Neues Urteil Airline muss Flugpreis bei Stornierung zurückzahlen

Die Rechte der Passagiere werden gestärkt: Das Landgericht Frankfurt am Main hat entschieden, dass eine Airline den kompletten Flugpreis zurückzahlen muss, wenn ein Passagier den Flug von sich aus storniert.

Flugzeug am Himmel: Storniert der Passagier seinen Flug, hat er nun ein Recht auf Rückzahlung der Flugkosten.
DPA

Flugzeug am Himmel: Storniert der Passagier seinen Flug, hat er nun ein Recht auf Rückzahlung der Flugkosten.


Frankfurt/Main - Eine Airline muss den kompletten Flugpreis zurückzahlen, wenn ein Passagier den Flug von sich aus storniert. Das hat das Landgericht Frankfurt am Main entschieden. Bisher weigerten sich Airlines meist, in einem solchen Fall zu zahlen. Die Kunden sahen selten ihr Geld wieder, oft wurden nicht einmal Steuern und Gebühren erstattet.

Jetzt hat der Passagier Anspruch auf zumindest einen Teil des Flugpreises, selbst wenn die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Fluggesellschaft vorsehen, dass dieser nicht erstattet wird, etwa bei nicht flexiblen Tarifen. Passagiere können sich nach Einschätzung des Reiserechtlers Paul Degott künftig bei Streitfällen darauf berufen. Das gilt auch rückwirkend bis zu drei Jahre.

In dem verhandelten Fall hatte die Klägerin bei der Airline Flüge in einem Gesamtwert von 604,32 Euro gekauft. Sie stornierte jedoch den Flug und kündigte den Beförderungsvertrag. Von der Airline forderte sie die Rückzahlung des Flugpreises.

Wie die Richter entschieden, muss die Airline in solchen Fällen mit dem Fluggast abrechnen. Unter anderem muss sie darlegen, ob und wenn ja zu welchem Preis sie die stornierten Flugtickets an Dritte weiterverkaufen konnte.

In dem vorliegenden Fall hatte die Klägerin Tickets gebucht, aber mehr als ein halbes Jahr vor dem Flug wieder storniert. Deshalb ist nach Einschätzungen davon auszugehen, dass die Flüge mindestens zu dem ursprünglichen Preis weiterverkauft werden konnten. Da die Airline auf Aufforderung des Gerichts nicht das Gegenteil belegte, wurde sie zur Rückzahlung des vollen Flugpreises verurteilt.

Ein ebenfalls wichtiger Aspekt des Urteils ist laut Degott, dass überhaupt ein deutsches Gericht für den Fall zuständig war. Die Airline mit Sitz in Italien berief sich darauf, dass der Gerichtsstand in Italien liegt. Dem widersprachen die Richter: Eine Person oder ein Unternehmen mit Sitz in einem Mitgliedsland der EU könne auch in einem anderen Staat verklagt werden, wenn sie dort eine Dienstleistung erbringt. Das war im vorliegenden Fall so: Der Flug sollte in Deutschland starten.

