Insolvente Fluglinie Air Berlin stellt Langstreckenflüge ab 15. Oktober ein

Air Berlin bleibt am Boden. Nach und nach streicht die insolvente Fluglinie ihre Verbindungen. Mitte Oktober wird nun der letzte Langstreckenflug abheben.

dapd


Air Berlin stellt ihr Langstreckenangebot am 15. Oktober vollständig ein. Als Grund nannte die insolvente Fluggesellschaft, dass die Leasingfirmen nach und nach ihre Airbus A330-Jets zurückzögen. 10 ihrer 17 Langstreckenmaschinen hatte Air Berlin schon am Wochenende zurückgeben müssen.

Auch in Deutschland fallen Strecken weg: Bereits zu diesem Freitag, am 29. September, streicht Air Berlin die Verbindungen zwischen Hamburg und München sowie zwischen Köln/Bonn und München. Am Montag hat das Unternehmen bereits das Karibik-Flugprogramm ab Düsseldorf und diverse Langstreckenflüge ab Berlin - etwa nach Chicago und San Francisco - eingestellt.

Wer einen der stornierten Flug direkt bei Air Berlin gebucht hat, hat nur wenig Chancen, sein Geld zurückzubekommen. Zwar können die Käufer ihre Forderungen im Insolvenzverfahren anmelden - doch zunächst haben andere Gläubiger Vorrang, aus der Konkursmasse bedient zu werden.

Pauschalreisende hingegen sind besser abgesichert: Veranstaltern ist gesetzlich vorgeschrieben, sich selbst gegen eine mögliche Zahlungsunfähigkeit zu versichern - Kunden erhalten nach der Buchung als Nachweis den sogenannten Sicherungsschein. Die Anbieter müssen dafür sorgen, dass ihre Kunden bei einer Airline-Pleite dennoch befördert oder ihnen im Zweifel Kosten erstattet werden.

Vorstand: Finanzierung bis Anfang November gesichert

Noch bis Anfang November ist der Flugbetrieb nach Unternehmensgaben finanziert. "Wir sind sicher, dass wir den Flugbetrieb in den nächsten Wochen aufrecht erhalten können", sagte Vorstandschef Thomas Winkelmann in Berlin trotz der angekündigten Flugstreichungen. Eine entscheidende Frage in den Verkaufsverhandlungen sei deshalb, wie man die Zeit ab dem Beginn des Winterflugplans Ende Oktober finanziere.

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Mit Lufthansa laufen zurzeit Verhandlungen über Teile der Air Berlin sowie deren Töchter Luftverkehrsgesellschaft Walter und Niki. Zudem wolle die Easyjet einen Teil der Flotte übernehmen.

Im laufenden Verkaufsprozess sieht Air Berlin gute Jobperspektiven für 80 Prozent der Beschäftigten. "Es wird uns nicht möglich sein, alle Arbeitsplätze zu erhalten", teilte Sachwalter Lucas Flöther mit. Mehrere tausend Beschäftigte können demnach aber bei der Lufthansa unterkommen. Air Berlin hatte Ende März 8600 Mitarbeiter, darunter auch Teilzeitkräfte. In Vollzeitstellen gerechnet ergibt sich nach Unternehmensangaben vom Montag die Zahl 6500.

"Wir sind noch nicht am Ziel unserer Verhandlungen", sagte der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus. "Ein stabiler Flugbetrieb in den kommenden Tagen und Wochen ist Grundvoraussetzung für den Erfolg." Das Unternehmen verhandelt bis 12. Oktober über einen Verkauf, die Zustimmung der EU-Kommission wird für das Jahresende erwartet.

abl/dpa

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