Tourismus im Westjordanland Amnesty International prangert Buchungsportale an

Nicht nur Airbnb muss heftige Kritik dafür einstecken, dass es in jüdischen Siedlungen Apartments vermittelt. Auch drei andere große Portale fördern laut Amnesty International die Verletzung von Menschenrechten.

Airbnb-Gastgeber in der jüdischen Siedlung Ofra (Archivfoto)
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Airbnb-Gastgeber in der jüdischen Siedlung Ofra (Archivfoto)


Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) hat Online-Buchungsbörsen vorgeworfen, durch Angebote in israelischen Siedlungen die Rechte der Palästinenser zu verletzen. Amnesty nannte die Buchungsbörsen Booking.com, Expedia, TripAdvisor und Airbnb. Letztere hatte zwar vor wenigen Wochen angekündigt, Ferienwohnungen im Westjordanland aus dem Angebot zu streichen. Umgesetzt wurde dies jedoch noch nicht.

"Sie fördern Menschenrechtsverletzungen von Palästinensern, indem sie Hunderte von Zimmern und Aktivitäten in israelischen Siedlungen auf besetztem palästinensischem Land auflisten, einschließlich von Ostjerusalem", hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung von Amnesty International.

Anlass für das Statement ist der neue AI-Report "Destination: Occupation", in dem es um die besetzten Palästinensergebiete als Reiseziel geht. Untersucht wurden dafür die Angebote der genannten Unternehmen in fünf Orten - darunter die 200.000-Einwohner-Stadt Hebron, das Beduinendorf Khan al-Ahmar und Silwan, ein Stadtteil in Ostjerusalem, in dem hauptsächlich Palästinenser wohnen.

Die Ergebnisse sind:

  • Der amerikanische Apartmentvermittler Airbnb listet rund 200 Adressen in Israels Siedlungen einschließlich Ostjerusalem.
  • Das in den Niederlanden ansässige Unternehmen Booking.com hat dort 45 Hotels und Ferienwohnungen im Angebot.
  • Das US-Unternehmen Expedia listet unter dem gleichnamigen Portal sowie unter Hotels.com neun Anbieter von Unterkünften in den besetzten Palästinensergebieten.
  • TripAdvisor, ebenfalls in den USA ansässig, bewirbt dort mehr als 70 verschiedene Attraktionen, Touren, Restaurants, Cafés, Hotels und Ferienwohnungen.

Die vier Portale "beanspruchen für sich, nach hohen ethischen Richtwerten zu handeln und das Gesetz zu respektieren", schreibt Amnesty International in dem Bericht. "Allerdings scheint keiner dieser Standards zu greifen, wenn es um ihre unternehmerischen Aktivitäten in den jüdischen Siedlungen geht."

Das Fazit der Menschenrechtsorganisation: "Online-Buchungsbörsen fördern Tourismus in illegalen israelischen Siedlungen und tragen damit zu ihrer Existenz und ihrem Ausbau bei." Die Besiedlung der besetzten Palästinensergebiete sei als Kriegsverbrechen einzustufen. "Trotzdem sind diese vier Firmen weiter in den Siedlungen aktiv und profitieren von dieser illegalen Situation."

Israels Kulturministerin Miri Regev kritisierte den Amnesty-Bericht scharf. Der Bericht wolle der Boykottbewegung gegen Israel den Rücken stärken. "Aber es wird ihnen nichts helfen, sie werden weiter Quatsch schreiben", sagt Regev. "Und wir werden die Siedlungen in Judäa und Samaria (Westjordanland) verstärken."

Der israelische Minister für strategische Angelegenheiten, Gilad Erdan, will angesichts des Berichts gegen Mitarbeiter von Amnesty International vorgehen. Er habe sein Ministerium angewiesen, die Möglichkeit zu prüfen, ihnen die Einreise nach Israel und den Aufenthalt zu verbieten. Er habe den Finanzminister schon vor einigen Wochen gebeten, Steuervergünstigungen für die Organisation zu streichen.

Saeb Erekat, Generalsekretär der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO, rief die Vereinten Nationen dazu auf, "eine Liste von Unternehmen zu veröffentlichen, die an der israelischen Besatzung beteiligt sind". Er forderte internationale Richtlinien, um sicherzustellen, dass ausländische Bürger und Unternehmen nicht die israelischen Siedlungen unterstützen.

"Sensible Angelegenheit"

Eine Sprecherin von TripAdvisor sagte, man verstehe, "dass dieses Thema eine sensible Angelegenheit mit kulturellen und politischen Implikationen ist". Die Tatsache, dass ein Unternehmen auf TripAdvisor gelistet sei, "bedeutet jedoch keine Billigung oder Unterstützung dieses Unternehmens von unserer Seite". Man stelle Einträge als Plattform für Gäste zur Verfügung, "auf der jeder seine eigenen Erfahrungen mit anderen Reisenden teilen darf". Sie erklärte: "Aus diesem Grund entfernen wir keine Einträge von Unternehmen oder Betrieben, die aktiv und geöffnet bleiben."

Booking.com teilte mit: "Die Mission von Booking.com ist es, Menschen dazu zu befähigen, die ganze Welt zu erleben. Wir erlauben allen Anbietern von Unterkünften weltweit, diese auf unserer Plattform zu listen, solange sie dabei das geltende Recht einhalten. Die Art und Weise, wie wir Informationen anzeigen, steht immer in Übereinstimmung mit den lokalen Gesetzen vor Ort, um allen, die eine Unterkunft auf unserer Website suchen, Transparenz zu bieten." Eine Sprecherin von Expedia sagte, man prüfe den Bericht.

Einer der "zehn schlimmsten antisemitischen Vorfälle 2018"

Airbnb äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht. Das Unternehmen hatte allerdings im November erklärt, keine Unterkünfte mehr in israelischen Siedlungen vermitteln zu wollen, weil diese sich im "Zentrum des Streits zwischen Israelis und Palästinensern" befänden. Die Palästinenserführung hatte dies begrüßt.

Israel bezeichnete die Entscheidung dagegen als diskriminierend. Sowohl in Israel als auch in den USA reichten daraufhin Betroffene Klage wegen Diskriminierung gegen Airbnb ein.

Airbnb wurde in die Liste des Wiesenthal-Zentrums für die zehn weltweit schlimmsten antisemitischen Vorfälle im Jahre 2018 aufgenommen. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass das Unternehmen auch in anderen umstrittenen Regionen der Welt, wie etwa Zypern, ähnlich vorgehe, hieß es in dem Bericht des Zentrums.

Israel nahm 1967 während des Sechstagekriegs unter anderem das Westjordanland und Ostjerusalem ein. Dort leben heute mehr als 600.000 israelische Siedler in mehr als 200 Siedlungen. Die Palästinenser wollen auf dem Gebiet einen unabhängigen Staat gründen. Die Annexion Ostjerusalems 1980 durch das von der Knesset verabschiedete Jerusalemgesetz ist nicht international anerkannt.

jud/dpa

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