Abgastechnik bei Kreuzfahrtschiffen Aida rüstet gesamte Flotte mit Schadstofffiltern aus

Aida macht Dampf - und der soll sauberer sein als bisher. Die Reederei will nicht nur ihre beiden Neubauten mit einer neuartigen Abgastechnik ausrüsten. Auch ihre zehn Schiffe sollen künftig schadstoffärmer unterwegs sein. Dafür wollen die Rostocker hundert Millionen Euro investieren.

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Hamburg - Der Nabu frohlockt schon: Ihre Kampagne für sauberere Kreuzfahrtschiffe zeige Wirkung. Jetzt seien die Mitbewerber gefragt, es Aida Cruises gleich zu tun. Der Naturschutzbund ist - nähere Prüfung vorbehalten - erfreut über die Nachrichten, die die Rostocker Reederei verkündet hat. Das Unternehmen will seine bei Mitsubishi in Japan in Auftrag gegebenen Neubauten, die 2015 und 2016 in Dienst gestellt werden sollen, mit einem umfassenden Filtersystem zur Reduzierung der Abgase ausrüsten. Schon ab Oktober 2013 sollen aber auch die älteren Schiffe damit ausgestattet werden.

In der dreistufigen Anlage zur Abgasnachbehandlung sollen Stickoxide zu 95 Prozent mit Hilfe eines Katalysators gebunden werden, wie Aida bekanntgab. Ruß- und Brennstoffrückstände werden in einem Filter ausgefällt, damit würden Rußpartikel zu 90 Prozent entfernt. Schwefeloxide könnten zu 99 Prozent durch einen sogenannten Scrubber herausgewaschen werden. Erstmals sei es möglich, alle maßgeblichen Reinigungsstufen technisch unterzubringen, da die neue Technologie besonders kompakt sei.

Das System könne nicht nur bei Einsatz des Treibstoffs Marinediesel, sondern auch von Schweröl betrieben werden, sagte Unternehmenssprecher Hansjörg Kunze SPIEGEL ONLINE. Die Neubauten der Hyperion-Klasse sind zudem mit ihren Dual-Fuel-Motoren für den Einsatz von Flüssiggas (LNG) konzipiert. Das umweltfreundliche Erdgas wird in der Branche als Treibstoff der Zukunft angesehen, für das keine Abgasbehandlung notwendig ist.

Das Filtersystem ist eine innerhalb der Carnival-Gruppe entwickelte Technologie - zu der britisch-amerikanischen Reederei gehören neben Aida Cruises unter anderem auch Cunard und Costa Cruises. Mehr technische Details sowie Hersteller und Zulieferer will Aida zurzeit nicht bekanntgeben, um der Konkurrenz nicht zu viel zu verraten. Die Anlage sei jedoch schon testweise und mit Erfolg auf Schiffen des Konzerns zum Einsatz gekommen, sagte Kunze.

Weißer Dampf über Aida-Flotte ab 2016

Während die Konkurrenten TUI Cruises und Hapag-Lloyd bisher nur ihre Neubauten mit Abgas-Nachbehandlungssystem beziehungsweise mit einem SCR-Katalysator für Stickoxide ausrüsten, will Aida auch ihre gesamte Flotte sauberer machen. Als Erstes werde das älteste Schiff in die Werft geschickt, sagt Kunze, die "Aida Cara". Bis 2016 sollen alle zehn Schiffe mit dem Abgassystem nachgerüstet, zudem vollständig mit Landstrom-Anschlüssen und Maßnahmen zur höheren Energieeffizienz ausgestattet werden. Dafür will das Unternehmen rund hundert Millionen Euro investieren.

