Aktion "Art Everywhere" in den USA Raus aus dem Museum, hin zu den Menschen

Kunst statt Werbung: Die Aktion "Art Everywhere" bringt in den USA einige der wichtigsten Kunstwerke des Landes auf Plakatwände. Gemälde, die sonst nur im Museum zu sehen sind, hängen jetzt an Haltestellen und Fassaden.

DPA

Bushaltestellen, Plakatwände über Autobahnen und an den breiten amerikanischen Straßen, Fassaden und Litfaßsäulen - das sind nicht gerade die typischen Orte für Kunst im klassischen Sinn. An solchen Orten vermutet man klassische Werbung, vielleicht noch Street Art. Aber Ölgemälde? Eher nicht, zumindest bis jetzt. Denn die Aktion "Art Everywhere" nutzt in den USA derzeit genau diese Flächen, um einen Teil der berühmtesten Kunstwerke des Landes ans Volk zu bringen.

58 ausgewählte Motive, die sonst nur in den fünf teilnehmenden Museen zu bewundern sind, werden bei dem Projekt an Tausenden solcher Orte in allen US-Bundesstaaten neu und in Großformaten präsentiert - zwischen Plakaten für Fast Food, Limonade, Mode und was sonst an Konsumgütern noch so auf den Reklametafeln angepriesen wird. Die Bilder stehen dabei für sich, nur ein weißer Streifen am Rand weist auf die Aussteller hin. Die Schau, die wohl größte Werbeaktion für Kunst überhaupt, dauert noch bis Ende August.

Statt in oft steril wirkenden Museumsräumen, die ohnehin meist nur Angehörige privilegierterer Schichten besuchen, hängen die übergroßen Kopien in dieser Zeit mitten im amerikanischen Alltag. Die Ausstellung biete eine "beispiellose Gelegenheit, Millionen von Amerikanern und Besuchern des Landes" mit einigen der besten Kunstwerke des Landes vertraut zu machen, schreiben die Veranstalter.

Die erste "Art Everywhere" fand 2013 in Großbritannien statt

Unter den Werken, die über eine öffentliche Abstimmung aus einer Auswahl von 100 Vorschlägen bestimmt wurden, sind moderne Kunstwerke von Andy Warhol, Roy Lichtenstein und Robert Mapplethorpe, aber auch Gilbert Stuarts berühmtes Porträt von George Washington aus dem Jahr 1821 ziert jetzt Häuser und Plakatwände.

Das Projekt enthält zudem einen interaktiven Teil, der die Menschen zu Schatzsuchern werden lässt. Auf einer Karte sind alle Standorte der Großkunstwerke hinterlegt. Trotzdem muss man oft ein bisschen suchen, bis man sie entdeckt. Wer ein Bild ausgemacht hat, so der Aufruf der Ausstellungsmacher, soll sich davor fotografieren und das Bild über Instagram oder Twitter verbreiten. Die besten Fotos werden mit einem von zehn der übergroßen Poster prämiert.

Die erste "Art Everywhere"-Aktion fand im vergangenen Jahr in Großbritannien statt - mit Erfolg offenbar. Zumindest wird dort auch in diesem Sommer wieder im Freien ausgestellt: 25 Kunstwerke sind diesmal dabei, gedruckt auf 30.000 Plakate - und auch die britischen Betrachter tragen wie jene in den USA fleißig dazu bei, dass die Kunstwerke und ihre Standorte durch ihre Smartphone-Aufnahmen noch bekannter werden.

emt

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