Papenburg/Rostock - Noch fehlt die obligatorische Handbreit Wasser unterm Kiel. Das neue Kreuzfahrtschiff "Aida Stella" liegt im Trockendock der Meyer Werft im emsländischen Papenburg. Mit einer Länge von 253 Metern füllt der 330 Millionen Euro teure Koloss große Teile des Baudocks I aus. Neu ist dieser Anblick für die etwa 2500 Werftbeschäftigten nicht. Mehr als 30 Kreuzfahrtschiffe hat Meyer bereits gebaut. Und doch wird hier das Ende einer einzigartigen deutsch-deutschen Schifffahrtsehe markiert.
Die "Aida Stella" ist das siebte und vorerst letzte Schiff, das die Werft im Auftrag der Rostocker Reederei Aida Cruises baut. Bei der Vergabe einer weiteren Serie von zwei bedeutend größeren und teureren Neubauten ging Meyer leer aus. Aida vergab die Aufträge im August 2011 an die japanische Mitsubishi-Werft. Das Papenburger Unternehmen habe sich damals auch um die Ausschreibung beworben, die Preise der Japaner habe man aber nicht unterbieten können, hieß es vor eineinhalb Jahren. Mitsubishi kassiert nach Aida-Angaben 455 Millionen Euro pro Schiff.
Diese Summe stünde auch den Emsländern gut zu Gesicht. Die Werft ist zwar bis ins Jahr 2015 ausgelastet und hat aktuell noch sechs Kreuzfahrtschiffe und ein Forschungsschiff im Auftragsbestand. Wegen des andauernden Wettbewerbs- und Preisdrucks auf dem Weltmarkt wurde aber vor wenigen Tagen angekündigt, im laufenden Geschäftsjahr Kosten in Höhe von 50 Millionen Euro einsparen zu müssen. Vor diesem Hintergrund möchte die Werft am liebsten gar keine Kommentare zur Abschiedsvorstellung von Aida abgeben. "Der Auftrag endet, nicht aber unsere gute Geschäftsbeziehung zu Aida Cruises", sagt Werftsprecher Peter Hackmann.
Etwas weniger wortkarg gibt sich der Auftraggeber. "Wir haben gemeinsam mit der Meyer Werft erfolgreich ein einmaliges Neubauprogramm realisiert. Plus Garantiezeiten, die über 2013 hinausgehen, ist dies ein unglaublich langer Zeitraum", sagt der Pressesprecher von Aida Cruises, Hansjörg Kunze, in Rostock. Insgesamt seien 2,4 Milliarden Euro investiert worden, hieß es. Die neuen Aufträge seien nach Japan vergeben worden, weil "Mitsubishi in allen Aspekten das beste Angebot abgegeben hat".
Roter Unterwasseranstrich, roter Kussmund
Seit Oktober 2004 hat die Meyer Werft für Aida Cruises Schiffe gebaut, die Auslieferungen wurden stets von medienwirksamen Auftritten begleitet. Erstes Schiff der Reihe war die im April 2007 ausgelieferte "Aida Diva".
Knapp sechs Jahre und sechs Schiffe später wird zum Ende des Auftrags weitaus weniger Aufheben gemacht. Arbeitsreich geht es am Dienstag auf der Werft zu. Schweißer erledigen letzte Arbeiten an den beiden Messing-Propellern, mit denen das Schiff künftig Fahrt aufnehmen wird. Rot-braun strahlt der Unterwasseranstrich, den keiner der künftigen Passagiere je zu Gesicht bekommen wird, wenn das Schiff erst einmal schwimmt. Auch das Aida-Markenzeichen, der rote Kussmund, ist sichtbar.
Am Donnerstag soll die überdachte Bauhalle geflutet werden. 23 Jahre lang würde das nach Werftangaben mit einem regulären Hauswasseranschluss dauern. Auf der Meyer Werft erledigen das die hydraulischen Flutklappen. Dann dauert es nur etwa fünf Stunden, bis die "Aida Stella" in ihrem Element ist, dem Wasser. Am Freitagmorgen steht das Ausdockmanöver an. Die Überführung über die schmale Ems nach Emden ist am 9. und 10. Februar geplant. Am 17. März soll die Jungfernfahrt ab Rostock-Warnemünde folgen.
Heiner Nee hat derzeit anderes im Kopf, als sich die einzelnen Fahrttermine zu merken. Als sogenannter Dockmeister ist er für den reibungslosen Ablauf der kommenden Tage verantwortlich. Nee gibt Anweisungen, inspiziert, schaut nach dem Rechten. Nicht nur die Emsüberführung, sondern auch das Herausschieben des Schiffs ist Zentimeterarbeit. Zudem sitzt Nee die Zeit im Nacken. Bereits in einem Monat folgt im benachbarten Baudock II das Ausdocken eines weiteren Kreuzfahrtschiffs, der "Norwegian Breakaway".
Normann Berg/dapd/jus
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