jkö/dpa

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
oliver.lohrenz 04.07.2014
1. Vollkommen weltfremd
Zitat von sysopDPADie Rechte der Passagiere werden gestärkt: Das Landgericht Frankfurt am Main hat entschieden, dass eine Airline den kompletten Flugpreis zurückzahlen muss, wenn ein Passagier den Flug von sich aus storniert. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/airline-muss-flugpreis-bei-stornierung-zurueckzahlen-a-979245.html
Flexible Tickets sind ja aus gutem Grund deutlich teurer als die weniger flexiblen. Jetzt wird mal eben definiert, das alle Tickets flexibel sein sollen. Die Auslastungsplanung wird damit zu einem Lotteriespiel, die aufgrund ihrer Einschränkungen günstigeren Tickets machen keinen Sinn mehr und werden teurer. Wenn man jetzt noch berücksichtigt, dass das Fluggeschäft nun einmal primär international ist, fragt man sich echt, nach welcher Berechtigung mal eben so das weltweit übliche Geschäftsmodell von Airlines über den Haufen geworfen werden soll. Will ich flexibel, buche ich flexibel. Will ich es nicht, muss ich damit leben, mal dann und wann nur Steuern zurückzubekommen. Selbst das ist bereits im Ausland völlig unüblich. (Man kann auch mal versuchen, von der Bahn Tickets mit Zugbindung erstattet zu bekommen. Ich wünsche viel Vergnügen.) Nur mal so als Hinweis: Ein Flug ist etwa ein Jahr im Voraus buchbar. Je nach Tarif müssen nicht sofort die Tickets ausgestellt werden, bzw. zwischen Buchung und Ticketausstellung dürfen ein paar Stunden liegen. In der Zeit wird gerade auf internationalen Strecken jenseits des Ferienfliegers jeder Sitz mehrmals gebucht und wieder storniert; der Anteil von Stornos und kostenpflichtigen Umbuchungen ist mir nicht bekannt, aber definitiv nicht ganz unerheblich.
c00 04.07.2014
2.
Zitat von oliver.lohrenzFlexible Tickets sind ja aus gutem Grund deutlich teurer als die weniger flexiblen. Jetzt wird mal eben definiert, das alle Tickets flexibel sein sollen. Die Auslastungsplanung wird damit zu einem Lotteriespiel, die aufgrund ihrer Einschränkungen günstigeren Tickets machen keinen Sinn mehr und werden teurer. Wenn man jetzt noch berücksichtigt, dass das Fluggeschäft nun einmal primär international ist, fragt man sich echt, nach welcher Berechtigung mal eben so das weltweit übliche Geschäftsmodell von Airlines über den Haufen geworfen werden soll. Will ich flexibel, buche ich flexibel. Will ich es nicht, muss ich damit leben, mal dann und wann nur Steuern zurückzubekommen. Selbst das ist bereits im Ausland völlig unüblich. (Man kann auch mal versuchen, von der Bahn Tickets mit Zugbindung erstattet zu bekommen. Ich wünsche viel Vergnügen.) Nur mal so als Hinweis: Ein Flug ist etwa ein Jahr im Voraus buchbar. Je nach Tarif müssen nicht sofort die Tickets ausgestellt werden, bzw. zwischen Buchung und Ticketausstellung dürfen ein paar Stunden liegen. In der Zeit wird gerade auf internationalen Strecken jenseits des Ferienfliegers jeder Sitz mehrmals gebucht und wieder storniert; der Anteil von Stornos und kostenpflichtigen Umbuchungen ist mir nicht bekannt, aber definitiv nicht ganz unerheblich.
geht bis zum Tag vor der Abreise, abzüglich 15€ Gebühren. Finde das Urteil auch weltfremd, aber dass einige Fluglinien wie z.B. die Lufthansa bei Storno die eh schon gewürfelten und dann nicht anfallenden Kerosingebühren einbehalten schlicht frech.
ollihasenohr 04.07.2014
3. Geschäftsmodell
@oliver.lohrenz Über 600 € zahlen müssen ohne irgendeine Leistungserbringung? Da ist es doch gut das solche "üblichen" Geschäftsmodelle mal reviiderte werden. Leider nicht ganz freiwillig. Habe übrigens schon mehrfach bei der Bahn Tickets mit Zugbindung storniert. Geht mit einem Klick und kostet pauschal 15,- €. Normale Tickets können sogar noch nach dem nicht antreten eine Fahrt storniert werden. Da sage ich nur geht doch.
quark@mailinator.com 04.07.2014
4. Endlich
Sowas kommt von sowas. Nur weil Unternehmen, gerade auch immer die Großunternehmen, sich die Frechheit erlauben, mit ihren Kunden nicht fair umzugehen, muß es erst zu solchen Urteilen kommen. Es ist einfach nicht OK, dem Kunden eine vernünftige Stornierung zu verweigern. Vielmehr muß ordentlich abgerechnet werden.
Pfeiffer mit drei F 05.07.2014
5.
Zitat von oliver.lohrenzFlexible Tickets sind ja aus gutem Grund deutlich teurer als die weniger flexiblen. Jetzt wird mal eben definiert, das alle Tickets flexibel sein sollen. Die Auslastungsplanung wird damit zu einem Lotteriespiel, die aufgrund ihrer Einschränkungen günstigeren Tickets machen keinen Sinn mehr und werden teurer. Wenn man jetzt noch berücksichtigt, dass das Fluggeschäft nun einmal primär international ist, fragt man sich echt, nach welcher Berechtigung mal eben so das weltweit übliche Geschäftsmodell von Airlines über den Haufen geworfen werden soll. Will ich flexibel, buche ich flexibel. Will ich es nicht, muss ich damit leben, mal dann und wann nur Steuern zurückzubekommen. Selbst das ist bereits im Ausland völlig unüblich. (Man kann auch mal versuchen, von der Bahn Tickets mit Zugbindung erstattet zu bekommen. Ich wünsche viel Vergnügen.) Nur mal so als Hinweis: Ein Flug ist etwa ein Jahr im Voraus buchbar. Je nach Tarif müssen nicht sofort die Tickets ausgestellt werden, bzw. zwischen Buchung und Ticketausstellung dürfen ein paar Stunden liegen. In der Zeit wird gerade auf internationalen Strecken jenseits des Ferienfliegers jeder Sitz mehrmals gebucht und wieder storniert; der Anteil von Stornos und kostenpflichtigen Umbuchungen ist mir nicht bekannt, aber definitiv nicht ganz unerheblich.
Flexible Tickets sind flexibel, können also kostenlos storniert und auch kostenlos umgebucht werden. Eine Stornierung Monate vorher hat nicht im Geringsten mit Flexibilität zu tun. Der gebuchte Platz kann dann locker noch an einen anderen Fluggast verkauft werden. Bei einer Stornierung wenige Stunden oder Tage vor dem Flug wäre das etwas anderes. Und hier liegt dann auch der große Unterschied.
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