Air-Berlin-Insolvenz Was Reisende jetzt wissen müssen

Was bedeutet die Insolvenz von Air Berlin für Flugreisende? Was passiert mit bereits gekauften Tickets und Gutscheinen? Kann man weiterhin buchen? Der Überblick.

Air-Berlin-Maschine
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Seit Jahren macht Air Berlin Verluste. Nun hat die zweitgrößte deutsche Fluglinie Insolvenz angemeldet. Was bedeutet das für Reisende, die schon Tickets von Air Berlin besitzen? Müssen sie nun fürchten, dass der Urlaub ausfällt? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Fliegt Air Berlin jetzt gar nicht mehr?

Doch. "Alle Flüge der Air Berlin und NIKI finden weiterhin statt", schreibt die Fluggesellschaft auf ihrer Webseite. Flugpläne und gebuchte Tickets blieben gültig, auch alle Flüge seien weiterhin buchbar. Die Bundesregierung sichert den Flugbetrieb von Air Berlin mit einem Übergangskredit von 150 Millionen Euro. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries geht davon aus, dass damit der Flugbetrieb für drei Monate gesichert ist.

Aufgrund des Insolvenzrechts wäre Air Berlin eigentlich verpflichtet gewesen, den Flugbetrieb direkt nach Einreichung des Insolvenzantrags einzustellen, teilten das Wirtschafts- und das Verkehrsministerium gemeinsam mit.

Soll ich mein gebuchtes Ticket jetzt stornieren?

Wer sein Ticket, das vor dem 15. August ausgestellt wurde, stornieren will, bekommt zumindest kein Geld zurück. Auch Steuern und Gebühren werden nicht mehr zurückgezahlt. Das gibt Air Berlin auf seiner Webseite bekannt. Für Tickets, die nach dem 15. August gekauft wurden, gelten wieder die Tarifkonditionen. Als Erklärung gibt Air Berlin an, dass entsprechende Erstattungen und Kompensationen insolvenzrechtlich ausgeschlossen sind.

Was passiert mit Gutscheinen?

Gutscheine, die Air Berlin in den vergangenen Wochen als Entschädigung für Ausfälle verteilt hatte, können nicht mehr eingelöst werden. Eine Auszahlung sei ebenfalls nicht möglich. Auch hier verweist Air Berlin auf das Insolvenzrecht. Betroffene können nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens ihre Kompensationsforderung anmelden.

Ich habe eine Entschädigungsanspruch. Bekomme ich Geld zurück?

Bei Flugausfällen und Verspätungen steht Passagieren laut der EU-Fluggastrechte-Verordnung bei Unternehmen wie Air Berlin, die in der EU ihren Sitz haben, eine Entschädigung zu - je nach Flugdistanz 250, 400 oder 600 Euro. Die Airline muss für die Annullierung oder Verspätung verantwortlich gewesen sein, zum Beispiel wegen eines technischen Defektes.

Laut Air Berlin werden Entschädigungen für Flugausfälle und Verspätungen, die Flüge vor dem 15. August betreffen, nicht mehr ausgezahlt. Betroffene können nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens ihre Kompensationsforderung anmelden.

Für Flüge seit dem 15. August gelten wieder die üblichen Regularien. Betroffene müssen sich weiterhin an Air Berlin oder später gegebenenfalls an den Insolvenzverwalter wenden. Ob offene Entschädigungsleistungen dann tatsächlich gezahlt werden, ist laut der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen aber ungewiss.

Sollte der Flugbetrieb eingestellt werden, was passiert mit meinem Ticket?

Trotz des Brückenkredits durch die Bundesregierung bleibt die Frage, was danach passiert. Falls die Airline tatsächlich ihren Flugbetrieb einstellen müsse, könne es für die Kunden schwierig werden, ihre Ausgaben erstattet zu bekommen, sagte Felix Methmann, Reiseexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (VZBV), dem SPIEGEL.

Zwar können die Käufer, die ihre Tickets direkt bei Air Berlin gekauft haben, dann ihre Forderungen im Insolvenzverfahren anmelden. "Die Chance, da wirklich etwas zurückzubekommen, liegt quasi bei null", so Methmann. Zunächst haben andere Gläubiger Vorrang, aus der Konkursmasse bedient zu werden.

