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11. Januar 2013, 12:24 Uhr

Urlaubsangebote von Aldi & Co.

Die teuren Reisen der Discounter

Von Denis Krick

Wer die Preise nicht vergleicht, ist selber schuld: Pauschalreisen aus dem Supermarkt sind oft keineswegs die günstigste Art, um in den Urlaub zu fliegen. Wer blind auf das Billig-Image eines Discounters vertraut, zahlt schnell drauf.

Egal ob Butter, Tiefkühlpizza oder Bananen: Für einen günstigen Einkauf geht man zum Discounter. Längst ist das Angebot nicht mehr auf Lebensmittel beschränkt, das Günstig-Image wird auch auf Mobilfunkverträge, Laptops und sogar Reisen übertragen. Letztere sind allerdings nicht immer die Schnäppchen, die sie zu sein scheinen. Das hat ein Test der Zeitschrift "Clever reisen!" ergeben.

Die Duisburger Redaktion verglich für die aktuelle Ausgabe stichprobenartig die Preise der Pauschalreiseangebote von sechs großen deutschen Discountern (Aldi, Rewe, Lidl, Plus, Netto, Penny) sowie des Handelskonzerns Tchibo. Für die Testbuchungen wählte man Badeurlaube für zwei Personen aus.

"Das Ergebnis hat uns mit den Ohren schlackern lassen", sagt "Clever reisen!"-Chefredakteur Jürgen Zupancic SPIEGEL ONLINE. Für sämtliche Angebote aus dem Supermarkt fanden sich durch einen simplen Preisvergleich im Internet günstigere Angebote von bekannten Veranstaltern - teilweise mit den identischen Fluglinien und Hotels. "Eine wirkliche Überraschung", sagt Zupancic.

Bereits 2007 hatte "Clever reisen!" die damals noch recht neuen Urlaubsangebote der Discounter überprüft. "Das Ergebnis war zu dieser Zeit in Ordnung", sagt Zupancic. "Wahrscheinlich, weil die Preise bewusst niedrig kalkuliert wurden, um in den Reisemarkt zu drängen."

Angebote nicht vergleichbar?

Doch wie erklärt sich Zupancic die teuren Angebote von Aldi & Co.? "Ich kann es nicht", sagt der Chefredakteur. "Da müssen Sie die Discounter fragen." Hinter den meisten Urlaubsangeboten in den Supermärkten stünden allerdings Tochterfirmen großer Touristikunternehmen wie TUI, FTI oder Thomas Cook, die die Ladenketten als Vertriebskanäle nutzen würden. "Wahrscheinlich wird da mit anderen Gewinnmargen kalkuliert als in den Reisebüros", sagt Zupancic.

Eine Sprecherin von Netto Marken-Discount bedauerte das Testergebnis von "Clever reisen!". Bei dem Angebot würde es sich allerdings um einen Einzelfall handeln. Der Vertrag mit dem kooperierenden Reiseveranstalter sehe vor, dass die Preise der Netto-Urlaube unter dem Branchendurchschnitt liegen. Man habe erneut alle Preise und Leistungen der angebotenen Reisen verglichen.

Aldi Süd reagierte gelassen. Das Angebot des Discounters und das von Tjaereborg seien nicht vergleichbar, teilte eine Sprecherin des Unternehmens mit. Die Qualität der Hotels sowie die Zimmergröße würden sich deutlich voneinander unterscheiden. Die Tjaereborg-Unterkunft gelte als "ausgewiesenes Party-Hotel" mit schlechten Kundenbewertungen im Internet.

Nach Angaben eines Konzernsprechers der Rewe-Gruppe (Penny, Rewe) seien zum Zeitpunkt der Veröffentlichung die Reiseangebote ihrer Supermärkte die günstigsten. Da sich die Kosten für Flüge täglich ändern würden, könne man dieses allerdings nicht über den gesamten Zeitraum des Angebots garantieren. Auch hier zweifelte man an, dass man die Viersterne-Hotels einfach miteinander vergleichen kann - und führte als Beispiel ebenfalls schlechtere Kundenbewertungen im Internet an.

Das Fazit des Chefredakteurs von "Clever reisen!" steht jedoch fest: "Man darf im Supermarkt nicht einfach ins Regal greifen und eine Reise wie ein Stück Butter kaufen", sagt Zupancic. Die Discounter seien entgegen landläufiger Meinung nicht unbedingt billiger als die klassischen Reiseveranstalter. Er ist mit dieser Einschätzung keineswegs allein. "Unser Ratschlag ist: immer die Preise vergleichen", sagt Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale in Hamburg. "Auch beim Discounter."

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