Flugausfälle Was Air-Berlin-Kunden jetzt tun können

Nach den Flugausfällen bei Air Berlin sind Reisende verunsichert. Können die Tickets umgebucht werden? Wie lange dauert das Chaos, und sollte man überhaupt noch bei der insolventen Airline buchen? Der Überblick.

Passagiere in Berlin-Tegel
BECHER/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Passagiere in Berlin-Tegel


Nervenprobe für Fluggäste der Air Berlin: Kurz vor Ende der Bieterfrist sind der insolventen Fluggesellschaft streckenweise die Piloten ausgegangen. Etwa 200 Mitarbeiter meldeten sich krank, mehr als 100 Flüge fielen aus, Tausende Passagiere waren betroffen. Inzwischen haben sich einige Crews wieder zur Arbeit gemeldet. Doch immer noch herrscht Chaos.

An einigen Flughäfen bildeten sich lange Schlangen vor den Schaltern, viele Passagiere harrten aus und hofften auf eine Umbuchung. Air Berlin versprach, seinen Kunden die "bestmögliche Reisealternative" anzubieten.

Doch wie sollen sich Reisende nun verhalten? Der Überblick:

Was soll ich tun, wenn ich in dieser Woche einen Air-Berlin-Flug habe?

Die Fluggesellschaft geht nach eigenen Angaben davon aus, ab Donnerstag wieder einen "stabilisierten Flugbetrieb" anbieten zu können. Reisende sind dazu aufgerufen, vor der Abfahrt zum Flughafen den Status ihres Fluges online auf der Website zu prüfen. Wer gar nicht erst riskieren möchte, dass sein Flug von den Ausfällen betroffen ist, kann nur noch einen neuen Flug bei einer anderen Airline buchen - allerdings auf eigene Kosten. Die insolvente Fluggesellschaft erstattet nämlich keine Tickets. Pauschalreisende können sich dagegen entspannen: Hier ist der Reiseveranstalter dafür verantwortlich, die Reise zu gewährleisten.

Was kann ich tun, wenn mein Flug bereits annulliert wurde?

Wenn der Flug annulliert wurde, sollten Air-Berlin-Kunden auf eine Umbuchung bestehen, rät das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland in Kehl. Auch Kunden, die im Ausland festsitzen, sollten versuchen, ihren Flug umzubuchen. Doch in sozialen Medien beschweren sich Reisende darüber, dass Air Berlin weder telefonisch noch per Email erreichbar sei.

"Die Tickets umzubuchen ist aufgrund der Insolvenz ohnehin risikobehaftet", sagt Eva Klaar von der Verbraucherzentrale Berlin. "Den Passagieren stehen eigentlich Hotelzimmer, Rückerstattungen und Umbuchungen zu." Es komme aber immer wieder zum selben Punkt: Air Berlin sei zahlungsunfähig. Verbraucher könnten daher ihre Ansprüche nicht wirklich geltend machen.

Soll ich gebuchte Tickets jetzt stornieren?

Air Berlin hat Insolvenz angemeldet, durch einen Übergangskredit der Bundesregierung über 150 Millionen Euro soll der Flugbetrieb der Airline jedoch bis Mitte November gesichert werden. "Vielen Reisenden ist der Stress aber zu hoch", sagt Klaar. "Sie buchen - trotz Mehrkosten - neue Flüge bei anderen Airlines." Einige wollten auch erst einmal die Verhandlungen Mitte September abwarten, bevor sie stornieren. Wer sein Ticket stornieren will, hat einen Anspruch auf Rückerstattung. In der Realität ist das aufgrund der Insolvenz aber nicht so einfach.

Soll ich jetzt überhaupt noch bei Air Berlin buchen?

