Westjordanland Jüdische Siedler verklagen Airbnb

Die israelische Regierung ruft zum Boykott auf, und nun klagen Siedler wegen Diskriminierung: Airbnb bekommt aufgrund seiner Entscheidung zum Westjordanland juristischen Ärger.

Jüdischer Airbnb-Vermieter vor seiner Ferienwohnung im Westjordanland
AP

Jüdischer Airbnb-Vermieter vor seiner Ferienwohnung im Westjordanland


Jetzt auch noch Klagen: Airbnb bekommt in Israel viel Gegenwind, weil der Online-Wohnungsvermittler Angebote aus jüdischen Siedlungen im besetzten Westjordanland von seiner Website genommen hat.

Anwälte reichten beim Bezirksgericht in Jerusalem eine Sammelklage wegen Diskriminierung ein. "Die Entscheidung des Unternehmens richtet sich ausschließlich gegen Israelis, die in den Siedlungen leben", hieß es im Schreiben eines Anwalts zur Begründung.

Seine Klientin Maanit Rabinovich, die in der Siedlung Kida in dem Palästinensergebiet Zimmer vermietet, fordert rund 2500 Dollar Schadensersatz. Die Gesamtsumme der Forderungen von weiteren Vermietern ging aus den beim Gericht eingereichten Papieren nicht hervor. Ein Airbnb-Sprecher wollte sich nicht zu dem Vorgang äußern.

Das Unternehmen hatte am Montag entschieden, rund 200 in jüdischen Siedlungen im Westjordanland zu vermietende Zimmer und Wohnungen aus seinem Angebot zu streichen. Zuvor hatte es Kritik daran gegeben, dass Airbnb Geschäfte in den besetzten Gebieten macht.

Lob von Human Rights, Drohungen aus Israel

Viele Länder halten die jüdischen Siedlungen in den seit 1967 von Israel besetzten Gebieten für illegal. Sie sind ein besonders strittiger Teil der Friedensverhandlungen zwischen Palästinensern und Israelis, die seit 2014 auf Eis liegen. Ein israelischer Minister hatte daher zum Boykott von Airbnb aufgerufen.

"Wir rufen alle Unterstützer Israels weltweit dazu auf, nicht mehr mit Airbnb zusammenzuarbeiten", sagte Gilad Erdan, Minister für strategische Angelegenheiten. "Es gibt genügend Mitbewerber, wir brauchen die nicht." Israel kündigte ebenfalls rechtliche Schritte gegen die Entscheidung Airbnbs an und drohte zudem dem Unternehmen mit hohen Steuern.

Vertreter der Palästinenser dagegen hatten die Entscheidung begrüßt. Auch Human Rights Watch fordert Airbnb seit Jahren dazu auf, auf Unterkünfte in den Siedlungen zu verzichten. Entsprechend lobte die Menschenrechtsorganisation nun die Entscheidung des Bettenvermittlers - und kritisierte die von Israel angedrohten Sanktionen gegen Airbnb. Diese könnten die Übernachtungskosten für Tausende Touristen - etwa beim Eurovision Song Contest in Tel Aviv nächstes Jahr - in die Höhe treiben, sagte Omar Shakir, Leiter der regionalen Vertretung von Human Rights Watch in Israel.

Fast 600.000 Israelis wohnen in mehr als 200 Siedlungen im Westjordanland sowie in Ost-Jerusalem. Der Uno-Sicherheitsrat hatte 2016 einen vollständigen Siedlungsstopp von Israel gefordert. Siedlungen wurden als Verstoß gegen internationales Recht und als großes Hindernis für einen Frieden in Nahost bezeichnet.

abl/Reuters



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