Ausflug nach Las Vegas Alleinreisender Neunjähriger schummelt sich ins Flugzeug

Weder bei der Gepäckkontrolle noch beim Boarding fiel er auf: Ein neunjähriger Junge konnte am Flughafen von Minneapolis allein und ohne Ticket an Bord eines Flugzeugs gelangen. Das schlaue Kind blamiert damit Sicherheitsbehörde und Airline.

Delta Air Lines in Minneapolis: Ohne Ticket an Bord geschummelt
REUTERS

Delta Air Lines in Minneapolis: Ohne Ticket an Bord geschummelt


Las Vegas - Sein Weg kann gut verfolgt werden - im Nachhinein und aufgrund diverser Sicherheitskameras. Der Junge kam um 10.37 Uhr am Donnerstag mit einer Regionalbahn am Flughafen von Minneapolis an. Am Terminal 1 passierte er die Sicherheitskontrollen und ging dann an Bord einer Delta-Air-Lines-Maschine, die um 11.15 Uhr nach Las Vegas abhob. Das Besondere an dem Neunjährigen: Er kam allein, hatte kein Ticket und gelangte unbehelligt durch sämtliche Kontrollen.

Erst an Bord des Flugzeugs erschien der Junge der Crew verdächtig. Sie kontaktierte die Polizei von Las Vegas, die ihn am Flughafen in Empfang nahm. "Die Geschichte hat immerhin ein gutes Ende", sagte Pat Hogan, Sprecher des Flughafens von Minneapolis: "Zumindest die Crew hat angemessen reagiert, und das Kind wurde sicher zurückgebracht." Seine Eltern sagten den Polizisten, die ihnen in ihrem Haus in Minneapolis am Donnerstag die Nachricht über ihren Sohn überbrachten, sie hätten "heute noch nicht viel von ihm gesehen".

Der neunjährige Ausreißer scheint sich ziemlich schlau verhalten zu haben: Er soll sich im Flughafen einmal zu einer Familie gesellt zu haben, um nicht entdeckt zu werden. Auch zeigt laut Flughafensprecher Hogan ein Überwachungsvideo, dass sich der Junge schon am Mittwoch, am Tag vor dem Flug, in dem Terminal aufgehalten hat.

"Er nahm ein Gepäckstück vom Band, welches nicht ihm gehörte", sagte der Sprecher, dann habe er in einem Restaurant außerhalb des Sicherheitsbereiches ein Mittagessen bestellt. Nach dem Essen sagte er zu dem Kellner, dass er zur Toilette müsse, ließ das Gepäck stehen - und verschwand, ohne zu bezahlen. Der Koffer konnte dem Eigner zurückgegeben werden.

Gescreent, aber nicht aufgefallen

Der Fall sorgt in den USA für Aufsehen. Bisher ist nicht geklärt, warum das alleinreisende Kind bei den Kontrollinstanzen nicht aufgefallen ist. "Der Neunjährige musste drei Sicherheitskontrollen durchlaufen", sagte ein Luftfahrtexperte dem TV-Sender Kare-11 in Minneapolis, "es gibt die Kontrollen der Sicherheitsbehörde TSA, die Beamten am Gate und die Airline-Crew - und das Kind kommt durch, sogar ohne Sitzplatz."

Das Sicherheitssystem, das nach dem Terroranschlägen vom 11. September 2001 eingeführt worden ist, habe offensichtlich große Mängel. "Während wir in der Luft sicher sind, beweist dieser Vorfall, dass immer noch Lücken klaffen", sagte der Experte.

Der Junge sei wie alle anderen Passagiere an der Sicherheitskontrolle überprüft worden, teilte die TSA mit, "um sicherzustellen, dass er keine Gefahr für das Flugzeug darstellt". Zum weiteren Ablauf des Vorfalls nahmen weder die Behörde noch Delta Air Lines Stellung. Und die Mitteilung auf der Webseite der TSA, dass die Seite wegen des Shutdown zurzeit nicht gepflegt wird, lässt vermuten, dass hier vorerst auch kein Kommentar zu erwarten ist.

abl/AP

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Seite 1
Phil2302 07.10.2013
1.
Oh nein, ich hoffe die Amerikaner schaffen es, die Sicherheitsvorkehrungen deutlich zu verschärfen. Es ist doch bekannt, das GERADE von neunjährigen Kindern höchste Terrorgefahr ausgeht. Mal im Ernst, natürlich sollte so etwas passieren, aber ein Drama ist es nun nicht.
susi_123 07.10.2013
2. Na toll,
welch grandiosen Sicherheitskontrollen. Da fühlt man sich als Reisender doch gleich viel besser...
Rickie 07.10.2013
3.
Ich find die ganze Sache lustig. Mehr muss man daraus auch nicht machen. Lückenlose Sicherheit ist erstens unerreichtbar und zweitens auch nicht besonders erstrebenswert.
tmrkhzn 07.10.2013
4. optional
es ging doch um die Sicherheit und nicht darum, ob das Kind ein Ticket hat. Dann haben sie sich eben nur um die Sicherheit gekümmert.
mh1012 07.10.2013
5. Glück gehabt!
Da hat der Bengel aber Glück gehabt, dass ihn das Sicherheitspersonal in Ausübung ihres wichtigen Dienstes nicht erschossen hat. Man hätte ihn schließlich für einen kleinwüchsigen Terroristen mit einem Sprengstoffgürtel halten können. Für die Zechprellerei im Restaurant droht ihm jetzt wahrscheinlich lebenslänglich.
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