Interview mit Airbnb-Kreativchef Wie Gastgeber ihre Wohnung am besten fotografieren

Kaum eine Urlaubsunterkunft wird heute ohne Foto angepriesen - zu Recht, sagt Andrew Schapiro. Der Kreativ-Chef von Airbnb weiß, worauf Gastgeber bei solchen Bildern besonders achten müssen. Das Wichtigste sei die Empathie.

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  • Airbnb
    Andrew Schapiro, 32, leitet seit März 2014 das Art Department bei Airbnb. Wer mag, kann bei dem Kunsthistoriker und Grafikdesigner aus San Francisco auch übernachten. Wenn er selbst reist, achtet er bei der Auswahl einer Herberge besonders auf Fotos von der Umgebung - weil er so gerne die Gegend erkundet und es liebt, draußen zu sein.
SPIEGEL ONLINE: Herr Schapiro, wie wichtig sind Fotos, wenn Sie nach einer Unterkunft suchen?

Schapiro: Sie sind unverzichtbar. Ich kann mir nicht vorstellen, irgendwo zu übernachten, ohne vorher Fotos davon gesehen zu haben.

SPIEGEL ONLINE: Gastgeber, die auf Airbnb eine Unterkunft anbieten, können die Bilder dafür von einem professionellen Fotografen aufnehmen lassen.

Schapiro: Jeder Gastgeber kann einen von über 10.000 Profi-Fotografen anfragen - kostenlos. Werden dessen Bilder dann auf der Website veröffentlicht, bekommen sie das Label "Verified Photo". Der Nutzer weiß dann, dass ein Fotograf für uns dort war und dass wir die Fotos ausgewählt haben.

SPIEGEL ONLINE: Wie kam es zu diesem Service?

Schapiro: Wir haben damit im Januar 2009 angefangen, als die Firma erst eineinhalb Jahre alt war. Zwei der drei Airbnb-Gründer sind Designer und suchten damals nach einem Weg, sich stärker mit den Menschen, die über ihre Community Wohnungen anboten, zu vernetzen. Sie sind zwar keine Fotografen, aber sie haben einen Sinn für Ästhetik und das passende Equipment. In New York haben sie dann selbst die ersten professionellen Aufnahmen gemacht. Heute bieten wir diesen Dienst weltweit an.

SPIEGEL ONLINE: Was ist Ihnen dabei wichtig? Gibt es einen besonderen Airbnb-Style?

Schapiro: Ja, wir haben einen sehr umfassenden Style-Guide, nach dem sich all unsere Fotografen richten. Darin geht es unter anderem um Spezifikationen: was wie aufgenommen werden soll. Am wichtigsten sind aber Authentizität und Genauigkeit: Wir wollen zutreffend einfangen, wie ein Besucher eine Unterkunft erlebt.

SPIEGEL ONLINE: Haben sich die Bilder denn mit den Jahren verändert?

Schapiro: Schon. Der Style spielt bei der Entwicklung unserer Marke eine wichtige Rolle. Wir versuchen jetzt stärker, emotionale Aufnahmen eines Raumes zu machen. Zum Beispiel durch warmes, natürliches Licht oder durch starke Farben. Wir vermeiden alle Gimmicks, die den Eindruck zerstören könnten, wie ein Ort tatsächlich ist. Fischaugen-Aufnahmen zum Beispiel. Und wir versuchen, Details eines Raumes einzufangen.

SPIEGEL ONLINE: Was denn zum Beispiel?

Schapiro: Etwa einen Küchentresen, ganz nah - einfach etwas, das einen intimeren Eindruck von einem Ort ermöglicht und dem man auch begegnet, wenn man dort wohnt. Das hilft, die Geschichte des Ortes zu erzählen.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es kulturbedingte Unterschiede, wie man die Zimmer in den vielen verschiedenen Gastgeberländern fotografiert?

Schapiro: Ja, in Kopenhagen zum Beispiel gibt es viele helle, weiße Wände und große Räume. Fotos in Städten wie Tokio zu machen, ist eine ganz andere Herausforderung, weil dort die Wohnungen meist sehr klein sind. Die Fotografen werden von unseren auf Regionen spezialisierten Bildredakteuren geschult.

SPIEGEL ONLINE: Worauf sollten Gastgeber, die eigene Fotos von ihren Räumen machen, unbedingt achten?

Schapiro: Wichtig ist, dass die Bilder das gesamte Angebot zeigen und dem Gast ein gutes Gefühl für den Ort geben. Die Gastgeber sollten über ihre Unterkunft nachdenken, bevor sie diese fotografieren - also etwa zu welcher Tageszeit sie das machen, wie sie die Dinge im Raum positionieren oder wie sauber dieser ist.

SPIEGEL ONLINE: Was sind denn die schlimmsten Tücken bei solchen Innenaufnahmen?

Schapiro: Das Licht ist eine große Herausforderung. Wer kein Profi-Fotograf ist, hat oft Schwierigkeiten, sich für die richtige Tageszeit zu entscheiden oder überhaupt zu sehen, wie das an dem Ort herrschende Licht die Aufnahmen beeinflusst.

SPIEGEL ONLINE: Ist bei Airbnb irgendetwas verboten? Dürfen Tiere auf den Bildern zu sehen sein? Menschen?