"Reisende sind derzeit sehr verunsichert", sagt Klaar. "Für viele geht es um den lange vorbereiteten Jahresurlaub, der nun in Gefahr ist." Die Reiserechtsberaterin rät grundsätzlich davon ab, jetzt noch bei der insolventen Fluggesellschaft zu buchen. "Vielleicht ein Schnäppchen oder einen Wochenend-Trip", sagt Klaar. "Aber meinen Jahresurlaub würde ich bei Air Berlin nicht mehr buchen."

Auch Eurowings-Kunden sind von den Krankmeldungen betroffen. An wen können sie sich wenden?

Die Eurowings-Kunden sind davon betroffen, weil die Lufthansa-Gruppe mit Air Berlin eine sogenannte "Wetlease"-Vereinbarungen geschlossen hat - also Flugzeuge und Besatzung der insolventen Fluggesellschaft gemietet hat. Auf der Internetseite von Eurowings können Kunden checken, ob ihr Flug stattfindet. Wer bei dem Unternehmen seine Kontaktdaten hinterlegt hat, wird über Ausfälle informiert, teilt die Fluggesellschaft mit.

Wurde der Flug gestrichen, muss die Fluggesellschaft eine Ersatzbeförderung anbieten. Betroffene können Umbuchungsmöglichkeiten der Fluggesellschaft online nutzen oder auf andere Verkehrsmittel ausweichen. Die Fluggesellschaft übernimmt nach eigenen Angaben die Kosten für ein Bahnticket der 2. Klasse oder Fernbusreisen, wenn sich Kunden diese selbstständig kaufen. Auch Übernachtungskosten übernimmt Eurowings, wenn Fluggäste aufgrund eines ausgefallenen Fluges ein Hotel in Anspruch nehmen müssen und das Zimmer selbstständig buchen.

Sollte der Flugbetrieb von Air Berlin gänzlich eingestellt werden, was passiert mit meinem Ticket?

Trotz des Brückenkredits durch die Bundesregierung bleibt die Frage, was danach passiert. Falls die Airline tatsächlich ihren Flugbetrieb einstellen muss, haben die Kunden nur wenig Chancen, ihr Geld zurück zu bekommen. Zwar können die Käufer, die ihre Tickets direkt bei Air Berlin gekauft haben, ihre Forderungen im Insolvenzverfahren anmelden - doch zunächst haben andere Gläubiger Vorrang, aus der Konkursmasse bedient zu werden.

kry/dpa



insgesamt 2 Beiträge
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siviha 13.09.2017
1. Alles easy..
Klasse, da werden zahlende Kunden ja echt vera* Und nebenbei, wer immer auf 'Billig-Mentalität' rumreitet: Ich bin in den letzten Jahren auch öfter mit ABgeflogen. Nicht weil billiger..sondern wegen Abflugszeit und -Ort. LH wäre teilweise merkbar günstiger gewesen.. ist halt nur mal ein Unterschied, ob man 20min mit der Ubahn rüberfährt ..oder 2h mit DB. Gag and Ganze: ich hab Freitag noch einen Flug u.a.mit AB gebucht. Des Wahnsinns fette Beute? Nein.: ich brauche eh nur oneway..das kostete aber bei 400€ Hin mit LH, rück mit AB.. 179€. Denn doch 29€ für Sparpreis DB. Und jetzt spiel ich also auch mal Billigheimer.. und lasse dekadent, nach mir die Sintflut, den Rückflug in nem Monat verfallen. Für jeden, den es wirklich trifft, Bräune Masse in Tüten, aus der Insolvenzmasse ist ja nicht mal bei Gepäckverlust noch was zu holen. Und nochmal: billig war AB oft genug nicht. Dafür aber wenigstens Service.
phekie 14.09.2017
2. letzter Satz
Wieso haben bei Insolvenzverfahren andere Gläubiger Vorrang? Ich dachte immer wenn mehr Verbindlichenkeiten als Masse vorhanden ist, wird nach Abzug der Verfahrenskosten mittels Quote ermittelt, wieviel jeder Gläubiger bekommt. Werden hier etwa Gläubiger bevorteilt?
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