Verzicht auf Angebote in jüdischen Siedlungen Israel ruft zum Airbnb-Boykott auf

Keine Airbnb-Unterkünfte mehr in jüdischen Siedlungen: Mit dieser Ankündigung sorgt der Online-Bettenvermittler für Empörung in Israel. Die Regierung reagiert mit einer Boykottforderung - und droht mit Sanktionen.

Jüdischer Airbnb-Vermieter neben seiner Ferienwohnung im Westjordanland
AFP

Jüdischer Airbnb-Vermieter neben seiner Ferienwohnung im Westjordanland


Der Ton wird schärfer: Nach der Ankündigung der Online-Übernachtungsbörse Airbnb, Unterkünfte in israelischen Siedlungen im besetzten Westjordanland aus ihrem Angebot zu nehmen, hat ein führender israelischer Minister einen Boykott des Unternehmens gefordert.

"Wir rufen alle Unterstützer Israels weltweit dazu auf, nicht mehr mit Airbnb zusammenzuarbeiten", sagte Gilad Erdan, Minister für strategische Angelegenheiten. "Es gibt genügend Mitbewerber, wir brauchen die nicht." Israel kündigte zudem rechtliche Schritte gegen die Entscheidung Airbnbs an und drohte dem Unternehmen mit hohen Steuern.

Airbnb hatte am Montag die Gründe für den Vorstoß mitgeteilt. Die Siedlungen befänden sich "im Zentrum des Streits zwischen Israelis und Palästinensern. … Viele in der internationalen Gemeinschaft haben betont, dass Unternehmen hier nicht tätig sein sollten, weil sie davon überzeugt sind, dass man keine Gewinne in Gebieten machen sollte, aus denen Menschen vertrieben worden sind." Die Entscheidung betreffe rund 200 Unterkünfte.

Erdan sagte, der Entschluss Airbnbs schade schlicht den Palästinensern und zerstöre Beschäftigungsmöglichkeiten für beide Seiten. "Wir ermutigen dazu, nur (Dienste von) Unternehmen zu nutzen, die keine Entscheidungen unter dem Druck antisemitischer Boykottorganisationen fällen, die gegen die Existenz eines jüdischen Staates sind."

"Kein Geld verdienen, wo Menschen vertrieben wurden"

Der Zimmervermittler steht wegen dieses Angebots seit Jahren in der Kritik. "Auch Human Rights Watch fordert Airbnb seit Jahren dazu auf, auf Unterkünfte in den Siedlungen zu verzichten. Entsprechend begrüßte die Menschenrechtsorganisation nun die Entscheidung des Bettenvermittlers - und kritisierte die von Israel angedrohten Sanktionen gegen Airbnb. Diese könnten die Übernachtungskosten für Tausende Touristen - etwa beim Eurovision Song Contest in Tel Aviv nächstes Jahr - in die Höhe treiben, sagte Omar Shakir, Leiter der regionalen Vertretung von Human Rights Watch in Israel.

Israel hat während des Sechstagekriegs 1967 unter anderem Ost-Jerusalem und das Westjordanland erobert. Die Palästinenser fordern die Gebiete dagegen für einen eigenen Staat Palästina mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt.

Fast 600.000 Israelis wohnen in mehr als 200 Siedlungen im Westjordanland sowie in Ost-Jerusalem. Der Uno-Sicherheitsrat hatte 2016 einen vollständigen Siedlungsstopp von Israel gefordert. Siedlungen wurden als Verstoß gegen internationales Recht und als großes Hindernis für einen Frieden in Nahost bezeichnet.

jus/dpa/Reuters/AP

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