und Ausfaelle haben anscheinend tatsaechlich Methode
lunaryuna 27.07.2010
Als Vielflieger haette ich da noch so einige Kapitel hinzuzufuegen: 1) Im vergangenen Jahr flog ich aller zwei Wochen montags morgens zurueck von Berlin nach London. Zweimal hintereinander hatte unser Flieger exakt die gleichen 7 Stunden Verspaetung, statt 6:50 flog er dann irgendwann gegen 14 Uhr und ich musste jedesmal nachtraeglich einen Tag Urlaub nehmen. Das Schalterpersonal weigerte sich vehement, mir eine Bescheinigung ueber die beiden Verspaetungen auszuhaendigen. 2) 22. Dezember 2009: 7 Stunden in Gatwick auf meinen Flieger nach Berlin gewartet. Der Nachmittagsflug vor meinem 19 Uhr-Flug ging irgendwann gegen 22 Uhr, mein Flug wurde ersatzlos gestrichen und ein Nachtflug ging noch gegen 24 Uhr, war aber vollends ausgebucht. Auf dem Flugplatz warteten mit mir Passagiere, die z.T. schon 3 Tage in London gestrandet waren, weil sie auf keinen Easyjet-Flug kamen und auch kein Geld fuer einen weiteren Flug mehr hatten. Als wir uns alle beschwerten wurde uns Bescheid zuteil, wir koennten alle kostenlos umbuchen, aber es gab KEINEN EINZIGEN Flug bis zum 1. Januar. Als ich dann auf Lufthansa umbuchte, um den Hinflug noch am 25.12 zu schaffen, wurde mir anschliessend verwehrt, meinen Rueckflug von Easyjet gebuehrenfrei umzubuchen, weil DER sei ja nicht storniert worden, aber ich kann ja nicht zurueckfliegen, bevor ich ueberhaupt ankomme! 3) 6. Juli 2010 Mailand: Unser Flug Mailand-London war insgesamt 6 1/2 Stunden verspaetet und auf dem Malpensa Airport waren noch ca. 15 Easyjet Fluege, alle mit mehrstuendigen Verspaetungen und einige sogar Stornierungen, z.B. nach Genf. Als wir nach unseren Vouchern fragten, die uns bei solch langer Verspaetung zustehen, wollte der Schalterangestellte nichts wissen, als wir den Druck erhoehten, meinte er er habe jetzt Schichtschluss und ging fort. Ein anderer Passagier, der mit uns wartete, kam nach einem Rundgang zurueck und meinte er habe den gleichen Herrn allein an einem anderen Schalter weit hinter den Schlangen gesehen. Ich lief hin und er war tatsaechlich dort. Ich verlangte wuetend die Voucher und siehte da, ploetzlich hatte er sie, hatte nur mal eben versaeumt, das auch per Ansage den wartenden Passagieren mitzuteilen. Fuer mich stellt es sich so dar, dass Easyjet mit allen billigen erlaubten und wie ich vermute teils auch unerlaubten Mitteln jedweder Verantwortung aus dem Weg geht, es Passagieren beinahe unmoeglich macht, Refunds zu erhalten, da sie ein wahres Via Crucis auf sich nehmen und schon beinahe detektivische Faehigkeiten an den Tag legen muessen, um ihr Recht und Geld einzufordern. Dahinter steckt Methode ohne jeden Zweifel. Ich beabsichtige jetzt, das englische Parlamentarische System fuer meine Beschwerde zu nutzen und meinem lokalen Abgeordneten eine Petition zu unterbreiten, die wenn genug Unterschriften vorhanden, wohl auch zur Einberufung eines Parlamentarischen Untersuchungsausschusses fuehren kann und das ist wohl das Einzige was Easydodge tatsaechlich auf die Finger schauen (und hauen) kann, da sie ja hier in England steuerrechtlich gemeldet sind, wenn ich korrekt unterrichtet bin.
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