Flug verpasst Airline muss bei Streik von Sicherheitspersonal nicht zahlen

Ein Streik am Flughafen verzögerte den Start in den Ägypten-Urlaub: Ein Paar hat seinen Flug verpasst und Ersatzflüge bezahlt. Die Airline jedoch muss die Kosten nicht ersetzen, urteilte ein Amtsgericht.


Hamburg - Eine Airline kann nicht für einen Streik des Sicherheitspersonals am Flughafen verantwortlich gemacht werden. Sie hat nämlich keine Möglichkeit, die nötigen Kontrollen mit eigenem Personal durchzuführen. Das entschied das Amtsgericht Hamburg. Auf das Urteil weist die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in ihrer Zeitschrift "ReiseRecht aktuell" hin.

In dem verhandelten Fall wollte ein Paar um 6.30 Uhr von Hamburg nach Nürnberg und von dort weiter nach Hurghada am Roten Meer fliegen. Wegen eines am Vortag angekündigten Streiks des Sicherheitspersonals standen die beiden von 4 bis 8 Uhr in der Warteschlange vor der Kontrolle und verpassten ihren Flieger. Dieser landete mit einer Stunde und 20 Minuten Verspätung in Nürnberg. Das Paar flog daraufhin über Frankfurt nach Ägypten.

Der verantwortliche Reiseveranstalter überwies eine Gutschrift wegen entgangener Urlaubsfreuden. Die Klägerin jedoch verlangte von der Fluggesellschaft den vollen Preis der Ersatzflüge und eine Ausgleichszahlung nach EU-Recht wegen der verzögerten Reise.

Das Gericht wies die Klage ab. Der Flug sei weder annulliert worden, noch habe eine Verspätung vorgelegen, die eine Ausgleichszahlung rechtfertigen würde. Von einer absichtlichen Nichtbeförderung könne auch keine Rede sein, da das Paar nicht am Flugsteig eintraf, sondern lediglich bei der Sicherheitskontrolle. Diese wird durch eine private Firma im Auftrag der Bundespolizei durchgeführt. Weder der Flughafen noch einzelne Airlines hätten Einfluss auf die Abläufe.

Amtsgericht Hamburg, Aktenzeichen 36a C 462/13

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Mertrager 08.01.2015
1. Im Ergebnis zahlt der Bürger
Welche juristischen Klimmtzüge dazu herhalten ist im Ergebnis ohne Belang. Den geschädigten Bürger trifft wohl keinerlei Verschulden.
smokiebrandy 08.01.2015
2. dann zahlt halt die private Sicherheitsfirma...
...das hätte das Gericht auch gleich entscheiden können, oder die Bundespolizei, die diese Firma ja beauftragt hat...
spon-1280943165745 08.01.2015
3. Mit der Bahn nach Nürnberg fahren!
Zitat von MertragerWelche juristischen Klimmtzüge dazu herhalten ist im Ergebnis ohne Belang. Den geschädigten Bürger trifft wohl keinerlei Verschulden.
Das sehe ich etwas anders, m.E. trifft das Ehepaar eine Mitschuld. Da die Dauer der Sicherheitskontrolle auf Grund des Streiks nicht kalkulierbar war, wäre es sicher besser gewesen mit der Bahn nach Nürnberg zu fahren.
kumi-ori 08.01.2015
4.
Warum muss das eigentlich nicht die Bundespolizei bezahlen? Die hat ja schließlich ihren Pflichten nicht genügt. Dass die Bundespolizei ihre hoheitlichen Verpflichtungen an ein schmieriges Privatunternehmen auslagert, entbindet sie doch nicht von ihrer Verantwortung.
spon-1280943165745 08.01.2015
5. Streikfolgekosten
Die Frage kann ich beantworten. Es handelte sich um eine legale Streikaktion und kein Unternehmen oder auch staatliche Stelle bezahlt solche Folgekosten. Das ist - leider - immer Sache des Geschädigten. In diesem Zusammenhang stellt sich für mich folgende Frage: Warum hat eigentlich das Reiseunternehmen etwas gezahlt? Die hatten doch noch weniger Einfluss auf diesem Zubringerflug. Wenn dann hat man m.E. nur aus Kulanz etwas gezahlt.
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