Erster Airbus A350 von Finnair Nordlichter in der Kabine

Als erste europäische Airline fliegt Finnair den neuen Langstrecken-Airbus A350. Der Hingucker beim Probeflug: die Lichtshow in der Kabine.

Von Andreas Spaeth

Airbus

Vertti Kivi entwirft in seiner Firma in Helsinki normalerweise die Interieurs für Kreuzfahrtschiffe und Boutique-Hotels. Nun aber sitzt der 44-jährige Finne auf Platz 5K in der Businessclass des nagelneuen Airbus A350 der Finnair auf dem Weg von Toulouse nach Helsinki. "An dieser Kabineneinrichtung habe ich vier Jahre gearbeitet", sagt Kivi.

Es sieht nicht auffällig anders aus als in den meisten modernen Flugzeugen: blauer Teppich, dezent graue Sitze, weiße Wände und Decken. "Hier geht es vor allem darum, die nordische Herkunft von Finnair zu betonen. Am besten geht das mit unserer Lightshow", sagt der Designer.

Eine Stimmungsbeleuchtung aus LED-Leuchten bieten fast alle Großraumjets neuester Bauart, sie soll Jetlag vermindern helfen. Dcoh jetzt, beim Landeanflug auf Helsinki, zeigt Kivi seinen ganzen Stolz: grüne Lichtbänder wandern über die Gepäckablagen an der Kabinendecke. "Das sind Nordlichter", erklärt er. Selbst Passagiere, die schon die echte Aurora-Borealis-Lichterscheinung betrachten durften, sind beeindruckt.

Grünblau bei der Landung: So sieht das Finnair-Lichtkonzept aus
Andreas Spaeth

Grünblau bei der Landung: So sieht das Finnair-Lichtkonzept aus

Fast 800 Vorbestellungen bei Airbus

Finnair ist der erste europäische Betreiber des neuen Langstrecken-Airbus'. Die Fluggesellschaft hat insgesamt 19 Exemplare bestellt, vier davon erhält sie noch in diesem Jahr. Die jüngste Generation sparsamer Langstreckenjets für rund 325 Passagiere verkauft sich gut bei Airbus: 783 Stück wurden bisher von 41 Airlines bestellt. Die Lufthansa erhält 2016 ihren ersten von 25 georderten A350.

Finnair will mit dem neuen Modell das Asiengeschäft bis 2020 verdoppeln. Bis jetzt bedient die Airline 17 Städte in Asien, die sie via Helsinki mit ganz Europa verbindet. Ab dem 21. November fliegt der erste A350 planmäßig nach Shanghai. In den nächsten Wochen wird er zunächst an verschiedenen europäischen Zielen vorgeführt, darunter am Sonntag in Hamburg und am 19. Oktober in Frankfurt. Am Rhein-Main-Flughafen wird er möglicherweise weniger Aufsehen erregen, denn dort ist der A350 bereits regelmäßig anzutreffen. Qatar Airways hatte die Weltneuheit bereits im Dezember 2014 erhalten und im Januar in Betrieb genommen.

Qatar betreibt derzeit vier A350 und fliegt damit unter anderem täglich von Doha nach Frankfurt und München. "Damit wollen wir Salz in die Wunden der Lufthansa streuen", hatte Qatar-Airways-Chef Akbar al-Baker mit einiger Häme zum Start am Drehkreuz der größten deutschen Fluggesellschaft erklärt.

Auch Vietnam Airlines verfügt schon über zwei Maschinen des neuen Typs. Beide Airlines allerdings setzen auch das Konkurrenzprodukt von Boeing ein, die 787, genannt "Dreamliner".

Duell der Flüsterflieger

Airbus hat im Kampf gegen den "Dreamliner" einiges aufzuholen. Seit 2011 wurden bereits über 330 dieser Boeings an 32 Fluggesellschaften ausgeliefert.