Schapiro: Wichtig ist immer, warum etwas zu sehen sein soll. Wenn der Gast die Unterkunft mit dem Gastgeber teilt, ist es sinnvoll, diesen auch zu zeigen. Das Gleiche gilt für Haustiere. Wenn etwas Teil der Reiseerfahrung ist, soll es auch auf den Fotos zu sehen sein. Unsere besten Gastgeber sind jene, die sich in andere hineinversetzen, sich vorstellen können, wie andere einen Ort wahrnehmen, und sich dessen auch beim Fotografieren bewusst sind.

SPIEGEL ONLINE: Warum bieten Sie Ihren Service kostenlos an?

Schapiro: Weil wir den Nutzern unserer Plattform darüber eine einheitliche Reiseerfahrung bieten können, und weil das Programm tatsächlich auch Ausdruck der Partnerschaft mit unseren Gastgebern ist.

SPIEGEL ONLINE: Was gibt Airbnb dafür jährlich aus?

Schapiro: Ich kenne die genauen Zahlen nicht, aber für uns lohnt sich das in jedem Fall.

SPIEGEL ONLINE: Sie sagen zwar, Ihre Fotografen ändern in einem Raum höchstens Details, bevor sie ihn fotografieren. Trotzdem: Ein tolles Foto ist oft doch schöner als die Realität. Haben Sie keine Bedenken, dass die Gäste am Ende doch enttäuscht sind?

Schapiro: Nein. Für den besten Eindruck von einer Unterkunft sollte man den gesamten Eintrag samt der Bewertungen durchlesen. Reisende beziehen sich darin ja oft auch auf die Fotos - ob ein Ort beim Besuch genauso aussah wie auf den Bildern oder eben nicht.

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insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
karlsiegfried 13.03.2015
1. Und was ist mit der Einwilligung ...
... des Wohnugseigentümers? Hiemit ist nicht der Mieter, sondern der Wohungseigentümer gemeint. Dieser kann gegen derartige Vermietungen vorgehen.
berufskonsument 13.03.2015
2.
Zitat von karlsiegfried... des Wohnugseigentümers? Hiemit ist nicht der Mieter, sondern der Wohungseigentümer gemeint. Dieser kann gegen derartige Vermietungen vorgehen.
Im Artikel geht es um Fotos. Dagegen kann der Wohnungseigentümer wohl nicht vorgehen.
Stefan Schulz 13.03.2015
3.
Zitat von karlsiegfried... des Wohnugseigentümers? Hiemit ist nicht der Mieter, sondern der Wohungseigentümer gemeint. Dieser kann gegen derartige Vermietungen vorgehen.
Die Einwilligung der Wohnungseigentümer liegt vor. Die der jeweiligen Mieter nicht.
Minette 13.03.2015
4. Artikel nicht gelesen.....
aber ich bin soo gegen airbnb, daß mir alles hoch kommt.Wieso wird einen Sache verherrlicht und mit Tips versehen, die eine einzige Sauerei ist? Da kaufen reiche Menschen Wohnungen - als Privat Whg getarnt - auf, möblieren sie, vermieten sie und machen die dicksten Geschäfte. Lesen Sie nach, wieviel die Menschen verdienen, airbnb an erster Stelle! Und unterliegen keinerlei Auflagen: keine Steuern, keine Auflagen in Form von Hygienevorschriften usw usw... Also cash in die Täsch!! Und die braven Pensions- B&B - Hotelbetreiber? Die fallen irgendwann halbwegs hintenüber, ich denke, die Reichen dieser Welt werden nach wie vor im Luxushotel nächtigen und nicht in der Bude von..... Aber auch diese "Buden" sind in Luxusausführung zu bekommen. Letztlich ist es eine unfaire Sache, nicht seriös. Bin gespannt, ob Beitrag veröffentlicht wird, die letzten wurden es nicht - zu andern Themen
bjbehr 13.03.2015
5. Glaube an die Vernunft
Liebe Minette! Koennen Sie sich vorstellen, dass Langmieter, die z.B. zu zweit und nunmehr solo in einer eigentlich zu großen Wohnung leben, dessen sie sich sogar bewusst sind und wissen, wenn sie umziehen wuerden, ungleich mehr Miete bezahlen muessten (oder sie sich gar nicht leisten koennten), so sie denn ueberhaupt bezahlbaren Wohnraum faenden und deshalb einen Teil ihrer Wohnung an Gaeste abgeben (das Zweckentfremdungsgesetz beim Mitbewohnen deshalb nicht greift), diese Gaeste, die die Anonymitaet von Hotels nicht moegen, begeistert sind, weil ihre Gastgeber sich Ihre geforderten "Auflagen" nach "Hygienevorschriften usw usw" selbst auferlegen und zu Profis in Sachen Putzen, Ordnung, Sauberkeit und Servicebewusstsein (inkl. Steuerabgaben!) geworden sind? Schauen Sie sich zudem die Uebernachtungsstatistiken der "braven Pensions- und B&B-Hotelbetreiber" an: Sie zeigen steigende Tendenzen. Warum? Weil beide von voellig verschiedenen Klientels bedient werden, die sich schlicht nicht ins Gehege kommen. Sie koennen deshalb wieder runterkommen von Ihren Kraftausdruecken wie "mir kommt alles hoch" oder "Sauerei", da ich davon ausgehe, dass Sie das verstanden haben.
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