Um Fluglinien-Kunden besser abzusichern, hat sich die SPD gerade für eine verpflichtende Insolvenzabsicherung für Airlines ausgesprochen. Eine solche gesetzliche Regelung müsse "auf europäischer Ebene oder sogar international getroffen werden", sagte die tourismuspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Gabriele Hiller-Ohm, dem "Handelsblatt".

Wenn mir durch einen stornierten Flug weitere Kosten entstehen - wer bezahlt?

Falls Air Berlin seinen Flugbetrieb nicht weiterführen sollte, entstehen Kunden zum Teil auch Folgeschäden: Oft haben sie Leistungen wie Hotels und Mietwagen gebucht, die sie bei Ticketstornierung nicht wahrnehmen können. "Auch in diesem Fall bleiben die Kunden auf den Kosten sitzen, wenn sie keine Reiseversicherung abgeschlossen haben", sagt Verbraucherschützer Methmann.

Und wenn ich einen Air-Berlin-Flug als Teil einer Pauschalreise gebucht habe?

Pauschalreisende sind bei Fluglinien-, Hotel- oder Veranstalterpleiten besser abgesichert. Den Veranstaltern ist gesetzlich vorgeschrieben, sich selbst gegen eine mögliche Zahlungsunfähigkeit zu versichern - Kunden erhalten nach der Buchung als Nachweis den sogenannten Sicherungsschein. Die Anbieter müssen dafür sorgen, dass ihre Kunden bei einer Airline-Pleite dennoch befördert oder ihnen im Zweifel Kosten erstattet werden.

Was sind Ihre Erlebnisse mit Air Berlin?
    Gestartet war die Berliner Fluglinie 1978 als Charter-Fluglinie und versuchte sich später als Billigflieger - jetzt ist die Zukunft von Air Berlin ungewiss. Haben Sie Lustiges auf Flügen mit der Airline erlebt? Hat sie Ihnen vielleicht Ihren ersten günstigen Flug ermöglicht? Waren Sie vom Kofferchaos betroffen? Schicken Sie Ihre Erfahrungen an spon_reise@spiegel.de, vielleicht auch mit Foto.

    Eine Auswahl zeigen wir in Kürze auf SPIEGEL ONLINE. Mit der Einsendung erklären Sie, dass Sie die Rechte am Material haben und mit der Veröffentlichung einverstanden sind.

Falls ich etwa bei British Airways eine Verbindung gebucht habe, die zum Teil von Air Berlin durchgeführt wird - was passiert bei einer Stornierung?

Air Berlin arbeitet mit mehreren sogenannten Codeshare-Partnern zusammen, zum Beispiel British Airways, Etihad oder Finnair. Im Fall einer Stornierung eines Air-Berlin-Fluges gibt es zwei Szenarien: "Wenn man den Flug über Air Berlin gebucht hat, sind die Tickets bei einem Ausfall nicht rückerstattbar", sagt Felix Methmann. "Ist das Ticket aber über einen anderen Codeshare-Partner gebucht, liegt es in dessen Verantwortung, den Flug möglich zu machen - oder zu erstatten."

Was passiert mit meinen Bonusmeilen?

Derzeit können Kunden von Air Berlin keine Bonusmeilen in Prämien oder Flüge einlösen. Dieser Dienst des Vielfliegerprogramms Topbonus sei vorübergehend nicht verfügbar, teilte eine Etihad-Sprecherin am Donnerstag mit. Man warte auf zusätzliche Informationen von Air Berlin. Ob ein technisches Problem vorliegt oder ob es andere Gründe gibt, war den Angaben nicht zu entnehmen. Die arabische Fluggesellschaft Eithad ist Eigentümerin von Topbonus und Großaktionärin der Air Berlin.

Sollte das Programm wieder verfügbar sein, sollten Air-Berlin-Kunden die Bonusmeilen nach Expertenansicht möglichst bald einlösen: "Zwar kann es sein, dass ein anderes Unternehmen bei der Übernahme von Air Berlin dieses Kundenbindungsinstrument übernimmt", sagte der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover. Eine Garantie dafür gebe es aber nicht. Sollte Air Berlin nicht mehr als Vertragspartner bestehen, hätten Kunden keinen Anspruch darauf, dass sie ihre Meilen noch einlösen können.

abl/kry/AFP/dpa



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