Insolvente Fluglinie Air Berlin löst keine Gutscheine mehr ein

Der Flugbetrieb läuft noch, doch für Kunden der insolventen Fluglinie Air Berlin gibt es bereits Einschränkungen: Tickets werden nicht mehr erstattet, Gutscheine nicht eingelöst. Das Meilenprogramm ist vorerst nicht verfügbar.

dapd


"Alle Flüge finden weiterhin statt, die Flugpläne bleiben gültig, gebuchte Tickets behalten ihre Gültigkeit": So will Air Berlin auch nach dem Insolvenzantrag seine Kunden beruhigen. Besonders günstige Flugangebote - etwa in die USA ab 333 Euro - sollen den Absatz weiterhin ankurbeln.

Doch obwohl ein Kredit der Bundesregierung den Flugbetrieb für etwa drei Monate sichert: Air-Berlin-Kunden erfahren bereits Einschränkungen durch die Insolvenz. Details gibt die Fluglinie auf ihrer Webseite bekannt:

  • Tickets, die vor dem 15. August ausgestellt wurden, werden nicht mehr erstattet. Konkret heißt das: Wenn die Rettung der Airline misslingt und Flüge nicht mehr angeboten werden, bleiben die Kunden auf den im Voraus bezahlten Tickets sitzen, erklärt das Portal Fairplane, das auf die Durchsetzung von Fluggastrechten spezialisiert ist. Bei der Stornierung von Tickets bekommen Air-Berlin-Kunden laut der Airline zudem keine Steuern und Gebühren mehr erstattet.
  • Entschädigungen für Flugausfälle und Verspätungen werden nicht mehr ausgezahlt. Dies gilt für Flüge vor der Insolvenzantragstellung.
  • Gutscheine, die Air Berlin in den vergangenen Wochen als Entschädigung für Ausfälle verteilt hatte, können nicht mehr eingelöst werden. Auch eine Auszahlung sei nicht möglich.

Als Erklärung gibt Air Berlin an, dass entsprechende Erstattungen und Kompensationen insolvenzrechtlich ausgeschlossen sind. Zwar können Verbraucher ihre offenen Forderungen nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens anmelden - ob sie ihr Geld aber zurückerhalten, ist höchst fraglich. In der Regel werden zunächst andere, wichtigere Gläubiger ausgezahlt. Eine Insolvenzabsicherung wie bei Pauschalreisen gibt es für Airlines nicht.

Zudem können Kunden von Air Berlin derzeit keine Bonusmeilen in Prämien oder Flüge einlösen. Dieser Dienst des Vielfliegerprogramms Topbonus sei vorübergehend nicht verfügbar, teilte eine Etihad-Sprecherin am Donnerstag mit. Man warte auf zusätzliche Informationen von Air Berlin. Ob ein technisches Problem vorliegt oder ob es andere Gründe gibt, war den Angaben nicht zu entnehmen. Die arabische Fluggesellschaft Eithad ist Eigentümerin von Topbonus und Großaktionärin der Air Berlin.

abl/dpa

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insgesamt 6 Beiträge
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a.peanuts 18.08.2017
1. Alles nach dem Willen der LH
Wo kämen wir hin,wenn der Kunde König bleibt.Auch bei LH wird der Kunden sklavenmässig behandelt. Man gucke sich nur die Buchungsbedingungen an ,da wird einem schlecht.
lathea 18.08.2017
2. Das ist bei einem Konkurs....
... so üblich. Auszahlungen würden die Konkursmasse mindern und bestimmte Gläubiger bevorzugen. Das wäre verboten.
eikestad 18.08.2017
3. Beratung im Insolvenzrecht wäre hilfreich
"In der Regel werden zunächst andere, wichtigere Gläubiger ausgezahlt." Verschiedene Rangklassen von Gläubigern kennt die Insolvenzordnung nicht. Das ist also Unsinn, wie so vieles, was derzeit über Insolvenzverfahren im Allgemeinen zu lesen ist.
pepe-b 18.08.2017
4. @eikestad
Unsinn. Es gibt sehr wohl Bevorzugungen im Insolvenzverfahren bzw. Vermögen/Gelder, die der Insolvenzmasse "entzogen" werden können, nämlich Ansprüche sogenannter Massegläubiger sowie Aus- oder Absonderungsrechte. Alles was danach übrig bleibt, wird dann gleich aufgeteilt - aber eben erst dann.
raoul2 18.08.2017
5. topbonus
Auch wenn man sagen muß, daß sich diese Situation schon seit langem angekündigt hat (weshalb die meisten Vielflieger ihre gesammelten Prämienmeilen schon längst eingelöst haben) - noch darf man hoffen, daß sich Etihad dieser Kunden erbarmt und als Eigner des Programms entweder die Einlösung der Meilen oder sogar einen "Übergang" in ihr eigenes "Guest"-Programm ermöglicht. Die Hoffnung stirbt bekannterweise zuletzt.
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