Wie die 787 ist der A350 extrem leise, sowohl für Flughafenanwohner als auch für Passagiere. Selbst beim Start kann man sich in gedämpftem Tonfall mit seinem Nachbarn unterhalten, die Triebwerke sind kaum zu hören. Beide Flugzeuge sind zu großen Teilen aus Kohlefaserverbundstoff anstelle von Aluminium gebaut, was einen höheren Kabinendruck und höhere Luftfeuchtigkeit an Bord ermöglicht.

Vielflieger schwören, dass es ihnen nach einem Langstreckenflug in der 787 oder dem A350 besser geht, als wenn sie mit einem anderen Flugzeugtyp unterwegs sind. Letztlich ist das jedoch subjektiv unterschiedlich.

Beide Flugzeuge haben auch wesentlich größere Fenster, sodass sich selbst von Plätzen in der Mitte der Kabine aus noch der Horizont erahnen lässt - besonders gut in der 787, die noch etwas weiter heruntergezogene Fenster hat. Außerdem verfügt die Boeing über elektro-chromatische Dimmer, mit denen sich die Scheibe auf Knopfdruck abdunkeln lässt.

"Zu reparaturanfällig", heißt es bei Airbus, im A350 gibt es nur die normalen Sichtblenden. Nicht mithalten kann der A350 auch bei der Toilettenspülung. Im "Dreamliner" wird automatisch und sanft der Klodeckel heruntergeklappt, bevor die Spülung auslöst. Im A350 dagegen rauscht und zischt es wie eh und je.

Dafür soll es bei Finnair in der Businessclass erstmals eine Damentoilette geben - "je nach Anzahl der Damen in der vorderen Kabine, und dann auch mit zusätzlichen Kosmetikartikeln", erklärt eine Flugbegleiterin.

Eine Klasse tiefer, in der Economy Comfort mit 43 Sitzen, bieten die Skandinavier eine besonders gute Leistung für den Preis: Bis zu zehn Zentimeter mehr Beinfreiheit (fast 90 Zentimeter gegenüber rund 80) bei ansonstem gleichem Service und identischen Sitzen - für gerade mal 60 bis 80 Euro Aufpreis pro Strecke. Zum Vergleich: Lufthansa verlangt für ihre Premium Economy (mit allerdings noch großzügigeren Sitzen und einem besseren Bordmenü) rund 700 Euro mehr für Hin- und Rückflug als in der Economy, wenn man beispielsweise eine Reise nach Hongkong bucht.

Sowohl der "Dreamliner" als auch der A350 bieten moderne Bordunterhaltung auf großzügigen Bildschirmen an jedem Platz. Besonders gelungen sind die interaktiven Flugkarten, deren Perspektive und Auflösung sich am Touchscreen per Wischen ändern läßt.

Das markanteste Designmerkmal des A350 ist jedoch ein anderes, und es stammt nicht von Vertti Kivi: Die in eleganter Kurve nach oben geknickten Flügelenden, die sogenannten Winglets zum Spritsparen, sind besonders formschön ausgefallen.



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insgesamt 58 Beiträge
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fridayn 09.10.2015
1. Wer findet den Fehler?
Europa-Premiere des Airbus A350 Am Rhein-Main-Flughafen wird er möglicherweise weniger Aufsehen erregen, denn dort ist der A350 bereits regelmäßig anzutreffen. Qatar Airways hatte die Weltneuheit bereits im Dezember 2014 erhalten und im Januar in Betrieb genommen.
Flying Rain 09.10.2015
2. Schade
Schade dass man die dimmbaren Fenster weggelassen hatt welche einfach deutlich angenehmer sind als die normalen weil es eben nicht nur hell und dunkel gibt und man sie sehr angenehm einstelleb kann...
bjuv 09.10.2015
3. Für mich als langem Mensch zählt einzig der Sitzabstand
da wird mit der Konkurrenz verglichen undd ggf die B-Class gebucht - meist eine außereurop. Airline. Die ist dann meist trotzden billiger als die Premium-Eco bei LH.
kiwi_2106 09.10.2015
4.
Icelandair benutzt übrigens schon seit ein paar Wochen so ein Lichterkonzept im Innenraum (Hekla-Flugzeug!)
Pedronini 09.10.2015
5. #1
Klären sie uns auf!?
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