Frankfurt am Main - Das große Chaos ist bislang ausgeblieben. Verlorene Seelen finden sich nicht in den Terminals des Frankfurter Flughafens. Nur wenige Reisende sind wirklich gestrandet. Lange Schlangen an den Schaltern der Airlines bildeten sich nur am Morgen. Der seit Donnerstag andauernde Streik der 200 Beschäftigten auf und am Rollfeld scheint den Betrieb nur minimal zu stören. Deutschlands wichtigstes Luftfahrt-Drehkreuz funktioniert.
Sowohl Fluggesellschaften als auch der Flughafenbetreiber Fraport haben sich offensichtlich gut auf die Arbeitsniederlegungen vorbereitet. Zwar wurden am Freitag, dem zweiten Streiktag, 295 von rund 1082 geplanten Flügen, gestrichen, betroffen sind allerdings hauptsächlich Kurz- und Mittelstreckenflüge. Die Langstrecken werden laut einer Fraport-Sprecherin ohne Probleme bedient.
Der Flughafenbetreiber hatte angekündigt, mindestens 50 Prozent aller Starts und Landungen am Freitag abwickeln zu können. Dabei ist es geblieben. Und so manch ein Flug hob ab, der zuvor auf der Streichliste stand. "Wir sind eigentlich ganz glücklich mit dem bisherigen Verlauf des Streiks", sagte eine Fraport-Mitarbeiterin SPIEGEL ONLINE.
Seit Donnerstag hat Fraport Ersatzpersonal im Einsatz, das auf dem Vorfeld die Aufsicht und Follow-Me-Fahrten übernimmt. Die kurzfristig ans Rollfeld versetzten Arbeitskräfte scheinen ihre Aufgabe gut zu bewältigen. Die "Lernkurve" dieser Mitarbeiter zeige steil nach oben, hat Peter Schmitz vom Fraport-Vorstand bereits am Donnerstag bilanziert.
Auch bei der Lufthansa zeigt man sich trotz des Ausstandes entspannt. Die deutsche Fluggesellschaft ist am stärksten vom Streik des Fraport-Personals betroffen und musste am Freitag 250 Flüge annullieren. "Wir haben allerdings rechtzeitig unsere Kunden über die Streichungen informiert", sagte eine Sprecherin SPIEGEL ONLINE. "Unsere Passagiere konnten sich gut darauf einstellen."
Weiterhin wurden Schalter nur für Umbuchungen reserviert, Flugtickets konnten in Bahnfahrkarten umgewandelt werden. In den Zügen der Bahn wurde es deswegen aber auch eng. Nach Angaben eines Bahnsprechers mussten aber keine Züge gestoppt oder gar geräumt werden. Besonders auf den Strecken von Frankfurt nach Hamburg und München sei der Andrang jedoch groß gewesen, die Bahn habe einzelne Züge verlängert. Die Zugreserven sind den Angaben zufolge aber derzeit ohnehin knapp, ganz besonders an den verkehrsreichen Freitagnachmittagen.
Weitere Streiks für die kommende Woche angekündigt
Für das Wochenende sind von der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) keine weiteren Streiks geplant. Danach kündigte sie allerdings eine härtere Gangart an. Wenn der Betreiber Fraport nicht einlenke, werde "definitiv" weitergestreikt, sagte der Tarifvorstand der GdF, Markus Siebers, am Freitag.
Siebers sagte, die Gewerkschaft werde im Falle eines erneuten Ausstands 24 Stunden vor Beginn warnen und möglicherweise die Streikdauer ausdehnen. Von Donnerstag auf Freitag hatte die GdF die Streikdauer bereits von 7 auf 14 Stunden verdoppelt.
Die Fraport forderte die GdF auf, kompromissbereit an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Ohne Rücksicht auf die Passagiere sowie die Fluggesellschaften und unsere Beschäftigten beharrt die GdF auf ihren überzogenen Forderungen. Dies ist ein inakzeptables Verhalten", erklärte ein Sprecher des Unternehmens.
Man sei auch auf einen längeren Arbeitskampf eingerichtet und schule weiteres Personal, um die streikenden Vorfeldleute ersetzen zu können. Dafür sei bislang ausschließlich eigenes Personal eingesetzt worden, das früher selbst einmal auf dem Vorfeld gearbeitet habe.
Der zweitägige Streik am Frankfurter Flughafen hat den Betreiber Fraport bisher bis zu vier Millionen Euro gekostet. "Die Verluste der Airlines sind darin nicht eingerechnet", sagte ein Fraport-Sprecher am Freitagnachmittag. Nach Angaben der Lufthansa ist der ihr entstandene Verlust noch nicht ermittelt.
dkr/dpa
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