"Dass Aida sich jetzt seiner Verantwortung für die Umwelt stellen will, zeigt, wie groß der öffentliche Druck auf die Branche geworden ist", kommentierte der Nabu laut einer Mitteilung. Die Ausrüstung mit moderner Abgastechnik sei überfällig gewesen. "Selbstverständlich werden wir uns die angekündigte Technik sehr genau ansehen müssen, um Wirksamkeit und Umweltverträglichkeit zu prüfen." Der Nabu warnt vor den Gesundheits- und Umweltgefahren durch Stick- und Schwefeloxide sowie Rußpartikeln, die beim Kreuzfahrtbetrieb entstehen. Vor allem in Häfen und entlang der großen Schifffahrtsrouten balle sich das Problem

Aida will die Pläne zur umweltfreundlicheren Energieversorgung ihrer Flotte in Häfen vorantreiben. "40 Prozent ihrer Betriebszeit verbringen Aida-Schiffe in einem Hafen", sagte die Umweltdirektorin der Reederei, Monika Griefahn. Das zeige, "wie wichtig Maßnahmen zur Emissionsreduzierung während der Hafenliegezeiten sind". Im Hamburger Hafen soll im Sommer 2014 nach einiger Verzögerung eine LNG Hybrid Barge von Becker Marine Systems zum Einsatz kommen. Das mit Flüssiggas betriebene Blockheizkraftwerk soll Aida-Schiffe während der Liegezeit mit Strom versorgen - schwefeloxid- und rußpartikel-frei.

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jetlag chinaski 29.08.2013
1. na endlich!
vielleicht wird das ja doch noch was mit mir und kreuzfahrt... wenn jetzt die armen philipinos noch einen einigermassen akzeptablen mindestlohn bekommen werd ich mir das doch mal überlegen.
hansvonderwelt 29.08.2013
2. Flüßiggas und Schweröl !? Die Tanks müßen doch dafür
völlig unterschiedlich konzipiert sein!Vielleicht ist unter den Lesern ein Ing.der mir den Sachverhalt erklären kann! Ich bin etwas skeptisch,ob das nicht ein Fake ist !
k-3.14 29.08.2013
3. Dual-Fuel-Motoren!
Die Maschinen sind da für den Betrieb mit Flüssiggas ausgelegt. Da sind selbstverständlich völlig unterschiedliche Treibstofflagerungs- und Aufbereitungssysteme notwendig.
eridon25 29.08.2013
4. Schön! Sehr sogar! Aber ein paar Fragen bleiben offen...
Diese Initiative ist zu begrüßen! Sie beruht sicherlich darauf, dass inzwischen auch bei Kreuzfahrt-Passagieren angekommen ist, dass diese Urlaubsart nicht unbedingt die ökologisch unbedenklichste Wahl ist, die man treffen kann. Ein paar Fragen bleiben allerdings offen: 1) Beim Einsatz von Scrubbern zur Reduktion von Schwefeloxiden wird der Schwefelanteil in den Abgasen reduziert. Die Frage ist, was mit dem rausgefilterten Schwefel passiert. Es gibt "closed-cycle-scrubber", bei denen der Schwefel als Schwefelsäure in Tanks gelagert wird, die dann in dafür geeigneten Häfen gebührenpflichtig (!) gelöscht werden können. Für eine Reederei günstiger sind "open cycle scrubbers", bei deren Einsatz die entstehende Schwefelsäure in das Meer abgeleitet wird. Dadurch reduzieren sich zwar die Luftschadstoffe, aber das Meerwasser wird erheblich belastet. Die Frage ist, welche Technologie AIDA verwenden möchte. 2) Es gibt einen Abgas-Bestandteil, denn man weder rausfiltern noch katalytisch reduzieren kann: das klimaschädliche Kohlendioxid. Die CO2-Emissionen lassen sich nur durch Effizienzverbesserungen (mehr Strecke mit weniger Kraftstoffverbrennung) reduzieren. Auch hier gibt es in der Branche zwar gute Fortschritte (wie beispielsweise die angesprochene Nutzung von LNG als Brennstoff), dennoch bleiben Kreuzfahrt eine sehr klimabelastende Angelegenheit. Das wird sich in absehbarer Zeit nicht ändern lassen. Ein Urlaub an der Nordsee ist auf alle Fälle klimafreundlicher!
georgia.k 29.08.2013
5. bis 2016 ist es noch lang hin
solange sollte man überhaupt keine Kreuzfahrt mit solchen Dampfern machen :-( Mich locken solche Reisen nicht. Ist eh eine spezielle Klientel, die an solchen Schiffsreisen Vergnügen findet.
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